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Der Israelit · 1878-12-04 · Heft 49 (4.12.1878) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 49 (4.12.1878)
Date
1878-12-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XIX. Jahrgang. , Erste Beilage zu Ar. 49 des Israelit. Leitender Artikel. Ier Niedergang des Keformjudenthums. r. ^21dr O1^ ’JX ncn^otJ non Ich will den Frieden, auch wenn ich scharf spreche Jene wollen den Krieg. (Ps CXX. 7.) —n. Daß es mit dem Reformjudenthum auf die Neige geht, ist zwar längst kein Geheimniß mehr; es wird durch die Stoßseufzer der eigenen Wortführer so laut, direct und indirect bestätigt, daß man Angesichts dieser eclatanten jm t>va ninin auf alle weiteren Zeugen verzichten kann. Daß aber die Deroute eine so vollständige, daß die Auf» lösung eine so gründliche, nahe bevorstehende ist, das soll an einem neuen Symptome gezeigt werden, welches den Niedergang des Reformjudenthums wie vielleicht kein anderes dadurch so entschieden constatirt, daß es ganz Mir, 'Ob, ja in der ausgesprochenen Absicht zu Tage tritt, die Lebensfähigkeit und Existenzberechtigung des Reformjudenthums nachzuweisen. Wenn die Synoden und Concilien des Reformjudenthums keine Besucher, seine Hochschulen keine Hörer, seine Literatürvereine keine Mitglieder, seine Predigt-Magazine keine Abnehmer, sein Gemeindebund keine Gemeinden, wenn seine Zeitungen keine Leser und so ihre Redacteure Gesundheitsrücksichten für ihren Rücktritt haben, so sind das zwar sehr, bedenkliche, aber immerhin noch zu beschönigende Anzeichen des drohenden Verfalls. Man sagt dann, die große stupide Masse sei eben für die Heilswahrheiten des Reformjudenthums noch nicht reif, alle großen Geister und Institutionen seien erst nach ihrer Zeit anerkannt worden rc. Man vergißt dabei freilich die Kleinigkeit, daß man vor vierzig, fünfzig Jahren, als das Reformjudenthum noch in den Kinderschuhen steckte, sehr wohl die große Masse für die neue Mache reif hielt, reif fand, reif machte, ohne in der Wahl der hierzu nöthigen Mittel sehr wählerisch zu sein, und daß es dem gegenüber sich dann doch sehr kleinlich ausnimmt, die Thatsache, daß das Reformj judenthum jetzt abgewirthschaftet hat, der Unreife! der Masse in die Schuhe zu schieben. j Wenn aber ein seit mehreren Decennien im Dienste des Reformjudenthums amtirender Taufpathe desselben in seinen alten Tagen eine Apologetik dieser seiner Religion versucht, weil die ganze Strömung der Zeit, die Entwickelung des j jüdischen Gemeindewesens, der auf jede Beseitigung äußeren Zwanges gerichtete Zug der modernen Legislatur dem altersschwachen, abgewirthschafteten Reformjudenthum über den Kopf gewachsen sind, dann verdient die bloße Thatsache eines solchen Versuchs, ohne Rücksicht auf seinen inneren Werth oder Unwerth, einige Beachtung. Zu einem solchen Versuch gehört heutzutage ein gewisser Grad von Muth. weil die Verteidigung einer lächerlichen, dem Niedergang verfallenen Sache, die der Sache anhaftende Lächerlichkeit auf ihren Anwalt überträgt; weil der Vertheidiger einer verlorenen, auf unwahren Principien errichteten, von der jüdischen öffentlichen Meinung zurückgewiesenen Institution sich sagen muß, daß Unwahres und daher Unhaltbares sich nur mit unwahren, unhaltbaren Scheingründen dürftig verfechten läßt, daß aber durch die Sophistik und Rabulistik, welcher sich eine solche Vertheidigung bedienen muß, um nur wenigstens den Schein zu retten, der etwaige gute Ruf des Vertheidigers in bedenklicher Weise gefährdet wird. Der Herr Landrabbiner vr.Adler in Cassel hat, wenn auch nicht das Geschick, so doch den Muth zu einer solchen Rechtfertigung des ReformjudenthumS gezeigt in einer von ihm kürzlich erschienenen Schrift: Hillel und Schammai oder die confervative Reform und der stabile Conservatismus. Eine Friedensstimme an die Gemeinden Israels und ihre Führer. Verfaßt und herausgegeben von vr. B. Adler, Landrabbiner^r'n Cassel. Daß man eine Stimme, und selbst eine Friedensstimme , verfassen und Herausgeber: kann, ist nicht die erste Merkwürdigkeit an diesem Titel. Wichtiger, charakteristischer ist die Thatsache. daß ein Vertheidiger der Reform sie mit dem Epitheton „konservativ" versehen muß, um sie nur mundgerecht und salonfähig zu machen, und daß er das conservative d. h. überlieferte, orthodoxe Judenthum

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