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Der Israelit · 1879-01-02 · Heft 1 (2.1.1879) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 1 (2.1.1879)
Date
1879-01-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7 gere Zeit Mitglied des VorsteheramtS, er war auch Vorstand der in den Jahren 1838—1854 dahier bestandenen Leih - und Sparkasse, gegründet von 45 isr. Teilhabern. zu dem schönen und edlen Zwecke, der großen Gemeindeschuld Abhilfe zu verschaffen, welches Unternehmen auch in Wirklichkeit glücklich durchgeführt worden ist. Im Iahte 1861 stiftete er zur Erweiterung des Schulunterrichts in unserer Schule 1000 fl. Nach der edlen Absicht und Vorschrift des Stifters soll den größeren Knaben Unterricht in »Din, »an und nj»D ereheilt werden. Emanuel Weil wer vom Jahre 1860 an bis zu seinem Tode, also volle 18 Jahre ununterbrochen, Mitglied des isr. Kirchenvorsteheramts. Obschon er das einzige Mitglied von orthodoxen Grundsätzen in diesem Collegium war, so vermochte er doch manchen Antrag auf Reform, der hier zur Verhandlung kam, niederzuhalten. Er war auch n'3n ’Nm und hat in dieser Function für den Synagogenhaushalt auf's Gewissenhafteste gewirkt. Feuilleton. Kabbi Zoselmann von Aosheim. Eine historische Erzählung. XXIV. Der Bürgermeister setzte sich in einen Lehnsessel und lud mit einer Handbewegung Rabbi Joselmann ein, auf einem Stuhle, ihm gegenüber, Platz zu nehmen. «Ihr habt einen speciellen kaiserlichen Auftrag an mich?" „„Einen speciellen Auftrag, Eure Gestrengen, habe ich nicht; allein . . . „Und Ihr wagt es, Jude, in unser Gerichtszimmer einzudringen, unsre Gerichtssitzung zu stören! He, das sollt Ihr büßen, Jude! Ich werde Euch in den Kerker werfen, ich werde Euch an Händen und Füßen fesseln lassen!" „„Spart Eure Worte, gestrenger Herr Bürgermeister, ich werde mich nicht einschüchtern lassen. Ich habe vor dem Kurfürsten von Mainz, dem ersten Fürsten des deutschen Reichs, gestanden, und habe nicht gezittert, und Seine Kurfürstliche Gnaden sind mir gewogen und wohlgeneigt; ich habe vor des Kaisers Majestät gestanden und mich gesonnt in der Sonne der Kaiserlichen Gnade, ich habe mit den hohen Kaiserlichen Rathen, mit den Fürsten und Regierern des Reiches gesprochen, wie wenn sie Meinesgleichen wären; der Hofkanzler Graf Cyprian Sernteiner von Nordheim, hat mir die Hand gedrückt und mich beglückwünscht, und Ihr meint, ich werde mich einschüchtern lassen von einem Bürgermeister von Ober-Ehenheim!" Rabbi Joselmann hatte die beiden letzten Worte mit verächtlicher Betonung gesprochen. „Jude", schrie der Bürgermeister, „was wagt Ihr? Hier bin ich Herr und Fürst, hier richte ich an Kaisers Statt. . . „„Und hier redet und bringet Ihr Euch um Euren Hals — um Euren Hals, gestrenger Herr Bürgermeister!" " „Jude!" „„Jawohl Jude, ein verachteter, gequälter, gepeinigter, verfolgter Jude! Aber dieser verachtete Jude wird Gerechtigkeit fordern wider Euch, der Ihr im Begriffe steht wider alles Recht drei unschuldige Menschen zu morden, der Ihr gegen menschliches und göttliches Recht drei unschuldige Menschen habet martern lassen!"" „Was wagt Ihr . . .!" „„Lasset mich ausreden, gestrenger Herr Bürgermeister. Der lange Dietrich will seine falsche Anklage widerrufen; er macht dem Stadtschreiber davon Mittheilung, und dieser meldets Euch. Statt aber den langen Dietrich sofort zum Verhöre zu citiren, lasset Ihr die armen, unschuldigen, fälschlich angeklagten Juden peinlich verhören, um noch rasch ein Geständniß zu erpressen! Ja, Ihr wäret im Stande, zu diesem Zwecke die Tortur zweiten Grades über die Unglücklichen zu verhängen! Herr Bürgermeister! Ihr sagt, Ihr ständet hier an des Kaisers Statt — ich sage, der Richter steht an Gottes Statt, denn das Gericht ist Gottes. Ich sage Euch, die Qualen und Schmerzen dieser Unglücklichen schreien empor zu Gott wider Euch. Noch gibt es Gerechtigkeit in deutschen Landen. Wagt es nicht, weiter zu gehen. Das Richtschwert des Henkers ist scharf genug, um den Kopf eines Bürgermeisters von Obern-Ehenheim vom Rumpfe zu trennen!"" „Ihr seid ein frecher Mensch, Jude! Eine solche Sprache mit mir zu führen!" „„Freut Euch, daß ich also mit Euch rede und Euch von einem schrecklichen Verbrechen zurückhalte."" „Wer kann mir etwas beweisen?" „„Ob wohl der Stadtschreiber im peinlichen Verhör so standhaft sein wird, wie diese drei Juden?"" „ Wer wird es wagen, gegen mich die Anklage zu erheben?" „„Das werde ich thun, Herr Bürgermeister von Ober-Ehenheim."" „Ich werde Euch unschädlich machen."

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