Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1878)
- Date
- 1878-11-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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uahmegesetze gegen die Juden, trug aber fcttt Bedenken, die Juden-Emancipation an sich als einen sehr schweren politischen Fehler zu bezeichnen. Als fit. Cremer dazu überging, den seit Jahrhunderten ch gleichgebliebenen jüdischen Charakter nach dem Wortlaute jdes alten Testaments nachzuweisen, forderte der anwesende Vertreter der Polizeibehörde ihn auf, das Thema fallen zu lassen, da dasselbe eine Aufreizung der verschiedenen Gesellschaftsklassen enthalte. Berlin. Um die jüdischen Speisegesetze handelte es sich gestern in einem gegen die die „Jüdische Presse" resp. deren Redöcteur Seligmann Meyer gerichteten Proceß wegen Beleidigung des Rabbiners Dr. ©man. Schreiber. Als Letzterer von der Gemeinde in B o n n zum Prediger gewählt worden war, erschien in der „Jüdischen Presse" eine Korrespondenz vom Rhein, in welcher gegen dessen Wahl protestirt und demselben Uebertretung der Speisegesetze, wissenschaftliche Unfähigkeit rc. vorgeworfen wurde. Der Angeklagte stellte nun seinerseits unter Beweis, daß der vr. Schreiber auf der Reise nach Elbing in einer Bahnhofs- Restauration „Bouillon" genossen habe, die in keiner Weise als „koscher" gelten könne. daß er sich heimlich aus seiner Stellung in Westphalen entfernt, seine Probepredigt abgeschrieben, den Talmud falsch übersetzt habe re. rc. — Der Gerichtshof beschloß, den angebotenen Beweis zu erheben und die Sache bis dahin zu vertagen. (Berliner Tageblatt.) Bochum. Der Vorstand der israel. Gemeinde zu Bochum hat den alten israel. Friedhof, der seit 57 Jahren nicht mehr benützt wird, an einen christl. Kaufmann um den Preis von 4000 Thlr. verkauft, und dies obgleich, auf Anfrage, mehrere Rabbiner die Ungesetzlichkeit einer solchen Handlungsweise betonten. Man hat bereits mit der Ausgrabung der Leichen begonnen, um sie auf den neuen israel. Friedhof zu transportiren und zu bestatten. Commentar unnöthig! Hannover. Herr S. Kusel in Hannover. Prokurist des renommirten Bankhauses Adolph Meyer, feierte am 14. ds. sein 50jährigeS Dienst- Jubiläum. Von allen Seiten wurden ihm Huldigungen dargebracht; der Polizeipräsident überreichte ihm, im Namen des Kaisers, begleitet von einer herzlichen Anrede, den.Kronenorden. Die Handelskammer und der'Kaufmännische Verein richteten eine schmeichelhafte Adresse an denselben. Sowohl die höchsten Militärwie Civilbehörden überbrachten dem Jubilar persönlich ihre Glückwünsche. Nachmittags 4 Uhr veranstalteten die Nolabilitäten der Stadt und sonstigen Freunden, ihm zu Ehren, ein solennes Diner in einen der ersten Hotels, wobei ihm und einigen andern anwesenden strenggläubigen Israeliten extra Koscherspeisen verabreicht wurden. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Preßburg. Der elfte November ist der Tag, an welchem eine Deputation der Preßburger Judengemeinde die üblichen „Martinigänse" dem Könige überreicht. Diese Sitte soll sich bis zur Zeit der ungarischen Könige aus dem Hause Arpüd zurückdatiren. Andere'bringen diese Sitte mit dem Kaiser Karl VI. in Verbindung. Dieser soll den Martinstag in Preßburg gefeiert haben und die Hosleute geriethen in die grausamste Verlegenheit, da es unmöglich war, eine Gans aufzutreiben, als die Jndengemeinde dies hörend, sechs schöne fette Gänse für die kaiserliche Tafel beistellte, die so sehr den Beifall Sr. Römischen Majestät erfuhren, daß der Kaiser der Preßburger Judenschaft neben anderweitigen Gerechtsamen, auch das Privilegium gewährte, den üblichen Martinsbraten für die kaiserliche Tafel zu liefern. Unter der Kaiserin Maria Theresia kam der Gebrauch ab; sic fand es mit Frömmigkeit unvereinbar, Juden eine Audienz zu bewilligen, ja als sie hiezu durch das Gebot der Staats-Raison bemüssigt war, versteckte sie sich hinter einer spanischen Wand. Dieser Wand hatte die jüdische Deputation ihre Bitte vorzutragen; die Kaiserin selbst bekamen sie nicht zu Gesicht. Nach Anderen ist diese Sitte viel jüngeren Datums. Kaiser Franz II. flüchtete im unglücklichen Kriegsjahre 1805 vor dem gewaltigen Schlachten- Kaiser Napoleon nach Preßburg. Unerkannt wandelte er am Martini in den Gassen und Gäßchen des Preßburger Ghetto. Sein Weg führte ihn vor der Behausung eines jüdischen Gastwirthes vorbei; im Fenster sah er mehrere Gänse hängen; er trat in die Gaststube und ließ sich einen Gänsebraten serviren. Und dieser Gänsebraten muß dem Kaiser ausnehmend gemundet haben, denn Tags darauf bekam der jüdische Gemeinde-Vorsteher die gnädige und gemessene Weisung, von Jahr zn Jahr den üblichen „Martinsbraten" für die kaiserliche Tafel zu liefern. Schriftliche Aufzeichnungen über die Sitte selbst existiren heute nicht mehr. Im Kriegsjahre 1809, als die Oesterreicher den Preßburger Brückenkopf verteidigten, wurde die alte Königsstadt vom 26. bis 29. Juni von den Franzosen unter Davonst beschossen, bei welcher Gelegenheit das jüdische Gemeindehaus mit dem ganzen sehr werthvollen Archiv ein Raub der Flammen wurde. Zur Ueberreichung