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Der Israelit · 1878-12-11 · Heft 50 (11.12.1878) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 50 (11.12.1878)
Date
1878-12-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1234 lichte und pries er ununterbrochen den Namen des Höchsten. Und als seine dabei anwesenden sSchüler darob ihre Verwunderung aussprachen, da sagte er: Es heißt in der heiligen Schrift: Und Du sollst lieben den Ewigen, Deinen Gott, mit Deinem ganzen Herzen, mit Deiner ganzen Seele — selbst wenn er die Seele, das ^eben nimmt. Immerwährend habe ich mich danach gesehnt, mein Leben hinzugeben für Gott, und jetzt da sich mir die Gelegenheit bietet, sollte ichs nicht freudig erfüllen? — Und so ertrug er die Qualen, standhaft und freudig, bis seine reine Seele den Körper verließ, um aufzusteigen zu des Allmächtigen Thron." Die drei Männer schwiegen. Rabbi Joselmann fuhr zu reden fort: „Man wird Euch morgen zum Verhöre führen, man wird Euch auf die Folter spannen . . . ." „„Hu, schrecklich! "" rief Raphael von Dambach. „Man wird Euch zwingen wollen, die Mitschuldigen zu nennen. Ihr wißt, meine Brüder, daß die Qualen der Tortur ärger, schlimmer sind als der Tod, daß die Gefolterten in der Regel Alles sagen, was man ihnen in den Muud legt. Während die schrecklichsten Schmerzen Eure Gebeine zerwühlen, wird man Euch fragen: Ist nicht Dieser, ist nicht Jener dabei betheirigt gewesen? Und wenn Ihr es, von Schmerz übermannt bejaht , so wird man Eure Brüder und Freunde, Eure Frauen und Kinder einziehen und auch diese foltern, bis man Grund hat oder zu haben glaubt, alle Juden zu morden und sich ihrer Habe zu bemächtigen. Deßhalb bitte ich Euch, beschwöre ich Euch, meine Brüder, seid standhaft!" — „„Ihr habt gut reden"" sprach Michael von Reichshofen, „„Ihr seid frei — aber wir! Puh, die schreckliche Tortur, das siedende Wachs, die Daumschrauben, die spanischen Stiefel . . . „Wenn Gott mir die Gelegenheit gibt, seinen Namen zu heiligen, so werde ich es thun ohne Murren, in freudiger Liebe zu Ihm, meinem Ba. ter im Himmel. O, meine Brüder, wenn Ihr Euch vornehmt mit ganzem Herzen, so ganz echt und recht, den Namen Gottes zu heiligen, so wird dies eine Gefühl Euch derart beseligen und erfüllen, daß Ihr keinen Schmerz empfindet. Kein Ach- und Weh-Laut wird sich Eurer Brust entwinden. Inmitten der Schmerzen werdet Ihr, verklärt, schon Gottes Seligkeit empfinden. O wisset, was unsre Weisen, ihr Andenken sei gesegnet, sagen: Wer den festen, unumstößlichen Entschluß faßt, den Namen Gottes zu heiligen, der wird keine Schmerzen empfinden; er gleicht — aber in edlem Sinne — dem Berauschten, von dem der weise König sagt: Sie schlagen mich, es schmerzt nicht; sie hämmern auf mich, ich merke nichts* **)). „«Ich weiß"", nahm Raphael von Oberehnheim das Wort, „„Ihr, Rabbi Joselmann seid ein großer Gelehrter, ein bedeutender Kabbalist. Könnt Jhr's machen, daß wir die Schmerzen nicht spüren? " " „Nein, meine Freunde, das kann ich nicht; und wenn ich's könnte, ich thäte es nicht. Wißt Ihr nicht, was Hillel lehrt in den Sprüchen der Väter: Wer die Krone als Werkzeug gebraucht, vergeht? Das heißt, wer einen heiligen Gottesnamen dazu mißbraucht, übernatürliche Dinge ins Werk zu setzen, der hat schlimme Strafe zu erwarten. Und selbst wenn ich es könnte und es wäre erlaubt und gestattet — ich würde dennoch nicht dazu beitragen. Euch das hohe Glück zu verkümmern, für die Heiligung des göttlichen Namens leiden zu dürfen. Denn, wenn Ihr dasjenige, was Gott Euch schickt, vollkommen ertragen wollt, so müßt Ihr Euch vornehmen, selbst die größten Schmerzen ergebungsvoll zu erdulden. Dann wird Gott Euch über die Schmerzen emporheben und Euch nicht leiden lassen. Wenn Ihr aber gedenket, nur deßhalb standhaft zu sein, weil Euch Gott die Schmerzen nicht wird empfinden lassen — dann stellt Euch Gott auf die Probe, und Ihr werdet um so mehr leiden müssen."*) Rabbi Joselmann schwieg, und auch die Gefangenen sprachen nicht. Nach einer langen Pause begann Rabbi Joselmann aufs Neue: „Wenn Ihr Euch, meine Freunde, durch die Schmerzen verführen lasset, die Worte zu bestätigen , welche Euch unsre Feinde in den Mund legen, dann bringet Ihr Unheil und Verderben über alle unsere Brüder und Schwestern, über Eure Frauen und Kinder. Wenn Ihr aber standhaft seid, so werden wir für Eure Frauen und Kinder sorgen. Unterdeß will ich mich bemühen, alles zu Eurer Rettung zu thun, was im Bereiche der Möglichkeit liegt. Lebt wohl, meine Freunde, Gott steh' Euch bei!" (Fortsetzung folgt.) *) Prov. 23, 35. **) Rabbi Joselmann's eigene Worte. Vergleiche das hebr. Werk «Joseph Omez" 8 482. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gott-leben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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