Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1878)
- Date
- 1878-11-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1184 die Erinnerung an diesen geerbten Beruf und an die Pflicht, denselben zu erfüllen; die Erinnerung wird erneuert an jedem Jahrzeitstage der Eltern, wo man öffentlich vorbetet, Kaddisch sagt, fastet und ein sogenanntes Seelenlicht brennen läßt, andeutend die WorteSalomonS; (Spr. 20,27) „Eine göttliche Leuchte ist eine menschliche Seele;" rc. rc. — Als Quelle wird in Parenthese citirt: Schluß Tract. Sotah und Torat Emmeth. Wir haben an erstgenannter Stelle Nichts hierhergehöriges zu finden vermocht, das Buch Torat Emmeth besitzen wir nicht. E. Dy rryaön ny’T hid* in pix »nwo , "isdh ni^ia nnyn ‘n^n ,Nitna)) .w^NpND .d mm Es gibt vielleicht wenige Materien, deren Behandlung so geeignet ist, die Biegsamkeit, Vielseitigkeit und lebendige Ausdrucksfähigkeit der heiligen Sprache darzuthun, als die physische Geographie, deren Hauptgrundlagen nach der neuesten Maury'schen Methode in dem vorliegenden Buche in populärer, gemeinsaßlicher Darstellung gegeben werden. Während vielen Glaubensgenossen Ost- Europas und des Orients diese Wissenschaft erst durch das Medium der heiligen Sprache eröffnet wird, hat die Arbeit für uns mehr sprachliches Interesse. Wer die Schwierigkeit der Uebertragung technischer wissenschaftlicher Ausdrücke in eine fremde Sprache kennt, wird die glänzende Fertigkeit bewundern, mit welcher das vorliegende Buch allen diesen Anforderungen gerecht wird. — Von dieser stylistischen Gewandtheit abgesehen, zeichnet sich die ganze Darstellung auch durch Klarheit, Einfachheit und logische Einteilung des behandelten Stoffes aus, wodurch sich das Buch sehr zum Selbstunterricht eignet. — Der Verfasser, flerr Nathan T. Sokolow in Makow (Gouv. omza), Rußland, erbietet sich außerdem allen Lesern seines Buches, auf briefliche Anfragen jede Auskunft zu geben, die dem Leser seines Buches erwünscht sein sollte. —n— Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterr. - Ungarische Monarchie. Wien. Der Redacteur der „Wiener medieinischen Wochenschrift" schreibt im Feuilleton eine« Carlsbader Blattes gelegentlich einer Betrachtung des jüdischen Bersöhnungstages: .... „Verhallt find auch die ErlösungSseufzer, die beim Anblick der rituell vorgeschriebenen drei Sterne sich dem Innern aller Jener entwunden, für welche die einbrechende Dämmerung die endliche Grenze ihrer Selbstkasteiung, des gesetzmäßigen Fastens gewesen . . . . Solche Anlässe, wo das Judenthum als nationaler Factor in die Erscheinung tritt, sind wohl geeignet, einigen Reflectionen Raum zu geben über das fast wunderbare Spiel des Schicksals, welches und dies mit rastloser Consequenz, sich gerade dieses Volk dazu auSersehen, um unS ein großes psychologisches Räthsel in einer noch heute unerklärten Gestalt vorzufützren. Unfaßbar, ja noch mehr, fast unbegreiflich erscheint dem denkenden Geiste, wie es denn möglich gewesen, daß diese Nation, losgerissen von dem heimischen Heerde, losgelöst selbst von den notwendigsten Existenzbedingungen einer gesunden Lebensentwicklung, sich bis heute in einer Weise behauptet hat, die selbst dem größten Zeloten ein gewisses Maß von Achtung abringen muß. Fast scheint es, daß für das „auserwählte Volk Gottes" eine Ausnahme des durch unzählige Fälle begründeten Weltgesetzes geschaffen sei, nach welchem jede Nation ihre Zeit, jedes Volk seine bestimmte Lebensepoche hat, über welche hinaus eS fast spurlos verschwindet, mochte eS selbst zu Zeiten die Geschicke ganzer Welten geleitet haben. Was sind die Römer heute als ein leerer Schemen, als eine große Erinnerung an eine frühere längst vergangene Zeit! und die Juden, die unter ungleich ungünstigeren Verhältnissen als jede andere Nation ihre Existenzphasen überdauerten, stehen heute noch nach fast sechstausend Jahren ungebeugt und in mehr als einer Beziehung achtunggebietend da. Woher das wohl kommen mag? Es wäre eine Untersuchung darüber ein ziemlich interessantes Problem für die neuere kulturhistorische Forschung; ein Ergebniß läßt sich wohl mit Sicherheit schon voraus feststellenz, daß die Anhänglichkeit und Treue, mit der die Juden ihre Religion bewahrt haben, gewiß nicht ohne Einfluß auf ihre ethische, culturelle und wissenschaftliche Entwickelung gewesen. — „Eines hat die Religion den Juden gewiß gelehrt, jene Toleranz und Herzensgüte, die wir fast als Nationaleigenfchaft derselben bezeichnen können. — Herzensgüte und Toleranz, sind sie nicht der Inbegriff dessen, was einen Menschen der Gottheit nähert und ihn den berechtigsten Anspruch auf das begehrenswertheste Epitheton, auf das eines edlen Charakters erheben läßt? Sagt ja schon der unsterbliche Dichterfürst: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut".