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Der Israelit · 1878-11-20 · Heft 47 (20.11.1878) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 47 (20.11.1878)
Date
1878-11-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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WWn und daß sie alle Jahre zweimal, zur Zeit der Frühjahrsn»d zur Zeit der Herbstmesse, Abgesandte hierher senden nach Frankfurt am Main, bestehend aus einem Rabbinen und einem Vorsteher für jeden Kreis, um alle unsre Augeiegenheiten gemeinsam zu berathen, Vollmachten zu geben zur Verhandlung mit dem Kaiser und den Fürsten, Steuern auszuschreiben und beizutreiben, alle Beschwerden gegen Fürsten, Bischöfe und Städte vorzubringn und unter göttlichem Beistände Abhilfe zu schaffen; ferner eine ständige Deputation einzuseHen aus Bewohnern von Frankfurt, die im Namen der gefammten deutschen Judenheit sofort handeln, wenn es nöthig sein sollte und Aufschub nicht erdulden kann" „„Erlaubt mir."" sagte Rabbi Simon Sofer, „„noch einen Punkt hinzuzufügen; den nämlich, einen ständigen Gehalt auszusetzen für unfern Befehlshaber und Regierer, damit ihm die Mittel nicht fehlen, die gesammte deutsche Judenheit am Hofe des Kaisers und der Fürsten würdig zu repräsentiren."" „Ich werde das nicht annehmen, Rabboßai." entgegnete Rabbi Joselmann; „wenn ich eine Reise zu machen habe, so wird der Kelall*) die Kosten tragen, aber auch nur die Kosten; ich werde für meine Mühen und Versäumnisse nicht einen Heller aunehmen." »„Hagodaul mevchow," wendete Rabbi Simon Sofer ein, „gadluhu mische! echow; wie man einst Len zum Hohenpriester Erwählten reich machte, wenn er nicht schon reich war, so solltet auch Ihr, Rabbi Joselmann, das nicht verschmähen, was Ihr, nicht Euretwegen, sondern unsretwegen gebrauchet."" „Lieber lege ich," sagte Rabbi Joselmann entschieden, „mein Mandat in die Hände des Kaisers zurück. Gott ist reich genug; will Er mir Vermögen bescheeren, so ist eS ihm ein Leichtes. Von Menschen nehme ich nichts an, solange ich dessen nicht bedarf." „„Ich habe eine andere Bitte an Euch,"" sagte Rabbi Wolf Spiro, der Vorsteher; „„ziehet nach Frankfurt! Eure stete Anwesenheit wird hier erforderlich sein. Das Jroniß**) ertheilen wir Euch freiwillig und unentgeltlich."" „Ich danke Euch sehr," antwortete Rabbi Joselmann. „und werde vielleicht später von Eurem Anerbieten Gebrauch machen; für jetzt kann ich *) bic Gemeinschaft. **) Jüdische Bürgerrecht. es nicht. Alle meine Geschäftsverbindungen wurzeln im Elsaß. Doch werde ich alljährlich deu beiden Aßiphauß*) anwohnen und werde überhaupt immer da sein, sobald Ihr mich rufen werdet. — Wählen wir nunmehr einen Ausschuß, der die Organisation betreibe, und zeichnen wir freiwillige Beiträge, um die vorläufigen Kosten zu bestreiten." „ „Erlaubt mir," " rief Rabbi Simon Günzburg. „„diese vorläufigen Kosten allein zu bestreiten; ich stelle dem Ausschuß sofort 1000 Silbergulden zur Verfügung. Sollten die Kosten sich auf mehr belaufen, so findet Ihr mich bereit, das Andere noch anzufügen."" Mit diesem großmüthigen Erbieten war natürlich Alles einverstanden Der Ausschuß wurde erwählt und die Organisation der fämmtlichen deutschen Jaden, nach den 10 Kreisen des Reichs, in's Werk gesetzt. Wir werden im Laufe dieser Erzählung noch Gelegenheit haben, ein Schreiben mitzutheilen, das die zu Frankfurt am Main versammelte« Rabbinen und Parnaßim im Namen der gefammten deutschen Judenheit an deren Regierer und Befehlshaber, Rabbi Joselmann von RoSheim, gerichtet haben. Die von Rabbi Joselmann eingeführte Organisation hat sich, theilweise wenigstens, solange erhalten, wie das römische Reich deutscher Nation (bis 1806). So war mein Urgroßvater, Rabbi Abraham Mei'r Berlin in Fürth (der Vater der berühmten Rabbinen Rabbi Noach Chajim Zebi zu Hamburg und Rabbi Löb Berlin zu Gaffel) Landparneß des Fränkischen Kreises. Als einst der Fürstbischof von Bamberg (vor circa 100 Jahren), auf Anlaß der Bamberger Kausieute, den Juden seines Landes den Hausirhandel verbot und dadurch Hunderte jüdischer Familienväter brodlos machte, begab sich Rabbi Abraham Meir Berlin in seiner Eigenschaft als Landparneß des Fränkischen Kreises nach Wien zu Kaiser Joseph II. und erwirkte einen kaiserlichen Befehl, welcher den Erlaß des Bischofs von Bamberg aufhob und den Hausirhandel wieder sreigab. Auf dem Friedhofe zu Altona, auf dem Grabe seines berühmten Sohnes, wird dieser mein Urgroßvater „Haunezibi" (vmi) $ubenamt, ma8 der technische Ausdruck für Landparneß oder Vorsteher gewesen ist. (Fortsetzung folgt.) *) Versammlungen. Hierzu drei Beilage«. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. I. GottSleben'T Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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