Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1879)
- Date
- 1879-01-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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18 waren doch Freunde und Schüler selbst aus weiter Ferne herbeigeeilt. Die Beerdigung fand gestern Nachmittag statt. Im Trauerhause sprach der Schwiegersohn des Heimgegangenen. Herr RabbinatSassessor Lange auS Halber st adt, tiefeergreifende Worte der Trauer und des Schmerzes; beweinte er doch in ihm den Vater, Freund und Lehrer. Der Bahre folgte eine unübersehbare Menge, namentlich waren aus dem ehemaligen Kurfürstenthume Hessen alle Glaubensgenossen herbeigeströmt, zu denen die Kunde gedrungen war: Wir nennen Herrn Provinzialrabbiner Dr. Munk aus Marburg und Herrn Rabbiner Dr. Ehrmann aus Cassel. Auf dem Friedhofe sprach zuerst Herr Direktor Dr. M. Hirsch im Aufträge und in Vertretung seines ehrwürdigen Vaters der Unwohlseins halber nur eine kurze Strecke der Bahre hatte folgen können. Der Redner knüpfte an die Erzählung der Weisen von dem Tode des Rabbi Jehudah ha Kadosch an, dem Gefühle des größten Schmerzes und der innigsten Trauer würdigen Ausdruck gebend. Darauf sprach der Herausgeber dieser Blatter, anlehnend an die Worte der Sidrah (1. B. M. C. 43, V. 11—14), die Größe des Verlustes schildernd, welchen die Judenheit erfahren. Als dritter Redner sprach Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn aus Fulda, an den Chanukaleuchter ankuüpfend und die Art und Weise der Lichtspendung desselben auf den Verewigten anwendeud. Darauf hob Herr Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt hervor, daß der seiner Friedensliebe halber berühmte, theure Todte nichtsdestoweniger rücksichtslos seinen Principien treu geblieben, aus der Gemeinde ausgeschieden und deßhalb auf dem von der isr. Religionsgesellschaft angelegten Se- Parat-Friedhofe begraben werde. — Mit wenigen, aber gediegenen Worten rühmte zum Schlüsse Herr Emanuel Schwarzschild, Vorsteher der israel. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M., die große Bescheidenheit des Verewigten, die derselbe namentlich dadurch bewährt hatte, daß er, nachdem er 46 Jahre lang an der Spitze eines Kreisrabbinats gestanden. in Frankfurt nichts Anderes hat sein, als nichts Anderes hat gelten wollen als ein einfaches Mitglied der isr. Religionsgesellschaft. So ist denn wieder Eiuer dahingegangen von den Männern, auf die unser Geschlecht mit stolzer Freude blicken durfte. Diese Freude ist in Trauer umwandelt worden. Möge der allgütige Gott das Heranwachsende Geschlecht begnadigen, daß wieder Männer erstehen, welche die große Lücke auszufüllen im Stande seien. Dazu wird auch das Gedenken au Rabbi Mordechai Wetzlar beitragen. rmib pns ist Kechenschafts-Bericht über die israel. Lehrerbildungs-Anstalt in Würzburg für das vierzehnte Jahr ihres Bestehens von Nathan Bamberger, Mbbülats^8erweser und Borstand derselben. „Wenn der alljährlich erscheinende Rechenschaftsbericht über die isr. Lehrerbildungs-Anstalt dahier," heißt es in der Einleitung des soeben erschienenen in der Ueberschrift naher bezeichneten Berichtes, „stets die angenehmsten Gefühle, die freudigsten Empfindungen bei jedem Leser desselben wachgerufen, weil derselbe Leistungen eines Mannes verzeichnete, die nur zu den besten und vorzüglichsten gehören: so muß der diesjährige die traurigsten Gefühle, die wehmüthigsten Empfindungen sicherlich bei Jedem Hervorrufen. Denn, der große, edle, thätige, gelehrte, für Alles Gute und Wahre feurige Mann, der Gründer und Leiter, Erhalter und Führer dieser so segensreichen Lehrbildungs- Anstalt, unser verehrter und gefeierter Lehrer, mein geliebter und theuerer Vater — Herr Distrikts-Rabbiner S. B. Bamberger — ist nicht mehr! Wohl ist hier nicht der Ort zur Schilderung des so allgemeinen, ausnahmslosen und gerechtfertigten Jammers und Kummers ob dieses unerwarteten und herben Schlages; auch sollen hier nicht die vielseitigen Leistungen und mannigfachen Thaten dieses großen Verewigten aufgezählt werden. Es soll hier blos derjenige Theil seines thatenreichen Lebens berührt werden, der auf seine unermüdliche Thätigkeit für die Gründung, Hebung und Erhaltung dieser Anstalt sich bezieht." „Im Juli 1859 gab die hohe Kgl. Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg den sämmtlichen Rabbinern des Kreises Kenntniß von dem Mangel gehörig befähigter Schuldienstexpectanten und den gemeindlichen Verhältnissen, wodurch es häufig unmöglich, erledigte Schulstellen in gehöriger Weise zu besetzen und demzufolge oft mit Provisorien begnügt werden müsse, die sich von vornherein als ungenügend und für die Dauer als unzulässig darstellen; sowie daß dieser Zustand im Hinblick auf die Wichtigkeit, welche die Ertheilung eines geordneten und vollständigen Religionsunterrichts für die Heranwachsende Generation unzweifelhaft behauptet, als ein sehr bedauerlicher erkannt und dessen, wenn thunliche Beseitigung deßhalb von gedachter Stelle angestrebt werden solle. Demgemäß wurden zu diesem Behufs die Rabbiner zur Erstattung eines Gutachtens aufge-