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Der Israelit · 1878-12-18 · Heft 51 (18.12.1878) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 51 (18.12.1878)
Date
1878-12-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1250 «a 'Jbd riötö — bemerkt der Midrasch: — rdtdi nao — David weint, als er vor Absalom flieht — Sam. 2. 15. 30. — und stimmt zugleich ein Loblied an. — Ein scheinbarer Widerspruch! In Wahrheit aber weint er darob, daß ihn ein solches Unglück getroffen, stimmt aber Gott ein Loblied an, daß er ihm doch das Leben erhalten — "idtdi ron" das sind auch die „gemischten Empfindungen" — die freudigen und zugleich schmerzlichen, von denen unser gnadenreicher Kaiser bei feinem glänzenden Empfange in Berlin gesprochen und die wir alle begriffen und wohlverstanden! Eine zweite Bemerkung des Midrasch Psalm 3 lautet: bin “pn3 njn nuin nipp ju nion^DO ~inr»7 Ein entartetes Kind im eigenen Hause ist gefährlicher und verderblicher, als der härteste Kampf, als der größte Krieg. — Der König David hatte im Leben gewiß viele Feinde zu bekämpfen, viele Gegner zu überwinden und wir hören ihn nie klagen darüber, daß er so viele Feinde und Gegner habe. - Ein einziger, entarteter Sohn in seinem eigenen Haufe, bewegt ihn — den Helden — zu dem verzweifelten Rufe: „ns m na 'n" „O Gott! wie Viele sind meine Feinde!" Ganz eben so verhält es sich — ruft der Redner — mit unserem frommen, erhabenen Kaiser Wilhelm. Wer hat mehr Kriege geführt, Schlachten geschlagen, Siege erfochten, als Er! Wer so oft dem Feinde gegenüber gestanden, so oft sein Leben für das Glück und Wohl seines Volkes preisgegeben, als Er! Hat man Ihn je darüber klagen gehört, daß er zu viele Feinde hätte! nmn ino -|in2 ny-i — Ein kleines Häuflein ruchloser Menschen — Unmenschen seiner eigenen Hauptstadt entlockt ihm den schmerzlichen Ruf: „nv 'n ns iaY* „Mein Herz hat mehr geblutet, als die Wunden, die mir geschlagen wurden!" — Nun folgt eine Charakteristik Absaloms — des Verbrechers. — Sind die Sünden Abs., bemerkt der Redner, nicht sehr ähnlich, denen der heutigen Socialdemocraten! Drei Sünden waren es, nach dem Midrasch, die Abs. so tief sinken ließen. Die erste war: „njwz kör" — er hat sein Haar wild wachsen lassen; das ist aber nur ein Symbol seiner Innern Verwilderung und Entartung. Abs. war, wie sein ganzes Leben zeigt, ein Vertreter jenes Princips, das da sagt: der Mensch brauche weder an seinem Körper, noch an seiner Seele etwas zu schmücken, zu vervollkommenen; je wilder wir Alles an Leib und Seele wachsen und wuchern lassen, desto vollkommener ist der Mensch. Das sagen aber auch die heutigen Socialdemocraten: Der Mensch brauche weder Gott, noch Religion, weder Tugend, noch Sittlichkeit, weder Wissenschaft, noch Bildung, um vollkommen zu werden; im Gegentheil — je roher und wilder der Geselle, desto vollkommener, desto geeigneter ist er, die Menschheit zu führen. — Die zweite Sünde Abs. war, daß er durch seine Knechte daS Etgenthum Jöabs anzünden und verbrennen ließ*). Samuel 2. 14. 30. — Die dritte Sünde aber war: — rn :m’i — Sam. 2. 15. 6. — Er stahl das Herz des Volkes — er bethörte und berückte es — versprach ihnen goldene Berge, alles Glück und alle Seligkeit, wenn sie David vom Throne stürzen und ihn zu ihrem Oberhaupterheben — darauf aber das Herz des Volkes zu stehlen, das Volk zu bethören, ihnen den Himmel auf Erden zu versprechen, wenn sie nur ihren Verrücktheiten Glauben und Gehör geben, darauf verstehen sich erwiesener Maßen die heutigen Socialdemocraten besser, als Abs. selber. Ein Gebet für den Kaiser — beschloß die Patriotismus und Loyalität athmende Feier. — Cohn. Bonn l2. Dec. Der „Kölnischen Zeitung" wird von hi?r geschrieben: Ein nicht uninteressanter Verleumdungs-Proceß, in welchem jüdische Intoleranz eine Rolle spielt, beschäftigte heute das Zuchtpolizeigericht. Der „Israelitische Bote" brachte seiner Zelt einen Artikel gegen den (schließlich unter mehr als 40 Bewerbern zum hiesigen Rabbiner gewählten) Or Schreiber. um dessen Wahl zu Hintertreiben. Letzteren als Zeuge in der Sache wies die Unwahrheit der Beschuldigung nach, gab wohl zu, daß er im Alter von 19 Jahren auf der Reise nach Stettin eine sogenannte „unkoschere" Bouillon getrunken habe, erhärtete aber durch Gutachten und Schriften der bedeutendsten jetzigen Rabbiner, daß Bouillon nicht „trefa" sein könne, da „trefa" nur ein von einem wilden Thiere „zerrissenes" Vieh sei. Außerdem könne dem Rabbiner nicht zur Last gelegt werden, was der Student gethan, auch würden die rabbimschen Gesetze selbst von den Orthodoxen nicht gehalten. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Redacteur eine Strafe von 500 M. oder 50 Tage Gefängniß. Zahlung der Kosten und Veröffentlichung des Urtheils auf seine Kosten im „Israelitischen Boten", der „Bonner Zeitung" und „Kölnischen Zeitung." Das Urtheil wird in 8 Tagen verkündigt. (Unsere geehrten Leser werden mit uns die Unverfrorenheit des Herrn Rabbiner vr. Schreiber bewundern, welcher die Bouillon (Fleisch- *) Daß unsere Socialdcmokaten einer solchen Unthat auch fähig, daß auch ihnen das Eigenthum des Nächsten nichts weniger als heilig ist, braucht uicht erst gesagt zu werden. — Corresp.

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