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Der Israelit · 1878-12-04 · Heft 49 (4.12.1878) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 49 (4.12.1878)
Date
1878-12-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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— ';. '■ :••■•', V V. 1211 mußte innehatten, ein heftiges convulisivischeS Zittern, das ihn durchbebte, schloß ihm für kurze Zeit den Mund; schon fürchteten die Anwesenden, es wäre sein letzter Augenblick; aber er erholte sich nach wenigen Minuten.allein er athmete kurz und röchelnd. „Es geht .... nun rasch zu Ende mit mir .... ich muß mich nun recht kurz fassen. Ich bitte und beschwöre die Anwesenden, Euch Rabbi und Euch Rabbi Joel und Dich Markus Erdmann, meine Erklärung, daß Simon Reding an jener That schuldlos war, zu verbreiten und auch zur Kenntniß dec Behörden und des Gerichtes zu bringen.Ist es möglich, daß mein eigenes Verbrechen verschwiegen bleibt — dann wünsche ich dies, um meiner Tochter, Schwester und Gattin willen! — aber wenn Simon Redings Ehre vor den Menschen nur dadurch wiederhergestellt werden kann, daß mein Geftändniß bekannt wird, dann muß auch dieses geschehen .... und nun will ich die irdischen Angelegenheiten ordnen, .... doch zuerst noch zwei fragen .... Simon Reding willst Du.Wilhelmine Erdmanns Gatte werden? — Willst Du Markus Erdmann, trotzdem Du jetzt erfahren, daß ich Dich und Deine Schwester beraubt, Simon Reding unglücklich gemacht, ein schlechter, gottvergessender Mensch gewesen, willst Du noch immer meine Tochter Karoline zum Weibe?" und Beide riefen wie aus einem Munde: „Das ist meines Herzens sehnlichster Wunsch!" Ein leichtes zufriedenes Lächeln überflog Tarnowers Gesicht. „Dann" , sprach er wehmüthig, „wird sich Alles in wunderbar schöner Art lösen — und daß es so gekommen, daß die Menschen, die ich am meisten geschädigt, mir vergeben, daß Simon Reding mir verzeiht, und Markus Erdmann noch immer meine Tochter werben will — flößt mir die Hoffnung ein, daß auch Gott, der Allbarmherzige, mir ein milder Richter sein wird, daß die jahrelange Qual und meine tiefgefühlte Reue, das strenge Urtheil mildern werden.ich will nun Testament machen.über mein Vermögen — das rechtlich nur zum kleinern Theile mir gehört .... Ich hoffe Gott wird mir noch die Kraft verleihen es zu unterfertigen — wenn nicht habe ich meinen letzten Willen vor drei Zeugen ausgesprochen .... Der Advocat und meine Tochter mögen kommen!" . . . . Jener trat, eine Feder hinter dem Ohre, ein Papier unter dem Arm, ein Dintenfaß in der Hand, ein, ihm folgte Karoline, diese trat rasch an das Bett ihres Vaters, und ergriff seine Hand. Er legte ihre in Erdmanns Rechte: „Seid glücklich! — und Gott segne Euch!" sprach er, und als Karoline im höchsten Grade überrascht, sprechen wollte, unterbrach er sie. „Doctor .... ich ... . will eine Erklärung abgeben — bringen Sie sie in jene Form, welche ihr volle unbestreitbare Rechtskraft verleiht. Sie selbst und die würdigen Rabbiner werde» als Zeugen fungiren. Von dem Vermögen, das nach meinem Ableben vorgefunden werden wird, gehören fünfzigtausend Gulden meiner Frau Veronika — das Uebrige zu gleichen Theilen, den Brautleuten — Markus Erdmann und meiner Tochter Karoline - Simon Reding und Wilhelmine Erdmann, die Erstern übernehmen die Verpflichtung, meine Schwester Fanni, verwittwete Werschadetz, bis an deren Lebensende zu versorgen, sie zu ehren ... * Doctor Eidlitz hatte Alles das rasch zu Papier gebracht. „Kann das nicht angefochten werden?" frug Tarnower mit schwacher Stimme, aber noch immer im vollen Besitze seiner Geisteskräfte. „Ich glaube", entgegnete der Advocat, der Tarnowers Verhältnisse genau kannte, „daß Niemand das bestreiten wird. Ihre anwesende Tochter begibt sich ohne Zweifel jedes Rechtes eines Einspruchs, — und ein zweiter Mensch fände kaum einen Rechtstitel, einen solchen zu begründen. Ich glaube, wir wählen die Form einer letzwilligen Verfügung, die beiden Herren Rabbiner und ich selbst können als Zeugen unterfertigen. Gestatten Sie mir nur wenige'Minuten den Entwurf ins Reine zu schreiben." „Nun will ich auch noch Frau und Schwester sprechen", sagte Tarnower, die Beiden wurden rasch geholt; und er nahm einen kurzen ergreifenden Abschied von ihnen. Mittlerweile hatte Dr. Eidlitz das Testament 'abgeschrieben, er las es nochmals vor. „Gut!" sagte Tarnower, als er geendet, man reichte ihm die Feder, er unterfertigte; dann Unterzeichneten die Zeugen. „Der Rabbi soll es aufbewahrenj!" sagte Tarnower, ,,und nun lebt alle wohl! .... Ich danke Euch, Rabbi Joel! Dir, meine Gattin, Dir, meine Schwester, für die Treue, die Ihr mir bewiesen — und Euch mein Sohn Markus und meine Tochter Karoline .... Gottes reichster, bester Segen über Euch! — weal tiheje birchas hediot kallo beenechem^v) — und jetzt wird es Zeit sein, die Kabronim zu den Sterbegebeten zu rufen!" Die Frauen brachen in lautes Schluchzen aus, ehrwürdige Männer traten ein, man zündete die Hänglampe an, man begann die tief erschütternden Gebete. Tarnower betete zuerst laut, 160) Möge der Segen eines Unwürdigen nicht gering geachtet werden in Euren Augen! Berachot 7 a.

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