Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1879)
- Date
- 1879-01-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Erste Beilage zu Ar. 2 des Israelit. Leitender Artikel. Per Niedergang des Keformjudenthums. VI. Das alte lateinische Sprüchwort: „Quo« Deus perdere vult, demeutat prius,“ läßt sich auf unfern Reformrabbiner angewandt, dahin wiedergeben: „Wenn der Himmel einen Reformrabbiner blamiren will, läßt er ihn sich mit dem Talmud befassen." Die Unwissenheit in talmudicis scheint obligatorisch für die Aufnahme in die heilige Zunft der Reformrabbiner zu s in, man ist sie deßhalb schon gewöhnt; aber der Curiosität willen mögen h er noch einige Pröbchen conservativer Reform folgen. Wir sagen conservative Reform, weil dies vielleicht das einzige Moment ist, worin sich das Reformjudenthum im Großen und Ganzen treu blieb und sich richtig conservirt hat. Ader nur im Großen und Ganzen. Bei Licht betrachtet, ist aber doch noch ein gewaltiger Unterschied zwischen einem Holdheim, Geiger rc. und dem Meistersinger unserer Friedens sti mme nebst Consorten. — Jene haben wenigstens den Talmud zu hantiren verstanden, und wenn sie ihn auch tendenziös entstellten und deuteten, so mußte man doch selbst Talmudgelehrter sein, um ihre Entstellungen und Spitzfindigkeiten klarlegen zu können. Heute ist aber das Reformjudenthum bereits so tief herabgekommen, daß es von Leuten mit Hilfe des Talmuds vertheidigt werden muß, die sich thatsächlich nicht einmal auf seine äußere Handhabung verstehen. Man braucht noch kein Talmudgelehrter, man braucht nur der allerersten Rudimente der heiligen Sprache nicht ganz unkundig zu sein, um zu wissen, daß z. B. das im Talmud häufig erwähnte 5ipna, was es auch immer bedeuten möge, jedenfalls das nicht heißen kann, was es nach S. 28 und an anderen Stellen des vorliegenden Buches heißen soll: „Tochterstimme"!! Denn abgesehen davon, daß es nicht gut ersichtlich wäre, wie die Stimme einer Tochter eine Differenz zwischen der Hillel' scheu und Schammai'schen Schule hätte schlichten sollen, so kann ja auch grammatikalisch ^,p nn höchstens „Tochter der Stimme" und nur nan b)p „Tochterstimme" heißen! Grammatisches, richtiges Berständniß scheint überhaupt nicht die starke Seite unseres Autors zu sein, wie wir dies an einigen Proben der deutschen und lateinischen Sätze zeigten. Aber besonders in dedraiois zeigt es sich, daß der stolze Adlerflug des Friedenpredigers, die kleinlichen Fesseln verschmäht, welche Logik und Grammatik gewöhnlichen Schriftstellern anlegen. orjn map ihre Einsicht ist zu kurz, würden wir uns sagen, wenn uns auf S. 106 der Friedensstimme nicht gelehrt würde, daß diese Worte neuerdings heißen: „ihre Gesinnung ist schwach!" Schwächer als die Gesinnung aber find die Füße, auf welchen z. B. die Behauptung steht, daß der Stamm nirgends vorkomme, (Anm. S. 137) da dieser Stamm sich allerdings in Ps. 106. 30 findet. — Das Uebersehen eines solchen allerdings nur dieses eine Mal sich findenden Wortes ist übrigens zu entschuldigen. Weniger verzeihlich ist es, wenn S. 31 die angebliche Aeußerung eines noch lebenden Rabbiners bespöttelt wird, das jüdische Religionsgesetz gleiche einem aus Nüssen aufgeführten Thurm, dessen ganzer Bau durch Beseitigung einer einzigen Zusammenfalle. Wenn dabei etwas zu bespötteln ist. so ist ein jetzt noch lebender Rabbiner daran unschuldig. Die richtige Adresse für den Spott ist dann der Midrasch Schir Haschirim Rabbah. der allerdings dieses Bild enthält. nn« n« dt tu« no tht tu« pu btt ttni /D) pbibmoi p-rrno jtoi Aber ein Autor wie der der Friedensstimme braucht für den Spott nicht erst zu sorgen. Manchmal freilich geht einem der Spott aus, wenn man den groben Mißbrauch des Vertrauens gewahrt, das doch jeder beansprucht, wenn er mit einem Buche vor die Oeffentlichkeit tritt. Man ist bei den Extravaganzen des Adler'schen Pamphlets immer im Zweifel, ob man es mit einer Ignoranz oder mit einer Dreistigkeit sondergleichen zu thun hat. Wir wollen dem Leser die Entscheidung darüber überlassen. Man braucht wiederum kem Talmudist zu sein, um die Wahrheitswidrigkeit der folgenden Expectoration zu begreifen: „Ebenso die Tephillin! Man lese nur die betr. Abschnitte , die sich in den Kapseln (ctg) befinden, und in den vorausgehenden gjk u:n jod, so wird man sofort erkennen, daß in der