Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1878)
- Date
- 1878-11-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1142 ich will meine Schmach offen gestehen, er gelangte bald zu seinem Ziele, — der entsetzliche Gedanke — Mich morgen als Bankrotteur erklären zu müssen, machte mich befangen, lähmte mein Urtheil; ich begann, — in vielleicht absichtsloser Selbsttäuschung — zu glauben, daß eS mir recht bald möglich werden würde, den Erdmann'schen Erben die zwölftausend Gulden zurückzuerftatten — und wenn — ich fing schon an mit meinem Gewissen zu paktiren — ich den Erdmann'schen Geschwistern ganz einfach erklärte, ihr Vater habe mir das Geld geborgt, und setzt, da die Zahlungszeit da sei, zahle ich es zurück — so war ich ja eia grundehrlicher Mann — und wenn Erdmann lebend zurückgekehrt wäre, und ich ihn um ein Darlehen angesprochen, so hätie er mir dieses — so wollte ich glauben — ja recht gerne gewährt — er kannte ja meine La^e nicht — ja — wenn ich mir die Sache ln felbsttäuschendem, trügerischem Lichte besah — schien Oppert gar nicht so Unrecht zu haben, — es war eigentlich gar nichts so Schlimmes dabei ... . und eine kleine nebensächliche Unregelmäßigkeit, glaubte ich mir schließlich in Anbetracht merner bedrängten Lage gestatten zu dürfen . . . . nach Verlauf einer halben Stunde, war ich in meinem Selbstbetrugs so weit gelangt, in derselben Verkettung der Umstände eine Fügung Gottes zu meinen Gunsten zu erkennen — der von Oppert geweckte böse Gedanke, reifte nach und nach zum voll n Entschlüsse — und ich willigte ein, das fremde Geld vorläufig für meine Zwecke zu verwenden. Ein Rest von Scham hielt mich noch immer ab, die Umhüllung des Packetes zu beseitigen — und als mich am späten Nachmittage — die Aufregung hatte mir die Eßlust geraubt, und ich war Mittags nicht zum Tische uach Hause gekommen — meine besorgte Schwester, die vergeblich mit dem Mittagmahle auf mich gewartet hatte, zu mir ins Eomptoir kam, war ich nichtswürdig genug, ihr das Packet, das aufgerissen vor mir lag, zu zeigen und zu sagen. Gott hätte mir geholfen, ich hätte in der sächsischen Lotterie einen Treffer von achttausend Tdaler oder zwölftausend Gulden*) gemacht — und dieses Packet enthielte die Summe, welche genügte, morgen meinen Verbindlichkeiten Nachkommen zu können, — ich beschwor meine Schwester dikjen Lotteriegewinn vor Jedermann geheim zu halten, die gute vertrauensvolle Schwester, die mir jedes Wort glaubte, versprach es mir und hat ehrlich ihr Wort gehalten, bis vor wenigen Tagen, wo sie — noschim dabronios hen ,57) das vermeintliche Geheimniß vor meiner Frau und Tochter *) Ein öst. Silbergulden — 2 Reichsmark. 157) Frauen sind plauderhast. enthüllte. — Ich war schon verwegen und frech genug geworden, die Versuchung. die Gott mir zugeschickt, und der ich nicht widerstanden hatte — als eine Hilfe des gerechten Gottes zu bezeichnen! .aber das Eine kann ich, jetzt an der Schwelle des Todes mit voller Beruhigung beschwören — ich hatte damals die ernste Absicht, das anoertraute Vermögen, sobald als es mir möglich würde, wieder zu erstatten — und ich hätte auch meinen Vorsatz ausgeführt, wenn nicht dieser nichtswürdige rachesüchtige Schurke. dieser Oppert. meine Absichten in höllischer Weise völlig unerwartet durchkreuzt hätte .... Ich habe es schon erwähnt, Oppert war auch, nachdem er von Wilhelmine Erdmann abgewiesen worden war, in freundschaftlichen Beziehungen zu ihrem Vater und Bruder geblieben, und ein unglücklicher Zufall führte ihn auch in dem Momente zu der Erdmann'-- Familie, als Markus von der Reise heimkehrend. die Kosten des Begräbnisses seines Vaters zahlen wollte, und den Geldschrank, zu dem ihm Simon Reding den Schlüssel gab, leer fand. Reding erklärte , den Schlüssel seir Reb Zodek Erdmanns Tode nicht benützt, den Schrank nicht geöffnet zu haben, aber er gestand, daß dieser, kurz bevor er das Lktztemal seine Wohnung lebend verlassen, das Geldpackei dem zufällig anwesenden Oppert gezeigt, und wieder in den Schrank gelegt habe, und auch eine alte Frau Kele Liblitz, eine Verwandte von Reb Zodok Erdmanns verstorbenen Frau, mußte dasselbe bezeugen. Es lag nun in Opperts Absicht, einerseits den Verdacht einer Veruntreuung meinerseits. in seinem eigenen Interesse gründlich zu beseitigen, anderseits sich an seinem Nebenbuhler, — als solchen betrachtete er den von Wilhelmine Erdmann begünstigten Bewerber — zu rachen, ihn für immer zur Seite zu schaffen, — endlich auch dadurch mich selbst für immer in seine Gewalt zu bekommen. Ich war nie in der Lage gewesen, beurtheilen zu können, ob sein Plan, ein vorbereiteter war, oder ob er erst plötzlich in dem entscheidenden Momente entstanden war; — ich weiß nur so viel, daß er; — es war das am vorletzten Tage Chanuko, — thriumphirend in mein Cabinet trat, und mir verkündete, welchen großen Liebesdienst er mir erwiesen - jetzt erst hatte er jede Möglichkeit einer Entdeckung meiner Veruntreuung — jetzt gebrauchte er zum Erstenmale dieses entsetzliche Wort, das wie Donnerschlag in meine entsetzte Seele dröhnte — für immer und in gründlichster Weise beseitigt, — er habe mit eben so vielem Geschicke als Glücke den Verdacht eines Diebstahls auf Simon Reding gewälzt, und dieser sei so eben verhaftet worden. Ich warMon dieser unerwarteten und ungeheuer*