Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1879)
- Date
- 1879-01-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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35 jene symbolisch durch Handlungen und Gerüthe zum Ausdrücke gelangen, würden wir ein Unrecht begehen, wollten wir uns dieselben aneignen. — Läßt sich dievon der Orgel sagen?" Nein, erwiedert natürlich der Herr Landrabbiner. Aber man darf billig bezweifeln, ob ein Rabbiner die competente Instanz ist, ein Urtheil übcr den symbolischen oder nichtsymbolischen Charakter eines KirchengeräthS abzugeben, zumal wenn der Rabbiner auch nicht einen einzigen Beleg für diese seine subjective Meinung zu erbringen vermag. Sicherlich wird jeder Unbefangene dem Urtheile eines Pfarrers oder gar eines Kirchenvaters in dieser Angelegenheit mehr Gewicht beilegen müssen, als der bloßen Anscht eines Rabbiners. — Und nun, wenn Sie ehrlich find, Herr Landrabbiner, schlagen Sie im Augustinus nach und Sie werden im J. der zehn Foliobände, welche sich auf der CasselerLandesbibliothek von diesem Kirchenvater befinden, den Briefwechsel zwischen Augustinus und Dardauus, und bei dieser Gelegenheit die Behauptung finden, daß die Orgel ein symbolum evangelii ist!! Und dann treten Sie vor ihre Gemeinde hin und sagen ihr. Sie hatten bis jetzt immer für die Orgel plaidirt, weil Sie dieselbe für zulässig gehalten hätten, aber nach Ihren eigenen Worten würden Sie ein Unrecht begehen, wenn Sie länger für die Zulässigkeit der Orgel in der Synagoge einstehen wollten! Das wäre die Handlungsweise eines ehrlichen Mannes. So weit hatten wir geschrieben, als eben der Sachverhalt bekannt wurde, auf Grund dessen der Charakter unseres Autors in einer Correspondenz aus Cassel in Nr. 51 des „Israelit" eine so eigenthümliche Illustration erfahren hat. — Gegen einen Autor solchen Charakters weiter die Feder zu führen; wäre unwürdig und unnöthig. Unter solchen Umständen hält man sich nicht mehr an’S Buch; sein Autor genügt, um zu beweisen, daß das Reformjudenthum, das von solchen Charakteren vertheidigt wird, dem Niedergang aussichtslos verfallen ist. Zeitungsnachrichten und Gorrefpondenzen. Australien. Melbourne, 14. Nov. Meinem Versprechen gemäß will ich Ihnen heute den weiteren Verlauf der Proselyten-Angelegenheit in den hiesigen Gemeinden mittheilen. Die eine und kleine Gemeinde hat, wie ich schon früher erwähnt, beschlossen, gar keine Proselyten mehr aufzunehmen, ein Schritt, der eben so lächerlich als unrecht ersche wn muß und den auch unser Oberrabbiuer '"2 keineswegs billigt. Die größere Bourke Str.-Gemeinde hat mehrere Meetings wegen dieser Frage gehalten, ist aber trotz sehr großer Discussionen doch zu keinem Beschlüsse gelangt. Im Allgemeinen läßt sich sagen, daß die Juden hier der Proselytenmacherei durchaus keinen Vorschub leisten, sondern daß sie jeden einzelnen Fall nach Umständen und in Uebereinstimmung mit den Behörden behandeln wollen. Die Juden hier haben nie einem Christen, der sich zum Judenthume bekennen wollte, wenn seine Motive gut waren, etwas in den Weg gelegt. Aber ein solcher Fall ist meines WisienS nie vorgekommen. Die hohen Festtage sind hier wie gewöhnlich verflossen, die Synagogen waren überfüllt, alle Geschäfte geschlossen und Alt und Jung schiene» vom tiefem Ernste beseelt zu sein, n'n ,rp\vr\ ro^ und a"' werden hier mit äußerst wenigen Ausnahmen streng gefeiert. roiD wird leider von Vielen nicht gehalten. Und doch ist es, da pdid in Australien im höchsten Frühling ist, sehr angenehm in der 7>mo zu wohnen und kann man mit Leichtigkeit sich die D'J'D nya-wt verschaffen, man sucht sie sich in den Gärten für eine Kleinigkeit selbst aus. Bedenkt man übrigens, daß sich die hiesigen jüdischen Gemeinden und deren religiösen Institutionen noch im Entwicklungszustande befinden, und daß die Jugend bisher wenig rwnpn umira unterrichtet worden ist, so kann man sich solche Lauheit wohl erklären. Andrerseits ist es geradezu erfreuend zu sehen, wie unsere einflußreichsten Leute stolz auf den Namen „Jude" sind und ihrer Religion Ehre zu machen sich bestreben. Dies zeigt sich namentlich bei allen Sammlungen für wohlthätige Zwecke, in denen die Juden gewöhnlich an der Spitze der Liste stehen. Das Publikum und die Presse erkennen dies auch offen an und sind höchst liberal gegen die Juden. Als man jüngst von Seiten der Katholiken unsere confessionslosen Elementarschulen in confessionelle umzuwandeln versuchte, wurde dieses Streben von allen Classen energisch zurückgewiesen. Dieses ist von großer Wichtigkeit für die jüdische Bevölkerung, die sich dieser Schulen häufig bedient und für die dieselben gerade wegen ihres konfessionslosen Charakters und wegen des Umstandes, daß in denselben am Sabbat der Unterricht ausfällt, sehr erwünscht sind. Für den Religions« Unterricht tragt natürlich die Gemeinde Sorge. — Sie sehen also, geehrter Herr Redacteur, daß wir in Bezug auf Religionsfreiheit nicht zu klagen haben, wenn nur