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Der Israelit · 1879-01-08 · Heft 2 (8.1.1879) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 2 (8.1.1879)
Date
1879-01-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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29 Oesterr. - Ungarische Monarchie. Wie«. (Erlebnisse einer Neuvermählten). Unter diesem Titel gibt die Wiener „Presse" Kunde von folgendem abscheulichen Betrüge: „Am 22. September d. I. fand in Jedlersee die Trauung eines gewissen Isaak Zirlsoha auS WitebSk in Rußland mit der Tochter der zwar unbemittelten, aber rechtschaffenen, in Jedlersee wohnhaften Familie F. statt. Der junge Mann hatte das Vertrauen eines Verwandten, sodann das des zwanzigjährigen jungen Mädchens und die Einwilligung der Eltern durch allerlei falsche Angaben, unter Anderm auch durch die, daß er zu Hause eine große Erbschaft zu erheben habe, zu erschwindeln gewußt. Nach stattgehabter Trauung reiste das junge Paar, mit der Ausstattung und 250 fl. versehen, welche die Eltern der Frau mit schwerer Mühe aufgebracht hatten, zunächst nach Warschau. Hier eröffnete der junge Ehemann feiner Frau, daß er die Absicht habe, sich nochmals zu verheirathen, die Mitgift zu nehmen und mit ihr, seiner dermaligen Frau, nach Wien znrückzukehren. Man kann sich das Entsetzen der Armen über diese Eröffnung vorstellen. Sie verlangte sofort, nach Wien zu ihren Eltern zurückgeschickt zu werden, ließ fich jedoch, da der Mann scheinbar Reue zeigte und für die Zukunft alles Gute versprach, bereden, mit ihm nach Wilna zu reisen, um noch Schlimmeres zu erfahren. Der saubere Ehegatte erklärte, nach Dünaburg zu seiner Schwester reisen zu müssen, und gab der jungen Frau anheim, in dem Hotel, in welchem sie sich einquartiert hatten, seine Rückkunft abzuwarten. Die Frau wollte jedoch allein in einem Hotel nicht bleiben, sondern verlangte zu einer achtbaren Familie, welche der Gatte aufsuchen sollte, in Kost und Quartier gegeben zu werden. ' Dies sagte der Letztere zu, und nachdem derselbe einen angeblichen Bekannten zu Rathe gezogen, wurde die junge Ehegattin bei einer Frau, Namen» Pauline Haulek, cinquartirt und der Mann reifte ab, ohne der Frau einen Kreuzer Geld und von ihrer Ausstattung mehr als den Anzug, deu sie trug, zurückzulassen. Doch wer schildert den Schreck der jungen Frau, als sie am Abend gewahr wurde, daß sie sich in einem verrufenen Hause befinde! Sie erklärte, daß sie sich eher tödten, als ihre Ehre preisgeben würde, und nun kam erst das abscheuliche Bubenstück, welches der Gatte an seiner Gattin verübt hatte, an den Tag. Er hatte sie der Pauline Haulek für 45 Rubel verkauft, mit dem Bemerken, daß er selbst sie in Warschau in einem ähnlichen Hause gekauft habe. Die Wirthiu verlangte nun ihr Geld zurück, da aber der Gatte abgereist war und die arme Betrogene nichts befaß, so mußte die Letztere, die noch überdies erkrankte, fünf Wochen in dem Haufe verweilen. Mau ließ sie nicht aus den Augen, und da die Haulek totz des unsauberen Gewerbe» und obwohl sie eine getaufte Jüdin doch häufig die Kirche besucht, so mußte die junge Frau, welche sich zur jüdischen Religion bekennt, sie dahin begleiten. DaS Schlimmste war noch, daß der Ortsrabbiner, an welchen sich die junge Frau brieflich um Hilfe wendete, nichts von ihr wiffen wollte, da er begreiflicher Weife einer Cinwohneriu eines so berüchtigten Hauses keinen Glauben schenkte und der Gatte selbst das Märchen von dem Kauf und Verkauf verbreitet hatte. Endlich gelang es der Armen, ihren Eltern Kenntniß von ihrer traurigen Lage zu geben. Dieselben wendeten sich in ihrer Besorgnitz an den Vater des Schwiegersohnes nach Witebsk und diesem Umstande ist es zu danken, daß der Gatte zu seiner Gattin zurückkehrte und sie auslöste, aber nur, um sich von ihr vor dem dortigen Rabbinate scheiden zu lassen. Die Frau ließ, krank, ermattet, wie sie war und unfähig, sich verständlich zu machen, Alles über fich ergehen. DaS einzige, was der schändliche Gatte noch für seine Frau that, war daß er ihr ein Billet nach Warschau löste. Hier kam sie halb verhungert und starr vor Kälte an und eS wäre, da sie sich bereits in gesegneten Umständen befand, da» Schlimmste zu befürchten gewesen, hätte nicht ein Glaubensgenosse ihr zu essen gegeben und sie zu dem k. k. österreichisch-ungarischen Generalconsul geführt. Der Letztere verschaffte ihr ein Freibillet dritter Elnsse von Warschau bis hierher und so ist denn die Neuvermählte nach acht traurig verlebten Flitterwochen vor einigen Tagen in die Arme ihrer besorgten Eltern zurückgekehrt. Letztere haben inzwischen sich an unser Auswärtiges Amt gewendet und es steht zu erwarten, daß dieses Schritte thun wird, um den Bösewicht zur Rechenschaft zu ziehen und seiner verdienten Strafe zuzuführen. ES ist auch schon deshalb nöthig, des Gatten habhaft zu werden, damit die Angelegenheit der Trennung in gesetzlicher Weise, wie die Trauung stattgefunden hat, erledigt werde. Uebrigens mag dieser Fall besonders unbemittelten Eltern, welche in übelangewendeter Sorgfalt für ihre Töchter dem ersten besten Freier, ohne voherige gewissenhafte Erkundigung, Zutritt in ihr Haus gewähren, zur Warnung dienen!" Rumänien. Bltikareft, 21. Decbr. Nach zweitägigen lebhaften Debatten hat der Senat den Entwurf der Thron-Adresse mit 39 gegen 10 Stimmen äuge-

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