Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1878-12-18 · Heft 51 (18.12.1878) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 51 (18.12.1878)
Date
1878-12-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447747-2447795--15631-2471587
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1261 MM* Landrabbiner, mit solchen dreisten Verleumdungen alle Diejenigen zu übeschütten, die nicht Ihren Abfallstheorien huldigen — ohne nur den Versuch gemacht zu haben, für diese harten Anklagen auch nur den Schein eines Beweises zu bringen. Wo haben ihre Stabilen, wo haben Bekedner des überlieferten Judenthums eine Scheinfrömmigfeit an den Tag gelegt? Wer, wo sind diejenigen Glaubensgenossen, vor denen Sie die Stirne haben dürften zu behaupten, sie feien jeder Ueberzeugung abhold, es sei ihnen nicht um die Wahrheit, sondern um Erreichung selbstsüchtiger Zwecke zu thun? — Auf Grund welcher Beweise sprechen Sie gefetzestreuen Juden, das sind ja die Anhänger deS von ihnen erträumten stabilen Comervatismus, jede Charakterfestigkeit ab? und jedes Humanitätsprincip? und den Adel der Seele? und jeden Forschungstrieb? Wer in aller Welt hat innerhalb des gesetzestreuen Judenthums Heuchlern Beifall und Schutz gezollt, deßhalb Beifall und Schutz gezollt, weil Jemand große Tephillin oder fromm klingende hebräische Phrasen, oder Flüche für die Reformer, oder welche Armseligkeit sonst besitzt? Wo sind die Fleischer. Bäcker, Weinhändler und Colonialwaarenhandler, von denen L>ie lügen, daß sie notorisch nur in gewinnsüchtiger Absicht einen Ceremoniendienst heucheln, und nur nuf Grund ihrer Heuchelei religiöses Vertrauen genießen, wo sind sie? Hat Ihnen die Hand nicht gezittert, stieg Ihnen die Schamröthe nicht in'S Gesicht, als Sie die verlogene Niederträchtigkeit niederschrieben, es gäbe innerhalb des Judenthums nicht eine Anzahl von Individuen, nein, eine ganze religiöse Richtung, die sich berechtigt hielte zur Lüge, zur Zwischenträgerei, zur Verleumdung und zur Bösredü? Wo ist Ihr Beweis, wo sind die angeblichen Berichte darüber, wer sind die Wortführer der Stabilität, die solche Verbrechen für berechtigt erklärt, und sie auf Grund dieser Berechtigung verübt hätten? Fürchten Sie denn den öffentlichen Pranger nicht, an welchem alle Verleumder der allgemeinen Verachtung Preis gegeben werden, und an den gestellt zu werden Ew. Ehrwürden Gefahr läuft, wenn es Ihnen nicht gelingt, den Beweis dir Wahrheit für diese nn’Da zu erbringen? Die Eisenmenger, die Rohling, die Säudt und alle nichtjüdischen Judenfeinde, die bereits an diesem Pranger stehen, haben sich doch wenigstens die Mühe gegeben, das jüdische Schriftthum zu fälschen, haben also doch wenigstens den Versuch gemacht, den Schein der Wahrheit zu retten, haben sich nirgends mit der bloßen Verleumdung begnügt, und haben daher auch hie und da Glauben gefunden. Aber Ihnen wird man ja vorn herein nicht glauben, weil die Dreistigkeit Ihrer Denunciationen noch von der Armseligkeit der Belege, von dem gänzlichen Mangel derselben bei weitem überboten wird.. Aber Sie lächeln, weil die gebildete Welt in der Entrüstung über Ihr fanatisches Gebühren ganz das Hinterpförtchen übersehen hat, welches Sie sich schlauer Weise offen gelassen haben, daß Sie nämlich ja nicht alle Stabilen, sondern nur die böse Sorte unter ihnen treffen wollten, und daß Sie selbst da loyaler Weise keine Namen genannt hätten, um Niemanden direct anzugreifen, da diese persönliche Angriffsweise ja gerade die Cardinalssünde der Stock - Stabilen ist, die Sie bekämpfen wollten. Sie jammern über die böswillige Verkennung, der Sie begegnen und freuen sich hinterher. daß Sie den Stabilen auf diese loyale Weise doch ein Schnippchen geschlagen haben. Durch dieses Pförtchen soll der Herr Landrabbiner diesmal nicht entschlüpfen; wir brauchen nur den gesunden, simplen Menschenverstand als Pförtner hinzustelle». (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Württemderg. Ein an sämmtliche Rabbi, nate ergangener Erlaß der k. isr. Oberkirchenbehörde ordnet an, daß am nächsten Sabbat 's in allen Synagogen des Landes aus Anlaß der Wiedergenesnng des deutschen Kaisers, wie dieselbe durch Höchstdesselben Rückkehr nach Berlin in dieser Woche ihren Abschluß findetk, ein Dangebet in das ständige Gebet für König und Kaiser eingeschaltet werde. Am vorigen Sonntag wurde ein solcher Dankgottesdienst in sämmtlichen evangelischen und katholischen Kirchen des Landes abgehalten. Zufolge der vom 18. bis 30. November abgehaltenen zweiten Lehrerdienstprüfung unständiger evang und israel. Lehrer sind zur Versetzung von definitiven Schuldiensten für befähigt erklärt werden: Herr E. Gundelfinger, 2. Vorbeter in Stuttgart, und L. Strauß, Schulstellvertreter in Archshofen. — Eine Zunahme der Lehrerzahl bei dem allgemeinen und sprciell auch würtembergischen Mangel an Lehrern und Vorsängern muß jeder Freund der Schule und Synagoge willkommen heißen. Stuttgart, 9. Nov. Am vorigen Sonntag hielt Herr llr. med. Ruoff im Locale der jüd.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.