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Der Israelit · 1878-11-20 · Heft 47 (20.11.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 47 (20.11.1878)
Date
1878-11-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1157 Feuilleton. Kaböi Joselmann von Aosycim. Eine historische Erzählung. XVIII. „Rabboßai" redete Rabbi Joselmann die versammelten Juden Frankfurts an, „Ihr wißt, daü Seine Kaiserliche Majestät mich, den Geringsten und Unbedeutendsten unter Euch, zum Befehlshaber und Regierer der gesammten Judenheit deutscher Nation ernannt hat. Gort ist mein Zeuge, daß ich nach einer solchen Stellung nicht gestrebt und sie nicht gewünscht habe. Da es aber einmal Gottes Wille so war, dem Kaiser, unserm allergnädigsten Herrn, den Gedanken einzugeben, .^ .ch zu solcher Stellung zu erheben, so halte ich es für meine Pflicht, dahin zu streben, oaß das allen unser» Brüdern in Deutschland von Nutzen sei. Ihr wißt, wie die Feinde unsres Volkes von Zeit zu Zeit Pläne ersinnen, uns zu vernichten, denn in jedem Zeitalter sind sie gegen uns aufgestanden. Wenn u ir nun auch unsre Hilfe und Rettung einzig und allein von Gott, unserm Behüter, Beschützer und Erretter erwarten dürfen, so müssen auch wir thätig sein, um für uns und unsre Frauen und Kinder zu sorgen. Bisher waren unsre Bemühungen stets vereinzelt und daher oft erfolglos; deßhalb müssen wir trachten, uns zu vereinigen, zu verbinden. Manchmal gilt es auch, große Summen zusammen zu bringen. die der einzelne Mann, die einzelne Gemeinde nicht zu erschwingen vermögen, die aber aufzubringen der Gesammtheit leicht Allen würde." Rabbi Joselmann machte eine Pause und schaute sich im Kreise seiner Zuhörer um. Aller Augen hingen an seinen Lippen; nur durch Kopfnicken gab man die Zustimmung zu erkennen. „Es handelt sich zuerst darum," fuhr Rabbi Joselmann zu reden fort, „einen Ort zu bestimmen, welcher allen übrigen vorangehen und als Versammlungsort ausersehen werden soll. In alten Zeiten waren Speyer, Worms und Mainz die hervorragendsten, tonangebenden Kehilloth in Deutschland. Die alten Gemeinden Speyer und Mainz sind leider verödet; unsere Brüder sind aus diesen Städten vertrieben; Worms ist freilich noch heute eine heilige Gemeinde, hervorragend durch Frömmigkeit, Thorakenntniß und Wohlhabenheit; allein größer und bedeutender ist die hiesige Kehilloh, dazu kömmt noch, daß schon der Messe wegen die Abgesandten unsrer Brüder aus ganz Deutschland sich eher entschließen werden, von Zeit zu Zeit nach Frarkkfurt zu reisen als nach andern Stadt." „„Ich fürchte,"" nahm Rabbi SÄc'it zum Schiffe das Wort, „„es wird das eine Kowaud *) sein, die Frankfurt viel Geld kosten wird."" »Mag dem so sein," rief Rabbi Simon Günzburg, „in Frankfurt hat man nie nach den Kosten gefragt, wenn es sich darum gehandelt, etwas Gutes und Wichtiges zu thun oder etwas Schlimmes fern zu halten." „„Recht so, Rabbi Schimeon, wohlgesprochen! " rief man dem Letzteren von allen Seiten zu. »Ich sehe, Ihr seid einverstanden," fuhr Rabbi Joselmann zu reden fort, „habet Dank dafür! Ich habe es gewußt, daß Frankfurt stets bereit ist, im Guten voranzugehen. Ich habe Euch nunmehr vorzuschlagen, daß wir die Eintheilung des deutschen Reichs in zehn Kreise oder Gauen auch für unfern Zweck annehmen. Ihr wißt, unser Kaiser hat auf dem Reichstage zu Worms im Jahre 255 **) den allgemeinen Landfrieden publicirt; zur Entscheidung der Streitigkeiten zwischen den Reichsständen sollen!nicht mehr die Waffen gebraucht werden, sondern das Reichskammergericht soll in Frieden nach den Gesetzen entscheiden; ich habe dem Kaiser vorgestellt, daß der allgemeine Landfriede nicht eher zur Wahrheit werden kann, bis auch der Willkür, der Bedrückung, der Verfolgung gegen die Juden von Seiten der einzelnen Landstände ein Damm entgegengestellt werden wird. Schon deßhalb finde ich es angemessen, daß wir die Bestimmung des allgemeinen Landfriedens, welche Deutschland in zehn Kreise theilt, auch für uns annehmen." „„Aber,"" wandte Rabbi Nathan zum rothen Schilde, der Dajon***), ein, „unsre Glaubensgenossen sind in den verschiedenen Gegenden Deutschlands sehr ungleich vertheilt; so wohnen im bayerischen Kreise fast gar keine, im oberrheinischen Kreise sehr viele unsrer Brüder!"" „Die zerstreute Lämmerheerde Israels," antwortete Rabbi Joselmann, „hat heutzutage keine festen Wohnsitze; noch vor wenigen Jahren war der bayerische Kreis sehr dicht von Juden bevölkert; vielleicht gibt Gott, in dessen Hand die Herzen der Könige sind, daß auch jene Länder unser» Brüdern bald wieder erschlossen werden. Mein Vorschlag geht nun dahin, daß wir Boten entsenden an alle unsre Brüder in den Neichen und unter der Oberhoheit unsres Kaisers. daß sich alle, die in einem und demselben Kreise wohnen, verei- *) Ehre. **) d. i. 5255; man läßt noch heute die Lausende bei Bezeichnung der Jahreszahl fort >1495). ***) wörtlich: Richter; Titel der Rabbinatsassessoren.

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