Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1878-12-25 · Heft 52 (25.12.1878) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 52 (25.12.1878)
Date
1878-12-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447747-2447796--15652-2471609
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1281 dem Beifügen, dieses Etablissement auch in Deutschland bekannt geben zu wollen. Der Besitzer dieses Geschäfts ist Herr Jacob B- Citroen von hier, ein streng orthodoxer Jsraelite, welcher Samstags und während der Israel. Feiertage nich? arbeiten läßt. Die Arbeiter sind auch größtentheis Israeliten. — Dieses Etablissement, eines der grgßten dieser Stadt wurde bereits öfters von hohen Herrschaften besucht, worunter namentich Se. Mas. der König der Niederlande und dessen Familie sich befanden. Feuilleton. Aaböi Ioselmann von Iosheim. *) Eine historische Erzählung. XXIII. Auf der Rathstube zu Oberehnheim saß der Bürgermeister, die Rathsherren erwartend; er,hatte sich, wie bei jeder Sitzung zuerst eingefunden, denn Herrn Jakob Brand war ein fleißiger Mann, für den es weder Vergnügen noch Erholung gab; seine einzige Freude war, sich mit den öffentlichen Angelegenheiten der Stadt zu beschäftigen. Seit zwanzig Jahren führte er das Scepter in Oberehnheim , Niemandem verantwortlich, denn dem Kaiser, der als Herzog von Elsaß zugleich der Landesherr war. Herr Jakob Brand hätte lieber sein Leben als sein Amt aufgegeben, und doch war es erst vor Kurzem nahe daran gewesen, daß er hätte zurücktreten müssen. Sein einziger Sohn Heinrich, der in Straßburg die Rechte studirte, war ein leichtsinniger Mensch und hatte mehr Geld verthan als es des Bürgermeisters Einkommen vertrug. Mit großer Aufopferung batte der Vater bisher alle Schulden des Sohnes bezahlt; aber der Unverbesserliche machte stets aufs Neue Schulden . und vor wenigen Wochen hatte der Jude Raphael, Lehmanns Sohn, von Oberehnheim, eine Forderung von nahe an Lausend Gulden geltend gemacht, die der Bürgermeister zu bezahlen außer Stande war. Raphael hatte den jungen Brand mit dem Schuldgefängnisse bedroht, und der Vater *) Nachdruck ohne Erlaubniß des Verfassers nicht gestattet; Uebersetzungsrecht Vorbehalten. hätte nicht im Amte verbleiben können, wenn der Sohn wäre gefänglich eingezogen worden. Aus dieser prekären Lage hatte die Denunciation delangen Dietrich von Kestenholz den Bürgermeister befreit. Raphael war eingekerkert worden, und von der Eintreibung der Schuldforderung konnte nicht mehr die Rede sein. „Der Jude". sprach der Bürgermeister vor sich hin, „muß jetzt die Wuchergeschäfte mit dem Leben büßen; er und seine Genossen; denn nicht glaube ich, daß die Anklage des langen Dieterich auf Wahrheit gegründet ist. Allein sie kam mir gelegen. Mögen die Juden verbrannt werden! Was liegt daran? Es sind ja nur Juden. Warum hat der Kaiser anno 7 nicht meine Bitte um Vertreibung der Juden gewährt? Sie wären aus der Stadt getrieben worden und hätten wenigstens ihr Leben gerettet. Allein des Kaisers Majestät hat uns nicht einmal einer Antwort gewürdigt. So mögen sie's denn büßen, daß sie stets und immer das leichtsinnige Schuldenmachen begünstigen. Und ich, ich bleibe Bürgermnfter." Die Thüre ging auf, und der Stadtschreiber trat ein. „„Gestrenger Herr Bürgermeister"", sagte er, „ich habe Euch eine wichtige Mittheilung zu machen: Der lange Dietrich „ Hat sich im Gefängnisse erhängt?" „„Nein, er verlangt auf's Neue verhört zu werden. Er will seine Anklage gegen die Juden zurücknehmen." " „Er wird doch nicht des Teufels sein?" „„Er wird. Sein Gewissen, sagt er, beschwere ihn, und er wolle keine falsche Anklage mithinüber nehmen ins jenseitige Leben."" „Gewiß hat ihn dieser Joselin von Nosheim beschwätzt." „„So scheint es."" „Der wird ihm Versprechungen gemacht haben, für sein Weib und seine Kinder au sorgen! Dann ist die Rücknahme des Bekenntnisses ungiltig." ..„Nein, gestrenger Herr; der Jude ist viel zu schlau, al« daß er sich solch eine Blöße gegeben hätte; er hat ausdrücklich ein solches Versprechen abgelehnt."" „Aber die Juden müssen verbrannt werden! Herr Stadtschreiber, Ihr seid mir stets ein treuer, ergebener Freund gewesen, und ich habe Euch Manches nachgesehen . . . ." „„Nauus manum lavat, eine Hand wascht die andere."" „Ich will Euch inS Vertrauen ziehen; ich habe gewichtige Gründe, dafür zu sorgen, daß die Juden nicht freikommen." „„Sollte Herr Heinrich ....?""

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.