Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1878)
- Date
- 1878-12-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Haiti 1× ep/1044690
- Herat 1× ep/1047496
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1268 später, am 25. Mai, begannen die beiden Lehnerts, die im Hause beschäftigten Tischler, sich mit dem Plane zu beschäftigen, auf welche Weise die nunmehr alleinstehende Wittwe am besten beraubt werden könne. Ueber 5 Wochen haben sie sich mit diesem Plane getragen, bis derselbe endlich durch ihre Helfershelfer, die drei eigentlichen Raubmörder, zur Ausführung gelangte. — Ueber den hohen Wohlthätigkeitssinn, welcher die Ermordete auszeichnete, wird uns von einer Person, welche derselben nahe gestanden hat, Folgendes mitgetheilt: In ihrem Testamente hat sie ihren Kindern die Verpflichtung auferlegt, eine jährliche Rente von 600 M an die Armen zu zahlen; außerdem hatte sie für die Armen in einer Büchse 900 M. gesammelt, welche von den Raubmördern glücklicher Weise nicht gefunden worden sind. Als ihr Mann, welcher ein Legat von 6000 M. für das jüd. Krankenhaus und zur Vertheilung an verschämte Arme vermacht, ihr aber in seinem Testament weitere letztwillige Schenkungen untersagt hatte, auf dem Sterbebette lag, bat sie ihn um Erlaubniß die obigen 900 M. den Armen vermachen zu dürfen; natürlich ist von dem Verstorbenen diese Erlaubniß nicht verweigert worden. Ptnsbach. Zu dem Artikel aus Bornheim, der über die simulirte Erkrankung eines Heinrich Knina aus Prag berichtet, wird hiermit gemeldet, daß derselbe Schwindler am 29. Aug. d. Js., Vormittags 9 Uhr, hier zu Ansbach dasselbe Schauspiel mit demselben Erfolge wie in Bornheim aufgeführt. Er hatte hier eine Wirthschaft, welche der Wohnung unseres Herrn Rabbiners gegenüber gelegen, zur Ausführung seines Betrugs gewählt. Alles lief zusammen, man rief den Rabbiner herbei, der nach dem Arzte schickte. Es wurde jede Hilfe geleistet, und man war froh, daß der Patient am folgenden Tage wieder die Reise fortsetzen konnte und versah ihn mit reichlichen Mitteln. Der Herr Rabbiner schöpfte zwar Verdacht, daß die Krankheit simulirt sei, da der Arzt den Puls für normalmäßig erklärte; allein der Schwindler hatte feine Rolle ganz täuschend gespielt. Jetzt hat der Bericht des Herrn Lehrer Tannenwald den Verdacht vollständig gerechtfertigt. Indien. Wie dem indischen Blatte Patrika aus Bjellalabad am Kabul-Flusse unterm 5. October gemeldet wird, hat Schir Ali jüngsthin den Befehl erlassen, daß die in seinem Reiche wohnenden „Haiti' (Armenier) und ,^Jehudijeh" (Juden), die vom Kriegsdienste gänzlich befreit sind, von nun an eine „Harbieh" (Kriegsfteuer) zu entrichten haben, um so einen Theil der Lasten der Landesvertheitigung zu tragen. Wir geben hier zugleich einige Details über die Juden Afghanistans. Die Muttersprache derselben ist das Persische, das überhaupt die Umgangssprache aller höheren Classen dieses Landes ist, das bekanntlich früher einen Bestandtheil des persischen Reiches bildete. Die größten jüdischen Gemeinden befinden sich in Kabul, Herat, Kandahar, Ghizni und Balkh. In ersterer Stadt befanden sich auch die Ruinen einer Synagoge, und behaupten die dortigen Juden, dieselbe wäre noch unter der Regierung des babylonischen Königs Nebuchadnezar erbaut worden, da schon damals eine jüdische Gemeinde in Kabul existirt haben soll. Ihr Ritus unterscheitet sich wesentlich von dem ihrer abendländischen Glaubensgenossen; sie beziehen ihre Religionsbücher zumeist aus Teheran oder Maskat. Auch ihre Rabbiner holen sie sich aus Persien; es fungiren dieselben zugleich auch als Richter. In dem Städten bewohnen sie eigene Viertel (Mahal-i-Jehudijeh), welche Abends geschlossen und nach Sonnenaufgang wieder geöffnet werden Ihre Tracht ist ganz die afghanische, nur tragen sie einen schwarzen Turban als Zeichen der Trauer um das zerstörte Jerusalem. (Nach Angaben eines persischen Reisenden soll dieser schwarze Turban blos ein Unterscheidungszeichen sein.) Sie betreiben mit Vorliebe die Arzneikunst; den nöthigen Unterricht crtheilen die Aerzte oder zur Noth auch die Wundermänner und Heiligen. Feuilleton. Hott zahtt's. (Fortsetzung.) „„Es schadet nichts" ", sagte Joseph. „ „Morgen lasse ich Dir ein Paar neue machen; bis dahin wirst Du diese tragen können. — Und nun, Frau, mach' dem Jungen ein Bett zurecht; er kann mit unserm Abraham in derselben Kammer schlafen; er soll bei uns bleiben; beim hiesigen Raw kann er lernen."" „Aber Joseph . . . ." „„Sei still, Schönchen; ich sage Dir Gott zahlts." " Eben kam Abraham, der älteste Sohn des Ehepaares. aus dem Cheder. „Wer ist der fremde Jung'," fragte er, „der gerade solche Kleider hat wie ich?" „Er beißt Samuel", sagte der Vater, „Du wirst ihn lieb haben wie Deinen Bruder. Er ist jünger als Du und kann schon Gewora lernen. Soweit hast Du'S noch nicht gebracht!"