Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1878)
- Date
- 1878-11-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447790--15506-2471457- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
-'•■ ,•• •--*• ./ i-< •* ' -;; " - 1137 isr. Glauben angehörenden Mannes. Herr Dr. Schiller - Szineffy wird nämlich über talmudische und rabbinische Literatur Vorlesungen halten. Serbien. Belgrad Die serbische Regierung hat den Beschluß gefaßt, der Kammer lein Gesetz betreffs Gleichstellung der Juden vorzulegen Der Minist r- Präsident Risticz war beim Zusammentritt der Kammer entschlossen gewesen, ein dahinzielendes Gesetz vorzulegen. Als aber in Serbien bekannt wurde, daß Rumänien diese Frage einer Volksversammlung unterbreiten wird, machte sich daselbst eine Agitation bemerklich, welche dahin gerichtet war, auch in Serbien die Judenfrage in diesem Sinne zu erledigen, und so hat der Minister die Erledigung dieser Frage bis zum Frühjahr verschoben. (W. Jsr.) Rußland. Petersburg. Der jüdische Soldat Juda Genzos aus Taganrog hat sich während des russisch-türkischen Krieges derart ausgezeichnet, daß er den ersten Ofstciersrang und den Georgs-Or. den erhielt. Bei der Rückkehr in feine Heimath wurde ihm seitens seiner Glaubensgenossen ein glänzender Empfang bereitet. (W. Jsr.) In Warschau starb kürzlich der Rabbiner Jakob Gesundheit im Alter von 63 Jahren. An seinem Leichenbegängnisse haben circa 15000 Personen sich betheiligt, die Geschäfte der Israeliten waren an demselben Tage geschlossen. Feuilleton. Kaöbi Ioselmann von Aosheim. Eine historische Erzählung. XVII. Die Niederlage Pfefferkorns hatte diesen sowohl als auch seine Hintermänner, die Dominikaner von Cöln, in die fürchterlichste Wuth verfttzt. Zunächst richtete ihr Zo n sich gegen Reuch- Un. dem allerdings die Rettung des Talmuds zumeist zu verdanken war. S,e verfaßten gegen de» gelehrtesten Mann in Deutschland eine Schmähschrift die den Titel „Handspiegel" führte; in derselben wurde Reuchlin auf das Schmählichste beschimpft und verketzert. Reuchlin antwortete in einem Büchlein, das er „Augenspiegel" nannte, in welchem er seinen Gegnern 34 Lügen nachwieS. Die Cölner formuljiten nunmehr 43 Anklagepunkte gegen Reuchlin . in we chen sie alles zusammen faßten, was in Reuchlin's Schriften „ärgerlich, übellautenü und frommen Ovren anstößig" sei. Die Verthei igung Reuchlins „gegen die Cölrnschen Verleumder" erregte das ungeheuerste Aufsehen; er nannte seine Angreifer „unglaubhafte, leichtfertige, ehrlose Böjewichter" und nannte das Haupt der Cölner Dominicaner, Arnold von Tongern „einen Verleumder und Fälscher für ewige Zeiten." (Arnoldus Tungarus calumniator, falsai ius per secula seculorum) Die Cölner stellten hierauf einen förmlichen I, quisitions-Proceß gegen Reuchlin an; allein der Kuifürst von Mainz schützte ihn. ES nützte den Prediger-Mönchen nichts, daß sie die Schriften Reuchlins durch den Henker verbrennen ließen, daß Pfefferkorn eine neue Schmähschrift gegen „den alten Sünder, Johann Reucrlin, Zuneiger der falschen Juden" herausgab; alle Welt nahm für Reuchlin Partei: der Kurfürst von Mainz, der Kaiser, der Pabst. Pabft Leo X. ließ Den Proceß Niederschlagen. Aber damit war die Sache nicht beendet; das Rad war einmal ins Rollen gerathen. Eine neue Denkweise brach sich Bahn, welche dem finstern, lichtlofen Mönchswesen den Todesstoß versetzte. Die Freunde, Anhänger und Schüler Reuchlins verfaßten vereint eine Satyre, durch welche die Mönche, ihre Lehre und ihr Leben lächerlich gemacht wurde; das sind die Epistolae obscurorum virorum, die Briefe der Dunkelmänner. Da die Mönche ein sehr schlechtes Latein, das sogeannnte Mönchslatein schrieben, so hatten sie einen Gelehrten, Ortuin Gratius, engagirt, der die Polemik gegen Reuchlin für sie führen sollte. An diesen waren nun die fingirten Briefe der Dunkelmänner gerichtet, in welchen die Mönche ihre Unwissenheit, ihren Hochmuth, ihre laxe Moral in einem schauderhaften Latein zu erkennen geben. Die Briefe erregten ungeheures Aufsehen, und die Freunde Reuchlins hatten das ganze gebildete Europa auf ihrer Seite. So wurde dieser um den Talmud begonnene Streit ein allgemeiner. Die Dominicaner, und mit ihnen das gesammte Mönchswesen der damaligen Zeit, fielen in die Grube, die sie den heiligen Bücher« der Juden