Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1878)
- Date
- 1878-11-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447790--15510-2471461- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1141 ren zu einem höheren militärischen Grad beförderte. Letzteren stellte es der Sultan frei, sich diesen Grad beliebig zu wählen. Feuilleton. Simon Beding. Erzählung aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts von 8. Hohn. (Verfasser von „Gabrie I".) (Fortsetzung.) Tarnower wurde unterbrochen, ein tiefer Seufzer entquoll Markus Erdmanns Brust, der Kranke wandte mühevoll den Kopf nach der Richtung, in der die beiden jungen Männer standen, als wolle er sie ansprechen, — aber er begann es in dem Momente doch zu fühlen, daß er mit seinem Athem und mit der kurzen Spanne Zeit, die ihm noch blieb, Haushalten müsse, uc>.d er fuhr fort: „Die Nachricht halte erschütternd auf mich eingervirkt, und ich erinnere mich noch setzt in meiner letzten Lebensstunde, daß mich damals ein Gefühl des Neides beschlich! — ich dachte mir wie schön es sei, so ehrenvoll wie der plötzlich Dahingeschiedene, als biederer Mensch, als geachteter Kaufmann von der Lebensbühne abtreten zu können — aber Oppert, — der böse Geist meines Daseins ließ mir nicht lange Zeit, meinen Gedanken nachzuhängen, denn er fügte rasch hinzu: „Jetzt. Herr Tarnower, sind Sie gerettet! — öffnen Sie das Packet, legen Sie die 12000 Gulden in Ihren Geldschrank, und — zahlen Sie morgen Ihre Wechsel! Ja . . . aber das Geld gehört ja nicht mir, hatte ich bebend gestammelt. Jetzt gehört es Ihnen! kein Mensch auf Erden weiß wo der todte Mann, Neb Zodok Erdmann, sein baares Geld hingegeben, kein Mensch weiß, daß er bei uns gewesen, kein Mensch kann ahnen, daß feine zwölstausend Gulden in Ihrer Cassa liegen: und alä ich wie zur Steinsäule erstarrt, entsetzt zu ihm aufblickre, erfaßte er meine Schulter, schüttelte mich wie einen Schulbuben, und rief in der Erregung, alle Vorsicht vergessend, fast laut: Mann! wachen Sie auf .... ich sage es Ihnen, Sie sind gerettet! Sie können morgen Ihre Wechsel zahlen. Sie sind kein Bankrotteur mehr .... haben Sie den morgigen heißen Tag überstanden; — dann sind wir vorläufig, und wie ich hoffe, auch für immer geborgen — und bevor ich noch ein Wort sprechen konnte, hatte Oppert mit unglaublicher Raschheit das Packet geöffnet. „Wa .... was wollen Sie thun?" hatte ich laut aufgeschrieen. „Ruhig, schweigen Sie!" hatte er mir entgegen gedonnert, „allzulautes Sprechen könnte denn doch auch durch die Doppelthüre im anstoßenden Comptoire gehört werden .... ich sehe, Sie sind ganz fassungslos, nun denn, so muß ich zu Ihrem Besten handeln — nehmen Sie doch das Geld und sperren Sie es ein! „Da .... das wäre ja ein Raub an Tobten, hatte ich vor Aufregung ganz heiser geschrien und wieder hatte mir Oppert ärgerlich gesagt: „Ihr Mangel an Begriffsvermögen und Ihr Mißverstehen übersteigt aber wirklich alle Grenzen! Verlange ich denn. Sie sollen den Erdmannschen Kindern das väterliche Erbtheil rauben? Schweigen Sie nur einige Wochen, bis Sie in der Lage sein werden, zahlen zu können; — dann wird das Vergnügen der Erben ein um so groß res fein!/' — „ Aber womit werde ich mein langes Schweigen entschuldigen können?!" hatte ich eingeworfen; „ich habe Ihnen schon manchen guten Rath eriheilt", war Opperts rasche Antwort gewesen, „verlassen Sie sich auf mich, ich werde mittlerweile eine sehr glaubwürdige Ursache gefunden haben, die Jedermann anerkennen müssen wird! — nochmals versuchte ich Einwendungen zu erheben, aber Oppert, der Alles ausbot, um meine Firma zu halten, wohl nur, um sich den glänzenden Posten zu sichern, entwickelte eine bewundernswürdige Beredtsamkeit, die ich bisher noch nicht an ihm gekannt hatte; er wandte sich im raschen Wechsel, bald an meinen Verstand, bald an mein Gemüth. Er stellte mir vor, daß wenn es mir gelingen würde. meinen Credit, den Glanz meines Namens zu erhalten, ich in nicht allzuferner Zeit wohl in die Lage kommen müßte, das Darlehen — so hatte es Oppert bezeichnet — rückstellen zu können, — während mir — und das müßte ich einräumen — sonst nicht die Möglichkeit offen blieb, bis morgen einen so großen Betrag zur Einlösung meiner Wechsel zu beschaffen: — er stellte mir vor, daß wenn am nächsten Tage meine Wechsel protestirt würden, alle Gläubiger, auch jene, deren Wechsel erst später fällig würden, auf mich losstürmen, man mich pfänden, meine Waarenvorräthe zu Sportpreisen verschleudern — ich ein zu Grund gerichteter verachteter Bankrotteur würde, der sich dann nie erholen könnte. — Oppert hatte das kräftigste sicherste Mittel gewählt, mich seinem Willen gefügig zu machen; — er kannte meine Ehrliebe, meinen Stolz und gegen diese richtete er nun seine heftigen Angriffe ....