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Der Israelit · 1878-12-04 · Heft 49 (4.12.1878) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 49 (4.12.1878)
Date
1878-12-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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„„Ich will diese Rechte weder anfechten, noch , verkürzen. Bisher hatte jeder deutsche Jude drei j Herren , den Bürgermeister seiner Stadt» den Lau- , deSsürsten und den Kaiser; jetzt hat er noch einen vierten: den Befehlshaber und.Regierer, und dazu hat mich deS Kaisers Gnade auSersehen. Ich Will aber meine Untertbanen weder bedrücken noch besteuern — ich will ihnen unter göttlichem Beistand ein Schützer und Helfer sein."" „Das wird Euch in Bezug auf die drei eingekerkertcn Juden Wohl nicht gelingen; sie werden dem Scheiterhaufen nicht entgehen. Herr Stadtschreiber lest dem Herrn Befehlshaber das Bekenntniß des langen Dietrich von Kestenholz vor!" Der Stadlschreiber holte ein Fascikel Acten herbei, suchte, nahm ein Blatt Papier heraus und begann zn lesen *): „Er halt auch verjehen^) das Bahel^) der Jude zu Dembach und Michel der Jude zu Richszhofen und L ehern ans sun4) zu Ober- Ehnheim, die haben nach jm (ihm) geschickt gen Da mb ach und jne (ihn) gebeten Das er jnen (ihnen) ein Sacrament brecht (brächte) so wollten sie ihm darfür geben drü tusent Gulden, Sollicher er sich gewidert (geweigert) und doch darnach habe er sich gen Kestenholz gefügt und die Kirche uffgebrochen und do gewollen das Sacrament stelen habe er nit könne darüber. komen und uff das nole habe er den Stock uffgebrochen mit einem vurll byhel (Wurfbeil), do er doch an erwüst (erwischt) ward, Darnach umb saut Bartholomeustag jn XV. und drü jore (1503) Sy (sei) er gen Wettwiller komen und sich in die Kirche verflogen und darinn gelegen anderthalben tage habe er nachts zu dem Sacrament mit einem Hammer das jserne (eiserne) gegitter affgedrochen (abgedroschen) und darnach mit einem pfryemen die Monstranz affgeton, das Sacrament mit bloßen Henden angriffen da Sy jnwendig ein echt siden (seiden) buch (Tuch) über das Sacrament gefin (gewesen), das ha er auch mit dem Sacrament gestolen und das in ein wiß (weiß) Seiden tuch getan das sy von jrem Altar der Juden gesin und under seinem mantel gen Da mb ach getragen in Bohsil des Juden Huß, syent vil Juden derjn gesin und besonder der Jude zu Richszhofen, 1) Wir geben eine wörtliche Abschrift des Originals, das in den Archiven von Obernay (Lad. 2. Nr. 26) aufbewahrt wird. 2) Gestanden. 3) Raphael. 4) Sohn. Vohel zu Ober-Ehnheim Lehemans sun, ES habe aber Vohel der Jude zu Dambach daS Sacrament in bloße Hende genomen von jm und jn ein kamer gangen und die andern darmit, Was sen darjnn getan haben wisse er nit Dannach sy Vohel mit andern sinen gesellen wider zu jm komen jn gescholten und gesprochen er sollte sich hinweg machen er wer ein schalk Sie wollten jm nitzet geben, er feit (sagte) auch, er sy (sei) by (bei) lx (60) gülden schuldig gesin allenthalben den Juden die haben sie für jne bezahlt nyemant heische jm wer gelt." „„Aber"", rief Rabbi Joselmann, „«das ist ja Alles Lug und Trug! Das trägt doch den Stempel der Unwahrheit an der Stirne! Jm Jahre 1503! Das ist ja sieben Jahre her! Warum hat der Schurke so lange geschwiegen?"" „Und warum", fragte der Bürgermeister, „soll er jetzt durch eine Unwahrheit sich selbst den Tod durch das Flechten an das Rad zuziehen? Denn dazu ist er verurrheilt!" „„Gestrenger Herr Bürgermeister, der Mensch ist ein Lump, ein heruntergekommener Taugenichts. Dem liegt nichts am Leben. Er wollte von den unglücklichen Juden Geld erpressen, und da sie es ihm weigerten, rächt er sich an ihnen."" „Dem sei wie ihm wolle; sein Zeugniß bringt die drei auf den Scheiterhaufen. Morgen werden sie gefoltert, damit wir die andern Schuldigen herausbekommen." „„Ich protestire dagegen! ich bin vom Kaiser zu ihrem Befehlshaber eingesetzt; sie dürfen ohne meine Zustimmung nicht gerichtet werden!"" „Hat Euch der Kaiser eine Armee beigesellt, um Euren Befehlen Gehorsam zu verschaffen, Herr Befehlshaber?" Der Hohn in diesen Worten ließ Rabbi Joselmann verstummen. „„So gestattet mir"", sagte er nach einer Pause, „„meine unglücklichen Brüder im Gefängnisse aufzusuchen."" „Das, meine ich, können wir dem kaiserlichen Befehlshaber nicht verweigern. Wie ist Eure Ansicht, Herr Stadtschreiber?" „Ich bin ganz der Meinung des gestrengen Herrn Bürgermeisters", antworte der Angeredete. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. Z. Gott-leben'L Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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