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Der Israelit · 1878-12-11 · Heft 50 (11.12.1878) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 50 (11.12.1878)
Date
1878-12-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1230 ES dürfte von allgemeinem Interesse sein, hier zu erwähnen, daß nach einer Ueberlieferung in der hiesigen christl. Bevölkerung die Synagoge einstens eine Kirche (Johanniskirche) gewesen, auf welche sich die Johanniökirchweihe gründen soll, welche lediglich der Stadttheil, in welchem sich die Synagoge befindet, heute noch begeht. In der That ist die Frauensynagoge ein späterer Anbau, und auch die Bauart der Synagoge schließt aus, daß ursprünglich in dieser eine Frauenabtheilung gewesen. Wenn solche vergilbte Papiere, wie die hier erwähnten, vor uns liegen und uns als authentische Zeugen aus alter Zeit von dem harten Loose unsrer Väter erzählen, da drängt sich uns mit unumstößlicher Ueberzeugung besonders das Eine als geschichtliches Ergebniß auf. daß heute , wo die Wucherfrage in Deutschland wieder in den Vordergrund tritt, nicht unausgesprochen bleiben darf — nämlich: daß die alten Gewalthaber die Juden wissentlich und geflissentlich wucherischen Geschäften in die Arme trieben, um an ihnen, falls man nicht vorzog, sie zu berauben und dann zu verjagen, eine ergiebige Melkkuh zu haben. Anstatt nun in der heutigen, klarer schauenden Zeit, die alten Vorurtheile und Gehässigkeiten adzuwerfen und für den Wucher, den leider noch manche Juden treiben, die Jahrhunderte lang währende Beschränkung, Bedrückung und AuSpressung, welche die Juden von ihren christlichen Herren erfuhren. verantwortlich zu machen: schämen sich selbst intelligente Volksvertreter nicht, den Wucher für ein dem jüd isch en Stamme anhaftendes Gebrechen zu erklären. Ich bin mehrmals, zu allerdings naheliegenden Excursen gekommen. Es mag aber für die heutige jüdische Generation, welche sich einer wahren äußeren Freiheit erfreut, in mehr als in Einer Beziehung recht heilsam sein, von Zeit zu Zeit einen Blick auf die weniger glückliche Vergangen* heit unserer Altvordern zu werfen. Und da ist das eben Besprochene gegenüber den Verfolgungen und Bedrückungen, welche hundert andere jüdische Gemeinden zu erleiden hatten und in asiatischen Ländern noch heute erleiden, immerhin als eine milde Behandlung anzusehen. S—. Kippenheim (Baden), Ende Nov. Unsere Nachbargemeinde Schmieheim hat in diesen Tagen einen ihrer besten Bürger zu Grabe getragen und ist der Verlust durch den Hintritt dieses Mannes um so größer, als er zugleich ein durch und durch gcsetzestreuer Jude, dem die min feine einzige Freude und die Erfüllung ihrer Gebote eine Lust war, und der ohne Zögerung, ohne Wanken und Schwanken für sie in die Schranken trat. Und Alles dies war er, nicht um sich damit einen Namen zu machen, sondern bescheiden und zurückgezogen, einfach und ruhig lebte und wirkte er .1026. Es verdient darum Joseph Weil von Schmieheim — das ist der Name des uns so früh Entrissenen — in diesen Blättern verewigt zu werden, um ihn den Mitlebenden als Beispiel und der Zukunft als Musterbild vorzuhalten, um so mebr als unsere Zeit, namentlich aber unser badisches Oberland nochgerade arm geworden ist an ruic« ’tpjx. Joseph Weil führte lange, lange Jahre als ^niD unentgeltlich in den Bund Abrahams ein und war ihm da kein Wind und kein Wetter zu nngünstig, es konnte ihn Nichts abhalten, dieser niuv obzuliegen. Den Reformplänen unsrer aus der Frankel-Gräz'schen Schule hervorgegangenen Rabbinen. rief er ein Halt zu und hielt dadurch uns frei von modernem Tempelraub; denn das und nichts andres ist das Abschaffen von altehrwürdigen Gebeten. Aengstlich fragen wir uns, wer wird an die Stelle Weil's treten? Sind um so ängstlicher, weil so viele, die sonst so gerne gesetzestreue Juden sein wollen, angekränkelt sind von dem modernen Verbesserungs-Schwindel; indem sie dadurch glauben, man hielte sie dann für gebildet, wenn sie einstimmen in den Chorus der gegen das jüdische Älterthum Pietätslosen. — Joseph Weil hinterläßt als Mensch und Jude einen gleich guten Namen und haben seine Kinder, die im Geiste des Vaters leben, damit fein bestes Erbe angetreten ro-üV pns “□?. Wnrzburg, 2. Dec. Bei der heute von Seiten des Gemeindecollegiums ftattgehabten Wahl der bürgerlichen Maoistratsräthe wurde Herr Kaufmann Salomon Rosenthal hier zum bürgerlichen MagistratSrath einstimmig gewählt. Herr Rosenthal bekleidete seit vielen Jahren das Amt eines Gemeindebevollmächtigen, aber M a* giftratsrath war noch nie ein Jsraelite hier. Herr Ro,enthal verdient in der That, das ihm sowohl von Israeliten wie Nichtisraeliten entgegen gebrachte Vertrauen. Frankfurt a. M Der hiesige Vorstand der isr. (Aem>inde hat rm September d. I. einen Vertrau und Verwahrung »n Betreff des Entwurfs einer Verwaltungs - Ordnung des Hospital zum heitigen Geist bei der Stadtverordneten-Versammlui.g eingereicht, welcher daraus abzielt, daß die christlichen Dienstboten auch der Israeliten im Spital unentgeltlich ausgenommen und verpflegt wer en, d. h. daß die G erchstellung der Israeliten mit ihren christlichen Mitbürgern auch ihatsächlich gehandhabt werde. Wie wir vernehmen, hat

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