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Der Israelit · 1879-01-02 · Heft 1 (2.1.1879) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 1 (2.1.1879)
Date
1879-01-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8 „ „ Das werdet Ihr bleiben lassen. Ihr könnt wohl Raphael von Dambach und Michael von Reichshofen morden lassen und glauben, daß Ihr der menschlichen Gerechtigkeit entgehet — aber an mir werdet Ihr Euch nicht ungestraft vergreifen, und eine Gewaltthat gegen mich verübt, würde einen Aufruhr erregen in ganz Deutschland, und die Kunde davon würde gelangen bis an deS Kaisers Thron und würde nicht ungestraft bleiben." ' Der Bürgermeister stützte den Kopf mit beiden Händen und brütete vor sich hin. Nach einer Pause sagte er: „Thut, was Ihr wollt und könnt -- die Juden wüsten sterben." Erstaunt blickte Rabbi Joselmann den Bürgermeister an, als dieser so kalt und resignirt die furchtbaren Worte sprach. Da durchleuchtete ihn ein Gedanke, plötzlich, wie ein Blitzstrahl, gleich einer Inspiration. Er erhob sich und trat auf den Bürgermeister zu. „„Herr"", sagte er, „„Ihr habt einen besonderen Grund, den Tod eines der Juden zu wünschen. — Euer Sohn Heinrich . . . ."" „Ha, Ihr wißt?" „„Nein, ich weiß nichts, ich vermuthe nur. Euer einziger Sohn, dem Ihr ein zu nachgiebiger Vater seid, hat Schulden gemocht, die Ihr nicht mehr zahlen könnt; und wenn Euer Sohn in den Schuldthurm kommt, so könnt Ihr nicht Bürgermeister bleiben! Herr, seid offen gegen mich. Vielleicht kann ich Euch helfen." „Er schuldet tausend Gulden dem Juden Raphael, Lehmanns Sohn." „„So zahlet fünfhundert, und ich will die Garantie übernehmen, daß Raphal auf die andere Hälfte verzichtet."" „Nicht einen Gulden kann ich zahlen; der böse, wilde, leichtsinnige Bube hat mich bereits um all das Meinige gebracht; o, hätte des Kaisers Majestät mir willfahret und mir gestattet, vor drei Jahren schon die Juden auszutre'iben — mir wäre all der Jammer erspart geblieben!" „„Ich kennne Raphaels Vermögen; wenn er die tausend Gulden nicht erhält, so ist er ein Bettler."" „Deßhalb muß er sterben, er und seine Genossen." „„Und Ihr, Herr Bürgermeister, seid ein Mörder, ein dreifacher Mörder, und Euer Haupt wird fallen durch das Schwert des Henkers."" „„Lieber will ich eines schimpflichen Todes sterben als mit Schimpf und Schande von Haus und Hof, von Amt und Würden verjagt zu werden." „„Und fürchtet Ihr Euch nicht vor dem allmächtigen Richter?"" „Lieber die ewige Höllenpein als die Schmach und die Schande vor meinen bisherigen Unterthanen!" „..Und wenn ich Euch garantire. daß Raphael seine Forderung nicht geltend mache, daß Ihr die Hälfte erfassen bekommt und die andere Hälfte zahlen könnt in kleinen Raten, wie es Euch bequem ist? " " „Kennt Ihr diesen Raphael von Oberehnheim?" „„Nur wenig, nur so vom Sehen und Hören." " „ Dann seid vorsichtig mit Eurer Garantie. Er ist ein hartgesottener Wucherer; sein Geld ist ihm lieber als Alles Laßt ihn sterben, er verdient's nicht besser, die zwei anderen mögen entfliehen; der Kerkermeister wird sie laufen lassen." „„Nein, Herr Bürgermeister, und abermal nein! Die Juden müssen freigesprochen werden, alle drei. Die Anklage der Hoftienschändung darf an keinem Juden haften bleiben." " „Auch hierin will ich Euch zu Willen sein; mögen sie freigesprochen werden; zuvor aber werde ich den Raphael von Obernehenheim, und ihn allein, derart foltern lassen, daß er seinen Wunden erliegt. Er hat auch mich genug Qualen schon erdulden lassen." „„Da sei Gott vor — ich kann das nicht dulden."" „So wiederhole ich, was ich gesagt habe; so müssen die Juden sterben. Ihr aber thut, was Ihr wollt und könnt." „ „ Gewährt wenigstens Aufschub, Herr Bürgermeister; laßt mich mit dem Gläubiger Eures Sohnes sprechen. Ich verspreche Euch, ich schwöre Euch, die Angelegenheit Eures Sohnes soll so geordnet werden. daß Euch nicht Schimpf, nicht Schande erwachse. Gebet Befehl, daß Raphael von Obernehnheim in eine besondere Zelle geführt werde, wo ich ihn allein sprechen kann "" „Sei es denn also", sagte der Bürgermeister seufzend. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilage«. Verantwortliche Redaktion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. GottS.leben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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