Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1878)
- Date
- 1878-12-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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v-V 1203 Verein gestellten Ansprüche seinen höher» Beitrag zu bemessen, resp. für diese Zeit zu erhöhen. In den Statuten ist die Hoffnung ausgedrückt, daß bei der besonders hohen Wichtigkeit, welche die Beobachtung des Sabbat im Judenthum hat, nicht nur di. Glaubensgenossen, die ein persönliches Interesse an der Wirksamkeit des Vereins haben, sondern auch solche, die ausschließlich aus begeistertem Streben für die Heilighaltung des Sabbats, odcr um die Bestrebungen zur Wahrung der Gewissensfreiheit zu unterstützen , dem Verein beitreten werden, um ihn durch ihre Mittel zu fördern. Für einen Beitrag von Hundert Mark wird die dauernde Mitgliedschaft als Wohlthäter des Vereins erworben; für einen solchen von drei Hundert Mark erwirbt man zugleich das Recht, so lange der Verein besteht, einen Schüler an dem Benefice der Nachhilfe Theil nehmen zu lassen. Letztere Spenden müssen dem eisernen Fond verbleiben und nur die Zinsen derselben dürfen für den Unterricht verwendet werden. Berlin. Zwei Concurrenten, ein Jude und ein Christ trafen im Sommer d. I. zufällig bei einem Kunden des Letzteren zusammen, während der Erstere gerade Waaren zum Kauf anbot. Als der Christ des Juden ansichtig wurde, sagte er in einem Tone, so daß alle Uedrigen lachen mußten: „Was will der Jude hier, will der Jude hier auch Geschäfte machen?" Auf die Jnjurienklage des Juden ist der Christ verurtheilt worden. Einen Juden Juden zu nennen, so führt der Richter an, sei zwar an sich noch keine Beleidigung; Niemandem sei es aber gestattet, einen Andern lächerlich zu machen. Im vorliegenden Falle sei die incriminirte Aeußerung offenbar aus Brodneid und in dem Bewußtsein erfolgt, daß durch die Art und Weise, in welcher die Aeußerung gethan wurde, die gemeinte Person lächerlich gemacht und dadurch möglicherweise in der Achtung der übrigen Anwesenden herabgesetzt werden könne. Unter diesen Umständen müsse denn allerdings der Thatbestand der Beleidigung für festgestellt erachtet werden. Aus Westphalen. Sie haben meinen Berichten über die jüdisch - religiösen Zustände Westphalens schon so oft die Spalten ihres geschätzten Blattes bereitwilligst zur Verfügung gestellt, und war auch das, was ich zu berichten batte im Allgemeinen wenig Gutes, so galt es doch, Schlechtes zu tadeln resp. zu dessen Beseitigung beizutragen, Miß- und Uebelstände zu rügen und Mittel und Wege anzugeben, umdieselben zu beseitigen, so daß ich mich der Hoffnung hingeben darf, daß Sie auch meinem heutigen Berichte die Aufnahme nicht versagen werden, zumal es gilt, von hier aus auch einmal etwas Gutes registriren zu können und man hier nur zu geneigt ist. mir vorzuwerfen, als sähe ich bei der Schilderung der rel. Zustände zu schwarz und trüge mit zu grellen Farben auf, wenngleich auch beides nur das Gegentheil der Fall ist und ich dieselben immer für noch zu rosenfarbig auftrage. Doch zur Sache. Bon verschiedenen Seiten bin ich interpellirt worden, ob Herr A. Goldschmidt in Lippstadt, der in verschiedenen jüdischen und Lokal-Blättern ->LN-Gänsefleisch zum Verkaufe anbietet, in religiöser Beziehung unbedingtes Vertrauen genieße? Da ich genannten Herrn persönlich nicht kenne, so sah ich mich veranlaßt, sowohl bei glaubhaften Verwandten, als auch College» nähere Erkundigungen eivzuholen und bin ich, auf Grund derselben im Stande, de» Anfragestellern Folgendes gewissenhaft mitzutheilen. Herr Goldschmidt ist streng religiös, seit 34 Jahren mw, und läßt es sich angelegen sein, von Zeit zu Zeit sich ordnungsmäßig hdjd sein zu lassen; auch bringt derselbe nur -uco geschlachtete Gänse zum Verkaufe, so daß Jeder, selbst Derjenige 'Ni7i', welcher den strengsten Anforderungen unseres heiligen Religionsgesetzes nachzuleben sucht, von dem Fleische der von Hrn. Goldschmidt geschlachteten Ganse pisp'si vvn on? »Va genießen darf. Ueberhaupt könnte, was Religiöfität, wahres und echtes Judenthum anbetrifft, Lippsladt wohl als Mustergemeinde Westphalens dienen. ES wohnen daselbst circa 45 jüdische Familien, größtentheils Kaufleute, welche sämmtlich v"'i rav ihre Geschäfte streng geschloffen haben. Auch fehlt an genannten Tagen in der Synagoge, in welcher, wie ich beiläufig zu bemerken mir erlaube, der Gottesdienst in althergebrachter, sehr erbauender Weise abgehalten wird, kein Gemeindemitglied. Es existiren daselbst auch zwei wion ni^on nnin, die, wie auch schon der Name besagt, sich den. Zweck gesetzt, Arme zu unterstützen. Die dortige Realschule 1. Ordnung wird gegenwärtig von nahezu 50 isr. Schülern besucht; in 6wöchentlichen Stunden ertheilt der dortige tüchtige und berufstreue Gemeindelehrer, Herr Kleestadt, denselben den Religionsunterricht. Jeden Morgen, ungefähr eine Viertelstunde vor Beginn des Unterrichtes ist gemeinschaftliches Gebet, das derselbe von einem der ältesten Schüler laut verrichten läßt. Möge diese kurze Mittheilung von einer glaubenstreuen Gemeinde Westphalens viele andere daselbst zur Nachahmung anspornen und zugleich den gesch. Lesern den Beweis liefern, daß es in unserer veologen Provinz ,i"a auch noch streng-religiöse Gemeinden gibt. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer.