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Der Israelit · 1878-12-04 · Heft 49 (4.12.1878) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 49 (4.12.1878)
Date
1878-12-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1212 dann leiser, immer leiser mit — seine Stimme ging allmählich in ein leises Röcheln über — dann bewegten sich seine Lippen nur lautlos — endlich flog jene fahle Blässe, der den Tod ankündigende Bote, über seine verfallenen Züge, der Kopf sank schlaff zurück, der Körper streckte sich leicht unter der Decke, — ein büßender, reuiger Sünder hatte sein Leben ausgehaucht! Achtes Kapitel. Sonntag am frühen Morgen, sobald es nur die Schicklichkeit gestattet hatte, stand Simon Reding in Kele Liblitz Zimmer vor Milhelmine. Diese war bei feinem Eintritte erstaunt, nicht, daß er so früh gekommen, aber über den Ausdruck seiner Züge. „Ich komme, Dir Glück zu verkünden!" schrie er laut auf in Hellem Jubel: „der allbarmherzige und allmächtige Gott hat mich nach langer, schwerer Prüfung eines herrlichen Wunders gewürdigt! — Wilhelmine! ich bin nicht nur ein ehrlicher Mann, sondern ich kann es nunmehr auch laut aussprechen, und bald wirds allgemein allüberall bekannt werden .... Gestern hat Abraham Tarnower auf seinem Sterbebette in Deines Bruders, Rabbi Michael Bacharach und Reb Joel Pickwers — also in drei glaubwürdiger Zeugen Gegenwart, mit dem höchsten Eide beschworen, daß ich unschuldig bin. — Du Wilhelmine und ich, wir erben oder erhalten fast die Hälfte seines großen Vermögens; Samstag wirds in allen Synagogen verkündet, daß ich unschuldig verdächtigt, unschuldig verurtheilt worden war, das Rabbinat will mir in Anerkennung, meines mit schweren Opfern verbundenen religiösen Verhaltens während meiner unverdienten Kerkerhaft, den Chowertitel ertheilen, und Rabbi^Nichael Bacharach und der Gemeindevorsteher werden noch im Laufe dieser Woche bei dem Oberstburggrafen, als den Vertreter des Kaisers im Lande, und bei dem Chef der obersten Justizbehörde in Böhmen. bei dem Appellationspräsidenten Audienz nehmen, ihnen die Beweise meiner Unschuld vorlegen, und fordern, und ohne Zweifel auch erlangen, daß mir Genugthuung geboten werde. Dein Bruder Markus hat mir, Thränen in den Augen, den erniedrigenden Verdacht abgebeten, seinen tiefen Schmerz ausgedrückt, meine' unverdienten Leiden verschuldet zu haben, — wir fjaben uns versöhnt und geküßt, wie sich dies für so nahe Verwandten ziemt. — O! Gott, Du Gnadenreicher! ich hatte sa stets auf Dich gehofft? und Du Wunderbarer! ließest meine Hoffnung nicht zu Schanden! — Nur Eines schmerzt mich tief und trübt mir diese glückliche Lebensstunde — daß es meinem guten Mütterchen nicht vergönnt war, diese zu erleben, daß sie von dieser Erde schied! — in Schmerz und Leid um ihr geliebtes und gequältes Kind! — o! das durste wohl nicht so sein — das wäre wohl zu schön gewesen für diese irdische Welt! . . . und Simon Reding, der seelenstarke Mann, dem das bitterste Weh, die schmerzhafteste Erniederiguna, die grauenhafteste Vereinsamung, das Traurigste, das ihn getroffen, keine Thräne zu erpressen vermocht hatte, sank von dem Sturm seiner Gefühle überwältigt auf einen Stuhl zusammen und weinte sich so recht von ganzer Seele aus! Wilhelmine hatte das was Reding, rasch, erregt, stoßweise gesprochen, nicht ganz erfaßt, nicht ganz verstanden, aber sie sah und fühlte es, daß er durch ein Wunder glücklich geworden: und das edle treue Mädchen, das ihrem Verlobten, als er von allen Menschen aufgegeben und verstoßen gewesen, die Treue bewahrt hatte, war keines Wortes, keines Lautes fähig. Kele Liblitz lachte unter Weinen und weinte unter Lachen, aber plötzlich rief sie: Boruch maskir und die Schultern der Beiden berührend, daß sie aus ihren selig-wehmüthigen Jubel aufzuckten, schrie sie: „Ihr gottlosen Kinder, Ihr vergeßt ja ganz die schöne Brocho 162) ju sprechen: Boruch hatow wehametiw^) - und die Beiden falteten fromm die Hände und sprachen ties bewegt Amen, Amen! (Schluß folgt) 161) Gelobt, der Vergessenes ins Gedächtniß zurückruft! 162) Benediction. 163) Gelobt seist Du, Allgütiger, Gütespender! ANZEIGER Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Alür einen jungen Mann, tüchtiger Verkäufer, > Ansprüche bescheiden. Offerten befördert die Ex- O wird eine Stelle in einem Geschäft gesucht,! pedition d. Dl. »ud Nr. 3331. welches Samstags und jüd. Feiertage geschlossen.

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