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Der Israelit · 1878-11-20 · Heft 47 (20.11.1878) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 47 (20.11.1878)
Date
1878-11-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1156 Weiter stammt von ihm die Erfindung der Umschlingung der Arterien ohne Anwendung von Fäden bei arteriellen Blutungen, die Operation der Blafenstein-Zertrümmerung, die operativen Heilungen der Strikturen und vieles Andere. Der berühmte Chirurg Nelaton äußerte sich einst über eine der Stilling'schen Operationsmethoden: „O'ost le plus grand pas qu’a jamais et6 fait dansl’ovariotomie.“ Tie französische Academie verlieh dem Erfinder der betreffenden Operationsmethode im Jahre 1870 den „Grand prix Barbies“, nachdem ihm früher mehrere Male für seine anatomischen Arbeiten der „prix Montyon“ zuerkannt worden war. Trotz mannigfacher Anerbietungen im Laufe seines Lebens konnte sich Stilling nicht entschließen, angesehene Staatsstellen und Professuren unter der -Bedingung anzunehmen, daß er zum Christenlhum übertreten solle. Seinem ernsten Charakter widerstrebte es, durch das Beispiel des Neligionswechsels einer veralteten cnlturfeindlichen Engherzigkeit Vorschub zu leisten. Trotzdem er demnach einer hervorragenden äußeren Stellung entbehrte, wußte er doch einzig und allein durch seine Leistungen der deutschen Gelehrtenwelt die Hochachtung abzuringen, die ihn nun allenthalben gezollt wird und welche er auch durch die ganz vortreffliche, einzig in ihrer Art dastehende Geschäftsführung der 51. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in neuem und erhöhtem Maße sich erworben hat. Vornehmlich durch sein thätiges und umsichtiges Eingreifen entwickelte sich während der Dauer der Versammlung ein jedem Theilnehmer unveßliches Bild wissenschaftlicher Thätigkeit und herzlichen Entgegenkommens, ein nachahmenswerthes Beispiel für alle künftigen gleichartigen Versammlungen." Italien; Rom Der Präsident der jüdischen Hochschule, Oberrabbiner Samuel Toscana, ist gestorben. Frankreich. Paris. Die „Jndöp. belge" bringt in einem Feuilleton-Artikel eine Schilderung über die Feier des Versöhnungstages in der portugiesischen Synagoge zu Paris, der wir folgende Stelle entnehmen: Die Weltausstellung bot letzten Samstag — muß Sonntag heißen — in ihren meisten orientalischen Partien einen ungewöhnlichen Anblick. Gegen Sonnenuntergang wurden die Läden eiligst geschloffen. Das jüdische Fest des Kippur begann. Die Verkäufer von Rosen aus Jericho, von Papiermessern, von Oelbaumholz aus dem Passionsgarten, von heiligen Dornen, sind israel. Religion. Ich habe sie im portugiesischen Tempel der Rue de Buffault wiedergefunven, in welchen ich am letzten Montag zur Stunde der letzten Gebete eingetreren. Ich habe selten ein so malerisches Schauspiel erblickt. Die Bedeutung der Ceremonien entgeht uns Katholiken, aber das Aeußere genügt schon, uns zu interessiren; es ist ergreifend. In diesem Tempel, wo die siebenarmigen Lampen und die Kerzen brannten, die an diesem Tage von den isr. Frommen angezündet waren, wie von unsren Frommen in den Kirchen alle Tage, hatten sich die Juden Jerusalems, Algeriens und Marokkos , die in diesem Jahre nach Paris gekommen, versammelt mit ihren prächtigen Trachten, ihren rothen Fez oder den mit dem weißen Taleth bedeckten Turban und mit ihren scharfen Profilen urd spitzen Bärten, ihre hebräischen Bücher vor den Augen und ihre gutturalen Gesänge wie arabische Melodien ausftößend, sie bildeten ein wahrhaft unvergeßliches Bild. Im Grunde des Tempels , im offenen Tabernakel waren die Gesetzesrollen sichtbar, vor welche man von Zeit zu Zeit einen purpurnen Vorhang zog, den man bald wieder zurückzog. Vor ihm fungirte der weißgekleidete Rabbiner (Chasan), seinen einförmigen und bizarren Gesang zum Gewölbe hinaufschleudernd, der schließlich doch tief ergriff wie ein Refrain aus dem Orient. In der' That, die Scene ist großartig, wenn auch weniger feierlich als unsere katholischen Ceremonien, in denen die Kirche so geschickt die Macht des Pompes und des Schauspiels, wie der Musik, die zu den aothischen Wölbungen mit dem Weihrauch aufzusteigen scheint, verstanden hat. Aber in diesen jüdischen Ceremonien liegt etwas Patriarchalisches, und die Familie scheint darin eine größere Rolle zu spielen als das Jndividum. Gegen das Ende dieses langen Fast- und Betttages vereinigte der Familienvater alle Seinigen unter dem über ihre Häupter ausgebreiteten weißen Taleth und segnete sie. Es schien mir in diesem allgemeinen Stillschweigen, als ob ich ein ganzes Volk von Hirten sähe, welche zur selbigen Stunde unter ihren im Sande aufgepstanzten Zelten zum Ewigen beteten. Dann bläst der Rabbiner, zvm Tabarnakel vorschreitend, in ein Widderhorn, zur Erinnerung an den von Abraham geopferten Widder, und dieses primitive Instrument gibt eiüen schneidenden, unvergeßlichen Ton. Es ist das Zeichen der Freiheit. Das Fasten ist zu Ende.

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