Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1878)
- Date
- 1878-12-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XiX. Jahrgang. Erste Beilage zu tlr. 50 des Israelit. Leitende Artikel. DerMedergang desKeformjudenthums. II. Wenn man nach Beweisen für den Niedergang des Reformjudenthums verlegen zu sein brauchte, so würde ein Blick auf die Mittel und Mittelchen, deren sich seine Verfechter bedienen, genügen, um diese Verlegenheit zu beseitigen. Die Kampfesweise, welche in der jüngsten Zeit von den hervorragendsten Kämpen der Reform gegen das überlieferte Judenthum und seine Bekenner geführt wird, bricht allein den Stab über dieses ganze Gebühren Eine Religion, eine Secte, ist vor der ganzen gebildeten Welt, gerichtet und geächtet, wenn sie in der Weise venheidigt werden muß. wie es in den neuesten Hetzschriften unserer Reformcapläne geschieht. Wir haben dies eingehend in diesen Blättern an einem Beispiele gezeigt , welches der Herr Bezirksrabbiner Grünedaum von Landau durch ein von ihm vcröffentliches Buch geliefert hat. So schwer auch der Landauer Bezirksrabbiner bei dieser Gelegenheit — das überlieferte Judenthum und seine Bekenner gekränkt, geschmäht und das so verrheidigte Reformjudenthum blosgestellt hat, er hat im Casseler Landrabbiner seincn Meister gefunden. Die Schmähungen, Verdächtigungen und Verleumdungen, die greifbaren Unwahrheiten, mit denen das überlieferte Judenthum und seine Anhänger in dieser neuen Schmähschrift überschüttet werden, der fanatische Haß, den diese „Friedensstimme" gegen Aeußerungen des positiven Judenthums predigt, das ganze Ensemble macht den Eindruck einer so vollendeten Bankerotterklärung des deutschen Reformjudenthums, daß der wissenschaftliche Apparat, der diesen Liebenswürdigkeiten als Verbrämung beigegeben ist, nur von untergeordneter Bedeutung erscheint, und deshalb auch erst weiterhin die entsprechende Würdigung von uns erfahren soll. „Wir wollen auf unserer Hut sein!" flötet die landrabbinerliche Fnedensstimme, „wollen Las dem geistigen Judenthume verderbliche Schlangengift der heuchlerischen Entstellung in unserer einigen und friedlichen Gemeinde nicht unbeachtet lassen; wollen es durch die Milch der Wahrheit unwirksam machen rc. Ein Rabbiner, der seine eigene Gemeinde vor aller Oeffentllchkeit so schwer beschuldigt, daß sie das Schlangengift der heuchlerischen Entstellung in ihrer Mitte berge, sollte Loch wenigstens thatsächliche Beweise für derartige Anschuldigungen bringen, besonders in einem Buche, das mit den Worten »Wahrheit und Friede" und mit einer salbungsvollen Paraphrase dieser Worte beginnt, zumal der ehrwürdige Herr Friedensprediüer andrenfalls Gefahr läuft als Lügner und Friedensstörer gebrandmarkt zu werden. Da der Herr Landrabbiner aber diesen Beweis schuldig geblieben ist, so möge die öffentliche Meinung aus dem nachfolgenden Schriftstück ersehen, von welcher Seite in der Gemeinde des Herrn Landrabbiners eine Störung des Friedens zu befürchten ist. ' Cassel, 1. Oktober 1876. Sr. Ehrwürden Herrn Or. L. Adler, Landrabbiner hier. Das ergebenst Unterzeichnete Curatorium der Unterrichtsanstalt der isr. Religionsgesellschaft in Cassel, erlaubt sich hiermit Ew. Ehrwürden einige Bemerkungen über deren jüngste Predigten am Versöhnungstage mit der ehrerbietigen Bitte um geneigte Berücksichtigung vorzutragen. Es hat nämlich auf sehr viele Mitglieder der Gemeinde den Eindruck gemacht, als ob wesentliche Theile der erwähnten Predigten eine Deutung zuließen, welche dazu angethan ist, die Bestrebungen unserer Unterrichtsanstalt als unberufen und unberechtigt zu verdächtigen. Ohne behaupten zu wollen, daß diese Vedächtigung von Ew. Ehrwürden beabsichtigt war, Müssen auch wir unsererseits diesen Eindruck constatiren und unsere tiefe Betrübniß darüber aussprechen, daß durch eine sounprovocirteV er urtbeilungderlo halsten jüdischen Bestrebungen, der Friede aufs Bedenklichste gefährdet wird. ES müssen derartige von der Kanzel aus gemachte Ausfälle selbst bei Leuten, die wie wir das jüdische Gesetz nicht aus seinen Quellen kennen, Gedanken und Bedenken Hervorrufen, die sicherlich nicht ge-