Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1878)
- Date
- 1878-11-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1186 satt, klagten die Einwohner von Satschkeri die dortigen Israeliten des Mordes an und schlugen ffe fürchterlich, aber die Justiz schritt mit der Garnison der Stadt gegen die Tumultuanten ein und ließ sie nicht ihre Mißhandlungen wie in Suram fortsetzen. Die Juden waren aber genöthigt, 40 Tage zu Hause zu bleiben. Niemand wagte, die Schwelle seiner Thür zu überschreiten, selbst um Wasser zu holen, da man im Geheimen schöpfen mußte. Auf unser Einschreiten bei der Regierung wurden zu unserem Schutze gegen diese Mißhandlungen Verstärkungen der Besatzung abgeschickt. Noch ganz neulich wurden 7 Israeliten fälschlich eines Verbrechens angeklagkt, 2 wurden eingesperrt und die 5 andern werden fortwährend gesucht. In der vergangenen Woche hatten die Einwohner von Gors eine Figur des Stifters der chr. Religion von Wachs angefertigt und von allen Seiten mit Nägeln durchbohrt; sie klagten die Israeliten an, diese Figur gemacht zu haben, und mißhandelten Alle, die ihnen unter die Händen kamen, besonders die Juden von Satschkeri. Jeder Israelit, der es wagte, das Dorf zu verlassen, um seinen Geschäften nachzugehen, wurde von den Christen mit Säbelhieben geschlagen, und Alle wurden mit Wunden bedeckt. Durch Ihre Intervention werden Sie uns helfen, die Verleumder zu entlarven, welche uns lügnerischer Weise anklagen, welche falsche Eide gegen die Israeliten leisten, welche sagen, daß dieselben ein junges christliches Mädchen verwundet und ihm das Blut für ihren Cultus abgezapft hätten." Möge Gott und unsere ausgezeichneten Behörden uns zu Hilfe kommen, rc. Für die Israeliten in der Türkei gingen bis jetzt 428,642 Fr. ein. Rußland. Mohilew a. Dep. Unsere Gemeinde hat einen großen und herben Verlust erlitten. Am Ausgange des Hüttenfestes starb der auch außerhalb Rußland rühmlichft bekannte Herr Schemarja Zuckermann im Alter von 62 Jahren. Seine Wohlthätigkeit hatte keine Grenzen, sein Haus stand jedem Armen und Bedrängten, deren Beschützer er gewesen, weit offen; bei jeder guten Sache stellte er sich an die Spitze. In ihm vereinigte sich wie nur selten Thorakenntniß, hohes Ansehen sowie echte und innige Religiösität. Als sein Tod dahier bekannt wurde, hörte man nur Jammern und Wehklagen auf den Straßen. Die Läden sämmtlicher Juden waren während deS überaus großen Leichenbegängnisses geschloffen. Zuckermann hat sich dahier durch eine Synagoge, die er auf eigne Kosten erbauen, ließ, ein ewiges Denkmal gesetzt, p'-m tat. — n"a"a"2wn. Bosnien. Serajewo. Zahlreiche österr. Juden, die sich dahier niedergelaffen, beabsichtigen eine eigene Synagoge zu errichten, da die türkischen Juden, meistens Sephardim, viele andere Gebete haben als die Aschkenasim. Feuilleton. Simon Webng. Erzählung aus dem Anfang des neunzehnten Jahr» Hunderts von 8. Kohlt. (Verfasser von „Gabrie l".) (Fortsetzung.) Ein mildes Lächeln überzog Rabbi Michael Bacharachs Gesicht. „Da wird sich die Sache vereinfachen lassen", sprach er, „das wackere, prächtige Mädchen. Mindl Erdmann, die sich als Redings Braut betrachtete, zu einer Zeit, wo Jedermann ihn für einen Dieb, einen schlechten Menschen hielt, wird ganz gewiß jetzt, wo alle Welt mit Achtung und Verehrung auf ihn blickt. wo Jedermann, auch der Staat und die Behörden, so weit es ihnen möglich ist, ihn für die unverdient erlittenen Leiden Ersatz und Entschädigung bieten müssen, bestimmt sein treues Weib werden, und da werdet Ihr gar nicht nothwendig haben, Simon Reding, dem wakkeren Manne etwas anzubieten .... aber Rabbi Abraham, Ihr habt ja eine Tochter. . . „O! die wird ganz zufrieden sein, wenn Markus Erdmann mein Sohn wird, wenn ich ihn zu meinem Schwiegersöhne mache — doch gestattet Rabbi, daß ich zu Ende komme, — denn ich fühle es, es geht auch mit mir zu Ende — und mein letzter Augenblick wird, Gott tausendfach Lob und Dank, doch nicht so furchtbar sein, als ich in der langen finstern Zeit, von jenem Tage an bis heute, oft gefürchtet hatte. „Mich freute dieser große VermögenSanwachs nicht, im Gegentheil, so sonderbar eS auch klingen mag, er verursachte mir Grauen. Zu meinem Schrecken erkannte ich, daß ich den richtigen Zeitpunkt, Simon Reding zu retten versäumt hatte, und daß eine nachträgliche Richtigstellung des