Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1878)
- Date
- 1878-12-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1205 gab vor 4 Jahren seine Tochter Leah in die protestantische Schule, deren Vorstand Haskio, unter dem Schuhe des englischen Gesandten steht. Damals mußten die Eltern sich verpflichten, ihre Tochter volle 4 Jahre in der Schule zu lassen. Diese Zeit ist nun vorüber. Der Direktor der Schule, Herr Samuel Neiman, ein getaufter Jude, verweigerte aber die Zurückgabe dieser Schülerin, da dieselbe zum Christenthum übergetreten sei. Der Vorsteher der deutsch-israel. Cultusgemeinde, Herr Lichtenstern, ein Oesterreicher, wendete sich diesbezüglich an den englischen Gesandten, welcher Schutz versprach. Vorläufig ist die Sache noch nicht entschieden. (W. Jsr.) Salorrichi In hiesiger Stadt bestehen schon seit Jahren die freundschaftlichsten Beziehungen zwischen Juden und Griechen. In letzterer Zeit wurden dieselben noch bestärkt. Als nämlich kürzlich der hiesige Erzbischof zum Patriarchen in Constantinopel ernannt wurde, hat fich eine jüdische Deputation, mit dem Präsidenten des Comitäs der „All. iSr.", Hrn. Allatimi, an der Spitze, zum Patriarchen begeben und demselben zum Abschiede eine Adresse überreicht. Die Ueberreichung der Adressen fand im Beisein der höheren Geistlichen und andern Notablen statt. Der Patriarch drückte bewegt seinen Dank aus nnd sprach dann weiter: „Möge der Jude in der Synagoge, der Grieche in seiner Kirche zu Gott beten, Jeder nach seinem Glauben; aber außerhalb des Tempels und der Kirche sollen sie unter einander Brüder fein. In dieser Richtung zu wirken, werde ich stets bemüht fein." Diese Worte machten auf alle Anwesenden großen Eindruck. (W. Jsr.) Feuilleton. Kaööi Zoselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. XXI. In seiner Amtsstube im Rathhause der deutschen Reichsstadt Oberehnheim — im Volksmunde Obernäh, daher auch während französischer Herrschaft der Name Obernay — saß der regierende Bürgermeister, Herr Jakob Brand, ein Vetter des berühmten Verfassers des „Narrenschiffes", welcher als Advocat in Straßburg lebte; neben ihm saß der Stadtschreiber und hielt Seiner Gestrenge« Vortrag. Da trat der Rathsdiener herein und meldete: „„Gestrenger Herr Bürgermeister, ein Fremder begehrt vor Euer Gestrengen vorgelassen zu werden."" „Sag' ihm", entgegnete der Bürgermeister, „es sei nicht jetzt die Stunde, in welcher ich Audienz ertheile. Er soll morgen um die zweite Nachmittagsstunde hier erscheinen." „„Euer Gestrengen wollen verzeihen"", sagte der Rathsdiener, der ein gutes Trinkgeld erhalten hatte .... „Hinaus! kein Wort weiter!" Aber der Rathsdiener ließ sich nicht beirren. „„Es ist ein kaiserlicher Befehlshaber"", sagte er. „Ein kaiserlicher Befehlshaber! Das ist etwas Anderes, er mag eintreten." Der Bürgermeister und der Stadtschreiber erhoben sich von ihren Sitzen, um dem kaiserlichen Befehlshaber entgegen zu gehen. Da trat Rabbi Joselmann ein. „Joselin, Jud' von RoSheim!" rief der Bürgermeister, „waS ist das für eine Komödie?" „„Keine Komödie, gestrenger Herr Bürgermeister! Seine Majestät, unser allerdurchlauchtigster Kaiser haben in Gnaden geruht, mich, den Geringsten meiner Brüder, zum Befehlshaber und Regierer der gesummten Judenheit deutscher Nation zu ernennen. Seht hier, das allerhöchste, kaiserliche Mandat, mit Seiner Majestät eigenhändiger Unterschrift und Jnsigel."" Er reichte das kaiserliche Mandat dem Stadtschreiber, der es dem Bürgermeister präsentirte. Dieser warf einen Blick darauf, und, als er den Namen: Joselin, Jud' von Rosheim, und des Kaisers Unterschrift und Sigel erblickte, sagte er: „Nun, da wünsche ich Euch Glück, Herr Befehlshaber! Setzet Euch, Herr; Euer Kaiserliches Amt zwingt mich, selbst gegen einen Juden höflich zu sein. Was verschafft' mir die Ehre Eures Besuchs?" „„Ich danke Euch, Herr,"" antwortet Rabbi Joselmann, sich dem Bürgermeister gegenüberfetzend, „daß Ihr in mir armen Juden den kaiserlichen Bevollmächtigten ehrt. WaS mich herführt, ist das Schicksal dreier meiner Unterthanen. . . „Eurer Unterthanen?" „ „Jhrj vergeht, daß mich des Kaisers Majestät . . .V'" „Wahr, Ihr seid der Regierer, also sind alle Juden Eure Unterthanen. Wir aber, meine ich,! hätten ältere Rechte aus unsere Unterthanen."