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Der Israelit · 1878-12-04 · Heft 49 (4.12.1878) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 49 (4.12.1878)
Date
1878-12-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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will „mit dem Stabe seiner Wuth", der sehe sich eine solche abgebrannte russische Stadt an. Matt und hohläugig in dumpfer Resignation lagern die Unglücklichen auf Stroh unter ausgespannten Tüchern, in rasch und roh aufgerichteten Bretterverschlägen, oder auch mitten auf freiem Felde. Viele irren von Elend und den Verlusten, die sie erlitten haben, bis zum Wahnsinne getrieben, umher und erfüllen mit Klagen und Jammer die ganze Umgegend. Da sitzt eine Mutter, den Säugling an der welken Brust. dem sie nicht genügend Nahrung bieten kann, dort liegen hungernde Kinder in Lumpen eingewickelt und saugen sich die Fingerchen wund und blutig als Reflexionsbewegung gegen den nagenden Hunger. Was soll beispielsweise diese Wittwe mit ihren Kindern anfangen — und Wittwen gibts leider gar zu viel an diesen Orten, die Männer sterben zu früh weg — sie hat sich damit ernährt, daß sie in einer Anzahl Häuser das Brod knetet und bäckt, jetzt aber hat Niemand etwas zu kneten und zu backen, wie soll sie den Hunger der brotverlangenden Kinder stillen? — Und mitten in diesem Elend und unter diesen Elenden steht da einem Helden gleich — nein, das ist noch viel zu wenig gesagt, sondern übermächtig wie ein Heros der Rabbiner des Orts. Aller Augen sind auf ihn gerichtet, jeder Mund fleht um Hilfe uud er wird helfen. Er selbst hat zwar auch die äußerst geringe Habe beim Brande verloren. Besitzt er noch einen Rock außer demjenigen, welchen er auf dem Leibe trägt, so verschenkt er ihn, spendet jedem seinen Segen und seinen Trost und dann greift er zum Wanderstabe. Hinter ihm her ziehen eine Anzahl ein- und zweffpänniger Wagen mit elend aussehenden, aber doch dauerhaften Pferdchen bespannt, eS sind die von den jüdischen Fuhrleuten, die in diesen westrussischen Städtchen in wahrhaft unbegrenzter Anzahl vorhanden sind. Mit diesen gehtS von Ort zu Ort, von Haus zu Haus; ein Jeder gibt, was er nur einigermaßen entbehren kann, der Eine alte verbogene Messer und Gabeln, der Andere ein Pack hölzerner Löffel, der Eine dies, der Andere jenes Küchen. HauSgeräth und Kleidungsstück; da ist kein Stück Holz, da ist kein altes Brett zu schlecht, es wird entgegengenommen.—Nicht lange und herbei rollen die schwer und hochbeladenen Wagen von allen Seiten; nicht nur die mitgenommenen, sondern auch die unterwegs in andern Städten requirirten Wagen; — kein Fuhrmann wird dem Rabbiner seine Beihilfe, sei es zur Beförderung feiner Person oder seiner gesammelten Gegenstände, versagen — die Wagen aber enthalten, was vorläufig zur Fristung des Lebens nothwendig ist; selbst die christlichen Bauern der Umgend werden von ihren Felderträgnissen nach Kräften beisteuern. Aber das Alles wird rasch verbraucht und fortwährend droht der Mangel mit seiner vernichtenden Schwere; woran es fehlt und immer fehlen wird, das ist das baare Geld, davon ist in Rußland selbst wenig zu bekommen, weil zu wenig vorhanden. Und um diesem Mangel abzuhelfen, wandte ich mich zu wiederholten Malen an die deutschen Glaubensbrüder und wenn auch nicht viel, so ist doch wenigstens jederzeit etwas zusammengekommen. Die Sammlungen für die abgebrannte Stadt Wilkomir betrugen etwa 20,000 Rubel; allein, waS will das heißen, im Vergleich zu dem entstandenen Schaden? Etwa 2000 Familien hatten ihr Hab und Gut verloren, neun große Gotteshäuser waren in Flammen aufgegangen und der Gesammtschahen wurde auf mehr als eine Million Rubel berechnet. Wenn „nun der Mann von der Leine" auf bequemem und weichem Lehnstuhle bei opulentem Frühstück auch schreibt: „Ich würdige jede Handlung aufrichtiger Barmherzigkeit und sehe mit Freuden ein edles Merk gedeihen", so sage ich ihm offen in's Angesicht: „Ich glaube Dir nicht; Du weißt gar nicht, was wahre Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit ist; Du hast niemals dem Elende Aug' um Aug' gegenübergestanden und demselben ins verzerrte'Angesicht geschaut jrojn byiD -iy pm Ihr aber theuere Amts - und Glaubensgenossen l laßt Euch nicht irre machen. Niemals hatte Spendung und Verwendung milder Gaben einen edleren, wohlthätigeren, humaneren Zweck als zu Gunsten der verunglückten Glaubensgenossen. Euch, Ihr edlen Spender, sowie alle Redactionen und Expeditionen von Zeitungen, welche diese Unterstützungszwecke gefördert haben, den Herzenswunsch: iW npisi 'n rfND rma i«»1 Dr. Rülf. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzbttvg. Der „Neuen Würzb. Ztg." wird von hier geschrieben: Bereits sind Wochen seit dem Tode des Hrn. Districts - Rabbiner Seligmann Bär Bamberger dahier verflossen und noch herrscht tiefe Trauer in den betheiligten Kreisen, noch trauert das strenggläubige Judenthum um seinen Besten, um seine erste Autorität, um seinen Führer und Kämpfer;

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