Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1878)
- Date
- 1878-11-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1181 Bekanntschaft gemacht, zu den glücklichsten zähle, und es ihn außerordentlich freuen würde, wenn ein Israelit einen Sitz in der Deputirtenkammer erhalten würde. So oft der König nach Corfu kommt, besucht er die Synagoge daselbst, und bei jedem Empfang erhält der Oberrabbiner zur Rechten des Königs Sitz. (kok. and Jew. Tim.) Rumänien. B-ttochani Den „Arch. isr." wird von hier geschrieben, daß die Anstifterin der Ausschreitungen gegen die Israeliten zu Darabany, die berüchtigte Frau Cimarra, welche vor einiger Zeit zum Erstaunen der ganzen Welt von dem Schwurgericht freigesprochen worden war, nunmehr die Absicht habe, die dortigen Juden wegen Schadenersatz von 45000 Ducaten zu verklagen und daß nach der gegenwärtigen hier herrschenden Stimmung auch Aussicht vorhanden fei, diesen unerhörten Proceß zu gewinnen und in diesem Falle die Juden gezwungen wären, Hab' und Gut zu verkaufen. um diese Summe bezahlen zu können. Egypten. Memphis. Die dahier erscheinende Zeitung „Uvalanods" schreibt: In Memphis wohnten vor Ausbruch des gelben Fiebers znm Mindesten 4600 Israeliten. Am Neujahrs- und Versühnungsfeste sind ihre Synagogen gewöhnlich gedrängt voll. Dieses Jahr zählte man in der Hauptsynagoge achtzehnPersonen, von welchen neun das Fieber hatten, drei als Krankenwärter von Auswärts kamen und nur sechs die Zahl Derjenigen repräsentirten, welcher dieser schrecklichen Geisel entgangen sind. Daß die Stimmung in dieser kleinen Gemeinde eine gedrückte gewesen, läßt sich leicht denken. Feuilleton. Kabbi Ioselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. XX. Der Ruf Rabbi Joselmann's verbreitete sich schnell über ganz Deutschland, und als er nun fröhlich und wohlgemuth derHeimath zueilte, wurden ihm in allen jüdischen Gemeinden, die er auf seinem Wege berührte, die höchsten Ehrenbezeugungen bewiesen. In Worms zog ihm die ganze jüdische Gemeinde entgegen, Männer, Frauen und Kinder, die Rabbinen an der Spitze. Die Rabbinen überreichten ihm das Ehrendiplom der Morenu; der reichste Mann in Worms, Rabbi PinchaS Bacherach, dessen Vermögen auf mehr als hunderttausend Goldgulden geschätzt wurde, lud ihn ein, in seinem Hause zu logiren und sich dort einige Tage von den Strapatzen der Reise zu erholen. Rabbi Ioselmann nahm die Einladung mit Dank an, und da war das Haus des Rabbi Pinchas Tag und Nacht von Juden belagert, die aus der Nähe und der Ferne herbeiströmten, um den Mann zu sehen, der ein Freund und Beschützer seiner Stammesgenossen, wie seit Jahrhunderten kein Anderer, geworden war. Am meisten entzückt und begeistert war Rabbi Pinchas von seinem Gaste, er wich nicht von seiner Seite und beobachtete mit unendlicher Freude alle jenen kleinen Züge von Frömmigkeit, Bescheidenheit und Gottvertrauen, die an der Persönlichkeit eines wahrhaften Jehudi, ihm selbst fast unbewußt, so vielfach hervortreten und die auf den sorgfältigen Beobachter so begeisternd wirken. Rabbi Pinchas hatte eine einzige Tochter, Zärele (Zaire), von 10 Jahren, die Erbin feines großen Vermögens; und Rabbi Pinchas beschloß, mit Rabbi Ioselmann in Verwandtschaft zu treten. „Zur Bar-Mizwah-Feier Eures ältesten Sohnes Jakob," sagte er zum Abschiede, „komme ich nach Rosheim und hole ihn mir. Hier in Worms findet er doch mehr Gelegenheit zum „Lernen" als in Rosheim; ich will ihn halten wie mein eigenes Kind, wei'm mehaschem jozeo haddowor, und wenn es Gottes heiliger Wille ist, so soll er dereinst mein Schwiegersohn und mein Erbe werdend Daß Rabbi Ioselmann dieses Versprechen mit Entzücken entgegennahm, kann man sich leicht denken; denn wenn Jemand für sich auch noch so bescheiden und anspruchslos ist, so bleibt er doch nicht gleichgiltig gegen das Glück und den Wohlstand, die seinen Kindern in Aussicht gestellt werden. Die Ehrenbezeugungen wiederholten sich überall, wo Rabbi Ioselmann einkehrte und wo man ihn kannte: in Durlach, in Pforzheim, in Offenburg; aber der Gefeierte hielt sich nirgendwo lange auf. Sehnsucht nach Weib und Kindern, die er fast ein halbes Jahr lang nicht gesehen, hatten sein Herz erfaßt. Auch nahten die hohen Feiertage heran, an denen er zu Hause zu sein wünschte. Als Rabbi Ioselmann bei Kehl über den Rhein gezogen war und der Fuß seines Pferdes dev elsässischen Boden berührte, da schwoll sein Herz vor