Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1878)
- Date
- 1878-11-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447791--15525-2471477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1155 Gewandtheit, bei welcher die immense GelehrsamteU ihm aus der Feder fließt. Verloren aber haben wir das lebendige Beispiel eines treuen, pflichtenüllten, nach Gott hinstrebenden Lebens. Hierbei nahm der Redner Gelegenheit, eine geistreiche Erklärung eines npn deS Verstorbenen zu citiren. Er schilderte alsdann das thatenreiche Leben des Geschiedenen, wie er gewirkt und geschaffen und für jede« Bittenden hilfebereit war, wie sein edles, liebevolles Herz ihn beseelt zu edlen Thaten. Jerusalem spricht fetzt n1? *1^’ ’o, und so spricht auch das von ihm begründete Lehrerseminar zu Würzburg. Doch sprach der Redner die Hoffnung ans, daß alle, die Gelegenheit hatten, den Verstorbenen bei sich zu sehen, wenn er eine der größten niSD zu üben, ihnen Veranlassung gab, sich gewiß alljährlich des lieben, freundlichen Gastes erinnern und seinem Andenken zu Ehren die rosa fortsetzen, die sie begonnen, und weiterhin dem Seminar den Beitrag zuwenden, den sie bisher demselben beisteuerten. Wir bedauern es, hier nicht Alles wiedergeben zu können, was die Rede an reichhaltiger Exegese und Midrascherklärung enthielt, doch geben wir unS der Hoffnung hin , daß dieselbe, da sie, wie wir beobachten konnten, stenographirt wurde, durch den Druck einem weiteren Leserkreise zugänglich gemacht werden wird. X. Schnaitt ach. Vergangenen Sonntag ]urn v hielt unser geehrter Herr Districtsrabb. vr. Salzer einen sisvn) Trauergottesdienst für den verewigten Districtsrabb. S. B. Bamberger Herr Dr. Salzer, ein Schüler dieses großen Mannes, hielt eine ergreifende Rede, worin er unter Anderm den Seligen als einen Fürsten in Israel bezeichnete und die großen Verdienste hervorhob, die sich dieser edle Mann um die Thora und das Judenthum erworben. Der Redner führte dies aus unter Zugrundelegung des Verses 6 o. 2 in Maleachi und in Verbinduug mit den Worten des Talmuv auf »DJn nai pro wy ivh in der laufenden Sidrah; t>3 mso 331b nan n« jvuan “pai 'di min nan p nx .wery 1^40 ainan vby nbyv Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Cchssel, 6. Oet. Die Hallberg'sche illustrirte Zeitschrift „Ueber Land und Meer" bringt in ihrer neuesten Nummer einen Artikel über die im September hier stattgefundene Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte nebst einem wohlgetroffenen Bildniß und einer biographischen Skizze des derzeitigen 1. Geschäftsführers, Geheimen Sauitätsraths vr. B. Stilling. Wir entnehmen dem Ar-" tikel die folgende Stelle, welche unsere Leser interesstren dürfte: „vr. Benedikt Stilling wurde am 22. Februar 1810 in Kirchhain bei Marburg, einem kleinen Landstädtcheu des damaligen Kurfürstenthums Hessen, geboren, besuchte vom Jahre 1824—28 das Gymnasium zu Marburg und studirte daselbst als einer der hervorragendsten Schüler, welche überhaupt auf jener Universität ihren Bildungsgang eröffneten, in den Jahren 1828—1832 Medicin und Chirurgie. Seine Richtung war schon auf der Universität eine streng wissenschaftliche und würde er die UniversttätSlaufbahn beibehalten haben, wenn nicht die Engherzigkeit der damaligen Anschauungen und Verhältnisse ihm einen solchen Lebensweg unmöglich gemacht hätten, da er Jude war. Er ließ sich später als praktischer Arzt und Chkurg zu Cassel nieder, wurde daselbst alsbald zum Landgertchtswundarzt ernannt und erwarb sich in dieser Thätigkeit bald einen Ruf, welcher die Grenzen seines engeren Vaterlandes, Deutschlands und Europa's überflügelte, denn neben seiner ausgiebigen Berufsthätigkeit als Arzt arbeitete er in seinen Mußestunden an den höchsten Problemen der anatomischen Wissenschaft, nämlich der Erkenntniß des menschlichen Gehirns und des Rückenmarks. Fast Alles, was wir heutzutage über bicfe wichtigen Organe Positives wissen, stammt von Lrtilling her und wurden auch seine bezüglichen Leistungen von den verschiedensten Akademien Europa'S durch Ernennung zum Ehrenmitgliede und Verleihung der höchsten wissenschaftlichen Preise bestätigt, während die deutsche Cachedergelahrtheit und daS verbissene Professorenthum der Universitäten dem jungen Gelehrten die Anerkennung versagten, ja sogar geflissentlich seine bedeutenden Leistungen todtschwiegen. Seine immer neue und immer erfolgreichere Thätigkeit aber, die rasch aufeinander folgenden epochemachenden Entdeckungen, welche er auf genanntem Gebiete in den Jahren 1834 bis in die neueste Zeit machte, zwangen seinen Neidern die schließliche Anerkennung ab, welche in der Wahl zum ersten Präsidenten der hochansehnlichen Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte gipfelte. Aber nicht nur in der theoretischen Medicin, auch in der praktischen Heilkunde leistete Stilling Unschätzbares. So stammen, von ihm die ersten Verbesserungen zu der wichtigen Operation der Eierftocksgefchwülste her. Durch die Veröffentlichung seiner Methode, welche später englische Gelehrte nachersanden, wurde Tausenden von Frauen daS Leben gerettet.