Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1879)
- Date
- 1879-01-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Frankreich. Paris. (Monatsbericht December 1878 der #VH. Jsr. Univ") (Die Israeliten in Serbien.) Das C.-Comite erhielt über die Israeliten von Nisch Mittheilungen, welche die im letzten Monatsberichte veröffentlichten bestätigen. (Die Israeliten von Marocco.) Die Nachrichten aus diesem Lande sind noch immer sehr traurig; die HungerSnoth und die Krankheiten decimiren dort die plötzlich von so viel Kalamitäten heimgesuchten unglücklichen Bevölkerungen. Die Israeliten sind davon nicht weniger als ihre muselmännischen Landsleute betroffen und haben gleichfalls zahlreich Opfer zu beklagen. Dank jedoch der europäischen Barmherzigkeit, konnte manche Noth gelindert werden. Das C.-Comite hat seit dem Monat September eine Summe von 10,000 Fr. gespendet, um der alleräußersten Noth abzuhelfen; dasselbe hat soeben zu diesem Zwecke eine gleiche Summe aus der türkischen Sammlung votirt. In London hat sich unter Vorsitzt des H. Aflalo jun. ein israelitisches Comite für Marocco gebildet, das die edelste und rührendste Thätigkeit zu Gunsten jener Unglücklichen entfaltet. Die Consuln der verschiedenen Länder und besonders derjenige von Frankreich, H. v. Vaux mit seinem Canzler H. Helouis, wetteifern in Wohlthätigkeit und Menschenliebe. Der genannte ausgezeichnete diplomatische Agent hat zahlreiche Hilfssendungen veranlaßt und sich außerdem selbst der Organisation derselben unterzogen; er wird hierbei von einem französischen Arzt H. Ollive, würdig unterstützt, dessen Hingebung und Aufopferung mit den Leiden, die er zu bekämpfen berufen ist, zu wachsen scheint. L>eit säst einem Jahre leidet die israelitische Gemeinde vou Mogador an einer ununterbrochenen Reihe von furchtbaren Kalamitäten, welche ihre Existenz zu erschüttern drohen und sie jedenfalls sehr precär und elend gemacht haben. Im letzten Jahre sah man in Folge der andauernden Dürre, unter welcher der ganze Süden des Kaiserreiches litt, mit Schrecken voraus, daß die HungerSnoth nach Mogador kommen würde. Seit Juni genügten für die Konsumenten die Hilfsquellen des Landes nicht mehr, und man sah sich genöthigt, sich an Europa und seine Verproviantirung zu wenden. Die Landleute, die auf ihren vertrockneten Feldern Hungers starben, verfehlten nicht, von allen Seiten nach Mogador zu strömen; die Juden, die sich fast ausschließlich mit dem Kleinhandel auf dem Lande beschäftigen und jetzt ihren gewohnten Absatz nicht mehr fanden, sahen sich ihres einzigen Existenzmittels beraubt und daher genöthigt, dem Beispiele ihrer Kunden zu folgen. Die Bevölkerung des Mellah wuchs daher in beträchtlichen Proportionen an und erreichte bald die Zahl von 11,000 Seelen.! Hierunter gab es mehr als 3000 Individuen, die absolut von Allem entblößt und auf den Bettel angewiesen waren. Die europäische Kolonie von Mogador, über diesen Zustand der Dinge beunruhigt, beschloß sofort, Hülfe zu schaffen und erlangte glücklich, sowohl aus Frankreich als aus England, Fonds, welche sie in den Stand setzten, alle diese Unglücklichen zu ernähren. Der französische Consul, der sich an die Alliance israelite universelle gewandt hatte, erhielt von derselben Unterstützung; ihm schickten ferner H. Braunschwig aus Lyon eine von ihm daselbst gesammelte Summe von 300 Fr. und ein Kaufmann aus Marseille, H. David Leon Cohen, 500 Sack Mehl; H. v. Vaux errichtete schnell in einem ihm von H. Abr. Afriat zur Verfügung gestellten großen Local eine Küche, die täglich 15Ö Rationen Suppe und Brot an nothleidende Israeliten vertheilt. An dieser Vertheilung, welche unter Aufsicht des Localcomrtäs der Alliance geschieht, participicen nur Greise und Kranke. H. v. Vaux und sein Kanzler erscheinen täglich, um durch ihre Anwesenheit und ihre Rathschläge das Comite zu ermuthigen, das sich durch seinen Eifer des Wohlwollens des Konsuls würdig zu machen sucht. Die Armen, welche die Hingebung dieser Herren für diese philantropische Aufgabe sehen, hören nicht auf, denselben alle Verehrung zu bezeugen, die solche discret geübte Barmherzigkeit den Empfängern einflößen muß. Das genannte Comite leitet auch eine Suppenanstalt, die eine europäische Israelitin, Frau I. L. Iuly jr., vom Ertrage einer von ihr in London veranstalteten Spendensammlung für arme jüdische und muselmännische Kinder gegründet hat. Ebenso hat England mit Hilfe des „Marocco Hilfsfonds" in der kleinen Mellah eine Küche eingerichtet, wo unter Aufsicht einiger von dem englischen Gesandten, H. I. Hay, und seinem Kanzler, H. Johnston, ausgezeichnet unterstützten Herren des genannten Comitäs täglich 800 bis 900 Arme eine Suppe erhalten. Die armen Israeliten waren nun durch diese 3 Anstalten vor dem Hunger geschützt; sie mußten aber auch vor Kälte geschützt werden. Eine von dem genannten Comitö eröffnete Sammlung hat auch dieses Ziel erreichen lassen; die Europäer betheiligten sich eifrig bei derselben; auch H. Baron von Hirsch aus Paris spendete 300 Fr. und die israelitische Gemeinde gab 80 Stück Cattun, so daß man sofort im Stande war, wenigstens für Bekleidung der halbnackten jüdischen Armen dieser Stadt zu sorgen. Wie man sieht, gelang es der europäischen Barmherzigkeit soviel als möglich, die traurige Lage der armen Israeliten zu verbessern. Man hätte auf diese Weise mit weiteren Opfern jbessere Zeiten abwarten können, wenn man nur gegen Hunger und Kälte allein Vorsorge zu treffen gehabt hätte;