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Der Israelit · 1878-11-27 · Heft 48 (27.11.1878) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 48 (27.11.1878)
Date
1878-11-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Mal laut vorgesprochen, daß ich mit Vergnügen und Hast die Gelegenheit ergreifen sollte, mein Unrecht theilweife, mein Kind ganz glücklich zn machen — aber meine unglückliche Schwäche, meine Selbstsucht, meine egoistische Antipathie gegen den Mann, den ich beraubt und bestohlen, — war stärker als meine Neigung zu den guten Vorsätzen; machte mich verstockt und hartnäckig . . . . ich wies Markus Erdmann ab! .... ich hatte ihm sein Vermögen geraubt, ich hatte Unfrieden zwischen ihm und seiner Schwester gestiftet — aber das Alles war mir noch zu wenig gewesen — ich verweigerte ihm auch das Weib, das er liebte!" Tarnower hielt wieder einen Moment inne. Die Andern warfen Markus Erdmann theilnehmende Blicke zu. „Ich hatte mit meiner Weigerung in meinem eigenen Hause einen harten Stand. Karoline ward traurig; — mir that das Herz weh, zum Brechen weh! — meine Schwester, die meine Tochter, wie ihr eigenes Kind, liebt, trat mit ungewöhnlicher Entschiedenheit auf ihre Seite und auch meine Frau erklärte mir, es unbegreiflich zu finden, daß ich der Neigung meines Kindes so schroff entgegentrat. Daß ich die wahre Ursache nicht enthüllen durfte, daß mich die Menschen, die mir die liebsten, die iheuersten auf der Welt waren, für einen eigensinnigen, hartherzigen Vater halten mußten, war mir schmerzlich, — aber ich war schon zu weit gegangen — ich mußte auch das ertragen! — Nun begann auch Oppert mich seine Tyrannenherrschaft in einem höheren Maaße mich fühlen zu lassen, sogar in einer Weise, daß diese im Schooße meiner Familie auffiel. Es war tief schmerzlich und beschämend für mich, wenn mich Frau und Tochter aufforderten, ihm zu kündigen und ich keinen vernünftigen Grund für die Verweigerung ihrer Bitte anführen konnte — zuletzt sank ich so tief, daß ich für Oppert, den ich verachtete, haßte und fürchtete, um äußerlich ein Motiv für meine sonst unerklärliche Handlungsweise zu finden Zuneigung, Liebe und Dankbarkeit heuchelte .Meine Lage ward immer drückender, und ich schrie oft zu Gott auf, er möge mich durch den Tod von meinen Leiden erlösen; — aber es war eigenthümlich; — wenn ich schon geglaubt hatte, den höchsten Grad des Elends erreicht zu haben, trat unerwartet doch noch eine plötzliche Steigerung ein. — Ich brauche es wohl nicht zu sagen, daß mich Simon Redings Bild wachend und schlafend verfolgte .... endlos oft — in schweren, wüsten, seelenaufreibenden Träumen war mir Reding — der wackere, unglückliche Mann, in der Sträflingskleidung, an feinem Block gekettet, erschienen, und oft schrie ich laut auf auS dem Schlafe; — und der Gedanke, er könne mir einmal in der That gegenübertreten, er könnte mich mit seinen treuen, traurigen Augen, wie mir es so oft in meinen Träumen vorkam, in der That anblicken; — hatte mir das Blut meines Herzens ins heiße Hirn hinaufgepeitscht, hätte mich wahnsinnig machen können, — aber es war merkwürdig und eigenthümlich, — ich hatte mir selbst die Hoffnung eingeflößt — und ich glaubte endlich fest! daran, ich würde Reding nie mehr in diesem Leben! Wiedersehen und — wenn ich auch stets mit lautem! Herzklopfen an den Moment dachte, wo er mir! als Ankläger vor dem Throne des allmächtigen I Gottes entgegentreten würde — so hatte ich mich! doch nach und nach in dem Gedanken hineingelebt! — ihn wenigsten auf dieser irdischen Welt nicht wiederzusehen.Ich dachte körperliches und! seelisches Leid würde ihn frühzeitig aus diesem Leben! abberufen — und auch wenn er die lange Kerker-! Haft überkäme, würde er nie in seine Vaterstadt! zurückkehren .... aber alle meine Voraussetzungen j erwiesen sich als falsch — und am ersten Schwuos-! abende, als ich in die Synagoge ging, begegnete! mir Simon Reding. Ich hatte ihn trotz seiner j ärmlichen Kleidung, trotz seines leidenden Ausj sehens, doch sofort beim ersten Blicke erkannt. Zu j schildern, was ich da empfand, vermag mein schwaches j Wort nicht. Zuerst glaubte ich, der Erdboden würde! sich öffnen und würde mich verschlingen, oder ein j Blitz von heiterem Himmel niederstürzen und mich sündigen Mann zerschmettern — dann riß es mich hin — ihm auf offener Straße zu Füßen zu fallen, seine Hände zu küssen, ihm all das Böse, das ich in unmenschlichem Frevel auf ihn gehäuft, abzubitten — dann wieder schien es mir, als wenn ich von dannen eilen müßte, mich den Blicken eines Mannes zu entziehen, der nie meinen Lebensweg durchkreuzt, — und den ich ins Elend gestürzt; — aber ich war keiner Bewegung fähig, mein Fuß war, wie in den Bodeu festgewurzelt; all mein Blut schoß glühend und tosend gegen meinen armen Kopf, um im nächsten Augenblicke wieder ins Herz zurückzufließen und dort zu vereisen — ich fühlte eine Art Scdlaganfall, — und es mag auch in der That ein Vorgänger jenes Anfalls gewesen sein, der mich in Folge fortschreitender, lebenzerstörender Aufregung tödtlich getroffen; — und einen Augenblick freute ich mich vielleicht, wenigstens von meinen irdischen Leiden befreit zu werden! .... Simon Reding war achtlos, in tiefen Gedanken, und unsäglicher Trauer im Gesichte, an mir vorübergeschritten , während mein verändertes Aussehen schon den Vorübergehenden aufzufallen begann, und Bekannte mich frugen, ob ich etwa unwohl sei. Allein RedingS Ankunft hatte noch

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