Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1879)
- Date
- 1879-01-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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36 Die hie gen Juden auch den guten Willen hatten, den rech rn Gebrauch davon zu machen. inn *1 Hin’ Feuilleton* Iakobine. Ein Lebensbild. Von Iriedrich Mott. II. Ein gellender Schrei entfährt ihr; sie schlingt ihre Arme um ihn. „Nein, nein, ich lasse Dich nicht! Du mußt mir sagen, was geschehen ist! D* mußt!" „Ich muß fort, Bertha, ich muß — noch in dieser Nacht —" „Und wohin? —" Er wendet sich ab und zuckt die Achseln. „Und wann kehrst Du zurück?" Er zuckt die Achseln. „Allmächtiger Gott im Himmel! Jakob! Du willst Dir ein Leid anthun!" Er wendet sich rasch zu ihr. „Bertha! wie kannst Du so Entsetzliches von mir denken! - Großer Gott! bin ich denn so tief gesunken?" „Verzeih* mir!" und sie wirft sich laut schluchzend an seine Brust. „Aber Du sprichst so seltsam und Dein Aussehen ist schrecklich! — Mein Gott! mein Gott! — mußt Du denn fort? — noch in dieser,Nacht? — Bleibe wenigstens bis morgen —" Er zieht sie neben sich auf*s Kanapee und ringt mit Macht nach Fassung. „Bertha, wenn ich Deinen Bitten, Deinen Thränen nachgebe — wenn ich meine Abreise verzögere —" er stockt. Sie richtet sich in seinen Armen auf und schaut ihn angstvoll fragend an. „Nun? — wenn Du bis morgen bei mir bleibst? —" „So kommen morgen Diener des Gerichts — und verhaften mich —" Einen Augenblick starrt sie ihn an, wie vom Entsetzen gelähmt; gleich darauf aber bricht sie in ein herzliches Lachen aus. „Wie Du mich necken willst! geh* Jakob, geh* das ist nicht schön von Dir: im ersten Augenblick war ich wirklich erschrocken." Schäkernd will sie den Arm um ihn schlingen, da gewahrt sie, wie es in seinem Antlitze zuckt. „Jakob — Du hast doch Scherz gemacht — nicht wahr? — es war Scherz? —" Aber er schüttelt das bleiche Haupt und Entsetzen malt sich auf*S Neue in dem Antlitz der zarten Frau. Sprachlos starrt sie ihn an, ohne Thräne — ohne Klage — sie kann es noch nicht fassen — aber ihre Zähne schlagen wie im Fieberfrost aneinander. Er blickte auf die Uhr. „Bertha — um Gotteswillen — suche Dich zu fassen — denke an unser Kind — die Zeit drängt — in zwei Stunden muß ich unterwegs sein. — Komm*, setze Dich zu mir und lasse Dir das Entsetzliche erzählen." Und Grünefeld zieht die Bebende in seine Arme und enthüllt ihr, was wir bereits wissen. — Er hat geschworen — hat falsch geschworen — ist des Meineids überführt. — Morgen ist die entscheidende Gerichtsverhandlung — sein Advocat selbst hat ihm jede Hoffnung auf Freisprechung benommen; er weiß es, er wird verurtheilt werden und der leichtsinnige. aber ehrgeizige junge Mann kann diesen Gedanken nicht ertragen. Aber seine Gattin hängt sich an ihn. „Nein Jakob, nein, ich lasse Dich nicht, Du darfst nicht fort!" „Bertha, um des Himmels willen, nimm Vernunft an! — Wenn Du mich heute nicht fort lässest, reißen mich morgen Gerichtsdiener aus Deinen Armen — ziehst Du das vor? —" Schaudernd schlägt sie die Hände vor das Gesicht. „Und ist denn keine Hilfe möglich? — keine? —" „Keine. — Und könntest Du es ertragen, Bertha, Deinen Mann im Gefängniß zu wissen? —" Ein Aechzen ist ihre Antwort. „Sei ruhig Bertha —. ich beschwöre Dich! — Die Zeit entflieht und wir haben noch so vieles zu besprechen. — Sieh, wenn ich bleiben und die Kerkerhaft auch ertragen wollte — ich weiß, ich habe sie verdient — und das ist das Entsetzlichste — ich habe mein edles schuldloses Weib unglücklich gemacht! Bertha! — Bertha! — kannst Du mir je verzeihen?" „Sprich nicht so, mein Geliebter! — ich bin ja doch glücklich, daß ich Deine Frau bin — und wenn Du auch unbesonnen gehandelt — und im Jrrthum selbst einen Meineid geschworen hast — mag die ganze Welt Dich deßhalb verdammen — Gott, der Deine Reue sieht, wird Dir*s verzeihen und ich werde Dich darum nicht weniger lieben." Eine lange, glühende, leidenschaftliche Umarmung ist sein Dank. — Doch die Zeit entflieht und er hat noch Vorbereitungen zur Abreise zu treffen. Wieder dringt sie in ihn, er möge bleiben,