Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1878)
- Date
- 1878-12-18
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1269 Joseph war fein reicher Mann; er ernährte sich und die Seinigen mit Mühen und Sorgen. Daher machte die Adoptation des fremden Knaben das größte Aufsehen in Bingen. Gar mancher stellte ihn darüber zur Rede und hielt ihm vor, daß er Unrecht thue an Frau und Kindern. Joseph hatte darauf nur die eine Antwort: „Gott zahlt's." Am andern Tage führte Joseph den Knaben zu Rabbi Gumpcich Mehler, dem gelehrten Rabbiner von Bingen. „Boruch habbo, Joseph", sagte der Rabbiner, „ich habe schon davon gehört, was Ihr Gutes gethan habt. Das also ist das Kind. Was hast Du schon gelernt, mein Junge?" „„Bowo Mezio"", sagte dieser. „Ganz?" „„Bis Perek hasohow."" Der Rabbiner nahm eine Prüfung mit dem Knaben vor. „ Der Junge hat einen klaren Kopf und einen guten Sickoraun", sagte er dann, „er wird zu mir zum Schiur kommen können." Samuel Steeg, so nannte man den Knaben nach seinem Heimathdorfe, wurde bald einer der Lieblingsschüler des Binger Rabbinen. Nach einigen Jahren rieth ihm dieser, nach Frankfurt auf die Jeschiwoh zu gehen. — Unter heißen Thränen nahm er Abschied von seinem Wohlthäter. Als Samuel nun hinwegzog», ohne Freunde und Verwandte, in die Fremde, brauchte er nicht für seinen Unterhalt zu fürchten. Ein vorgeschrittener Bochur fand damals überall Unterkommen und Unterstützung. Von Frankfurt aus blieb Samuel in regem Briefverkehr mit seinem Wohlthäter in Bingen. Nach einigen Jahren aber wanderte er nach Prag, um an der dortigen Jeschiwoh seine Studien fortzusetzen. Auch von da aus schrieb er nach Bingen; allein er erhielt keine Antwort. Ein Krieg war ausgebrochen, und der Postverkehr war unterbrochen. Jahre vergingen; Samuel Steeg war einer der besten Jünger der Prager Hochschule geworden. Da kam an den Prager Rabbiner ein Brief von der großen und wohlhabenden Gemeinde zu Marburg in Westphalen. Der dortige Rabbiner war gestorben und hatte eine Waise, eine Tochter von siebenzehn Jahren zurückgelassen. Man bat den Prager Rabbiner, einen seiner befähigten Schüler, aber einen unverheiratheten. zu senden, damit er, wenn ihm die verwaiste Rabbinerstochter und er ihr gefallen möchte, den vacanten Rabbinatssitz besteige. Der Prager Rabbiner ließ unfern Samuel rufen und zeigte ihm den Brief; und als Samuel auf den Vorschlag einging» da schrieb ihm der Rabbiner den Empfehlungsbrief an die Vorsteher der heiligen Gemeinde zu Marburg. Rabbi Samuel, so müssen wir ihn jetzt nennen, denn sein Lehrer in Prag hatte ihm mit dem Empfehlungsbrief zugleich die Hattoraß Haurooh (Morenu) eingehandigt, machte sich auf die Reise, und als er in Marburg ankam, da gefiel ihm das sanfte und liebenswürdige Mädchen, das man ihm zugedacht hatte, gar sehr. Die Hochzeit wurde bald nachher gefeiert, und Rabbi Zamuel Steeg wurde als Rabbiner von Marburg installirt. ES werden viele unsrer geehrten Leser in Westphalen den Namen neunen gehört haben. (Schluß folgt.) A N ZEJG E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Juserateu-Auuahme für Frankfurt a.M. bei /. KaLwffmann, Buchhandlung , für Hamburg bei A» Goldschmidt, Buchhandlung in Hamburg, Kohlhöfen 35, und für CSl« bei JLco Trank, Steinfeldergasse 7. j Ctne junge Französin, von sehr achtbarer Fami-! in einem Privathause, aber nur bei streng religiöser lie. besonders im Nähen und in Handarbeiten! Israel. Familie. Nähere Auskunft ertheilt sehr tüchtig, sucht Stellnng in einem Institute oder 3545s I. S. Alexandre in Frankfurt a. M.