Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1878)
- Date
- 1878-12-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1202 aus allen größeren und kleineren Gemeinden Deutschlands und außerhalb desselben, Paris, Amsterdam rc. bringen Klagetöne zu unS und werden Trauergottesdienste abgehalten, bei denen dem Schmerze ob des erlittenen Verlustes in beredten Worten Ausdruck verliehen wird. Auch hier an der Stätte seiner vorzüglichsten Wirksamkeit, wurde vorgestern (25. ds.) — die Verspätung wurde durch die Verwaisung der Kanzel verursacht, da man in der Wahl des Redners nicht sogleich einig war eine solche Feier in der Synagoge veranstaltet, bei welcher der älteste Sohn des Verblichenen, Herr Rabbiner Simon Bamberger zu Fischach die Gedachtnißrede hielt. Die Synagoge war gedrängt voll, die hiesigen Gemeindemitglieder, sowie Freunde aus Nah und Fern hatten sich zahlreich eingefunden und auf Allen war der Ernst des Momentes, der so recht in jenes ewig denkwürdig erschütternde Ereigniß des so plötzlich hereingebrochenen Todes des allverehrten geliebten Mannes zurückversetzte, sichtbar. — Nach dem Recitativ einiger entsprechenden Psalmen durch den Cantor bestieg der Redner die Kanzel und war es demselben in seiner fast einstündigen ergreifenden, geist- und gemüthvollen Rede gelungen, den entsprechenden Eindruck bei den Zuhörern hervorzurufen. Anknüpfend an den Bibelvers (Chronik 11, Cap. 35, B. 25) wies er die Berechtigung, ja die heilige Pflicht einer solchen Trauerfeier nach und an der Hand trefflich gewählter, geistreich erläuterter Bibel- und Talmudstellen entwarf er ein umfassendes herrliches Bild von dem edlen thaten- und segensreichem Leben des so tief Betrauerten. Wie letzteres nicht dem persönlichen, privatlichen Interesse gegolten, so gelte auch die Trauer in erster Linie nicht dem persönlichen familiären Verluste, sondern dem allgemeinen, dem der hl. Sache, der Religion und der Wohlthatigkeit, dem Wahren und Guten. Der Redner schloß mit den Worten, daß wir nur in dem Bewußtsein, daß es des himmlischen Vaters Wille, dem ja der Edle in allen seinem Thun, Denken und Fühlen zu gefallen suchte, so gewesen, „dessen Thun vollkommen und untadlich sei" (V. Buch Mos. 32. 4) Beruhigung finden könnten; auch habe ihn der allgütige das gewöhnliche Maß des menschlichen Lebensalters erreichen lassen, bis daß er seine Aufgabe wie vielleicht kein Anderer gelöst hatte. Gesegnet sei sein Andenken! Nach der Rede folgten wieder einige Psalmen. Ergriffen und gehoben verließ die Versammlung das Haus, in welchem sie durch des Verstorbenen begeisterte Worte so oft erbaut worden war. Würzburg, 16. Nov. Wie das „Würzburger Journal" mittheilt, ist den „Liberalen" der Sieg bei den Gemeindewahlen nur dadurch ermöglicht worden, daß sie sich im Besitze einer Abschrift der officiellen Wählerliste befanden, auf Grund deren die säumigen Wähler leicht ermittelt werden konnten. Noch um 121/2 Uhr Mittags hatte die Opposition einen bedeutenden Borsprung, von da an trat jedenfalls gemüthliche Lässigkeit ein. die „Liberalen" aber benutzten die letzte halbe Stunde zur Herbeiholung neuer Mannschaften und so gelang eS ihnen, die Opposition um wenige Stimmen zu überflügeln. Wie dasselbe Blatt mittheilt, haben die Liberalen ihren Sieg nur der Unterstützung der Israeliten zu danken. Eigentümlich ist nun, daß etliche Liberalen den Namen des Israeliten, der auf der Liste stand, strichen, so daß er durchfiel und die Unterstützung sich schlecht lohnte. ES ist also gewiß nicht so weit her, wenn man die Gegner der Liberalen einzig als „Judenfeinde" hinzustellen gesucht hat. Berlin. Mit Freuden begrüßen wir die Erstehung eines „Sabbatvereins für Schüler", an dessen Spitze die Herren Dr. I. Hildesheimer, Dr. S. Cohn, Dr. S. Meyer, I. Spiro und S. Bergel stehen. Der Zweck des Vereins ist: Die religiöse Gewissensfrerheit bei Schülern der Unterrichtsanftalten rückstchtlich des Schreibens an Sabbat und Feiertagen zu wahren; die durch das Nichtschreiben entstehenden Lücken nach Möglichkeit durch Privatunterricht zu ergänzen. Der Vorstand überimmt die Pflicht für die Kinder der Vereins-Mitglieder zu dem oben bezeichneten Zwecke mit den Lehrern und Schuldirektoren gütlich in Verbindung zu treten, sowie in Einzelfäüen auf Anzeige des Vertreters des Kindes alle geeigneten Schritte zu ergreifen. Jedes Mitglied ertheilt dem Vorstände durch seinen Beitritt zum Verein das Mandat dazu. Der Verein wird, so lange es nicht möglich ist, io den Lehrplänen eine volle Berücksichtigung des isr. Sabbat- Gesetzes zu erzielen, und daher für die nichtschreibenden Schüler hiedurch das Erreichen des Classen- Pensums gefährdet ist, nach Kräften dafür Sorge tragen, einen dem am Sabbat versäumten entsprechenden Unterricht ertheilen zu lassen. Mitglied des Vereins ist jeder Israelit, der einen Beitrag von mindestens drei Mark jährlich entrichtet. Für die Theilnahme an dem Beneflce der Nachhilfe ist jedoch ein Honorar zu zahlen, dessen Höhe dem Ermessen des Vorstandes nach Maßgabe der jeweiligen Mittel überlassen wird. — Es wird dabei dem Billigkeitsgefühle jedes Mitgliedes anheimgegeben, im Verhaltniß der von ihm an den