Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-01-15 · Heft 3 (15.1.1879) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 3 (15.1.1879)
Date
1879-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447801--15731-2471691
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

52 Lohnzahlung einführten und die Weberei des Oberlandes gehoben hatten. So haben Israeliten des Oberlandes nicht nur Handel getrieben, sondern auch Gewerbe und Wissenschaften, und die, welche Handel trieben, haben zum weitaus größten Theil ihren christlichen Mitbürgern genützt. Der Vers, schließt mit folgenden beherzigungswerthen Worten: Unsere eigenen Glaubensgenossen aber und besonders die, welche sich von der Gewinnsucht zur Schändung des heiligen Gottesnamens haben verleiten lassen, beschwören wir fern zu bleiben von jeder Unredlichkeit und Betrügerei, von jeder habsichtigen Handlung und Beschädigung der Nebenmenschen , und durch Wohlthun und Redlichkeit, reine Gesinnung und Nächstenliebe den Pflichten nachzukommen, die Gott uns auferlegt hat. ,,Liebe den Ewigen, deinen Gott, mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen." „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, liebe auch den Fremden wie dich selbst." Dieses hiermit zu erklären und warnend zu rufen halten wir für unsere Pflicht. Folgende rührende Nachschrift ist der Broschüre angefügt: Eine wunderbare göttliche Fügung hat die Veröffentlichung dieser Abwehr hingehalten. Inzwischen ist der Ort des Oberlandes, in welchem die älteste jüdische Gemeinde des Großherzogthums sich befindet, durch einen entsetzlichen Brand hart, sehr hart betroffen worden. So schwer wie das Unglück war, so brachte es doch eine wahrhaft erhebende Thatsache und eine unvergeßlich schöne Offenbarung, die hier nicht verschwiegen werden darf. Juden halfen den Christen, Christen den Juden. Auch ich und meine Familie haben in den schreckensvollen Tagen so viele Liebesthaten aus den Händen edler Christen empfangen, daß ich Gott auf den Knieen danke um eine solche segensreiche Erinnerung reicher geworden zu sein. Liebten sich die Confessionen immer so gegenseitig, wie viel Weh würde den Menschen erspart bleiben! Aber noch ein Andres erwies jenes entsetzliche Unglück. Kaum war die Schreckenskunde nach Eisenach, nach Mühlhaufen, nach Stuttgart, nach Frankfurt, nach Hamburg, nach Berlin gedrungen, so machten sich edle Männer daselbst auf, sammelten Geld, Kleidungsstücke, Nahrungsmittel und brachten sie selbst oder sandten sie hierher zur Vertheilung „ohne Unterschied der Konfession." Und wer waren diese, die zuerst des Ortes gedachten? Das waren Juden, die in Lengsfeld ihre Heimath hatten, die der schönen Tage confessionellen Friedens gedachten, unter denen sie ihre Jugend bezw. ihr Mannesalter hier durchlebten. Die Theilnahme, welche unser Ort auf so vielen hohen höchsten und allerhöchsten Seiten gefunden, ist eine wahrhaft rührende; ein unvergängliches Zeugniß für die unauslöschliche Heimathsliebe der Lengsfetder Inden wird aber die sofortige Hilfe bleiben, welche diese voller Innigkeit und Hingebung unserm Orte brachten, ein Zeugniß für alles das, was das Oberland seinen ihm unveränderlich treu bleibenden Juden verdankt. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Papa (Ungarn). In jedem Werke eines tüchtigen Mannes finden wir ein Stück seines Charakters, einen Theil seiner Erfahrungen verwirklicht, sehen wir das hohe Ziel zum Ausdrucke gebracht, das ihm vorschwebte, das er unter allen Umständen offen bekennt, auf dessen Erreichung und Verwirklichung er alle seine Kräfte richtet und verwendet. — Wir wären ungerecht gegen die Sache und Person, wollten wir der hiesigen jüdisch orthodoxen Realschule in diesen geschätzten Blättern nicht Erwähnung thun und dem geehrten Leserkreise des „Israelit" die kurze Geschichte vorenthalten , die sich an dieses jüdisch - confessionelle Institut knüpft. — Es sind bereits mehr als zwei Jahre — seitdem Herr Dr. Salomon Breuer seines Amtes als Rabbiner der hiesigen jüdischen orthodoxen Gemeinde waltet, — daß dem jüdischconfessionellen Schulwesen dahier wieder jene Aufmerksamkeit zugewendet wird, welche dieser hochwichtigen Sache würdig ist, welche zumal dem jüdisch - orthodoxen Schulwesen Noth thut, soll nicht eine Zeit über uns Hereinbrechen, in der aus jedweden Mangel an Gesetzeskenntniß für unsere religiösen Institutionen das Schlimmste zu befürchten ist. Die Reorganisirung der Volksschule in echt jüdisch-orthodoxem Sinne und Geiste war die erste That unseres pflichtgetreuen Seelsorgers, die auch mit dem schönsten Erfolge für die späteste Zukunft gekrönt wurde. — Dies Factum allein beweist zur Genüge, daß wir dem rechtenManne zur rechten Zeit die Leitung unserer religiösen Institutionen anvertraut, daß wir in unserer Wahl uns nicht getäuscht, daß die geistige Leitung unserer religiösen Anstalten in den besten Händen, daß der geistige Führer unserer Gemeinde seiner Stellung nach jeder Richtung hin würdig und gewachsen ist. — Dieser an erkennens-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.