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Der Israelit · 1878-11-06 · Heft 45 (6.11.1878) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 45 (6.11.1878)
Date
1878-11-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1119 mich sehr hoch hinaufschraullbn wollen, und ich werde mir. was nur irgend wie möglich ist, gefallen lassen müssen, denn ich fürchte! .... „Daß man Ihnen Ihre Handlungsbücher zur Prüfung abfordert?" hatte ihn Oppert unterbrochen , und Erdmann hatte darauf geantwortet: Nein, das fürchte ich weniger, denn ich habe in meinen Geschäftsbüchern einigen ausländischen Geschäftsfreunden zehntausend Gulden gut geschrieben, die ich ihnen nicht schuldig bin . . . und wieder war — ich erinnere mich jedes Wortes genau, — Oppert ihm ins Wort gefallen, und hat ihm gesagt: Aber das ist doch immerhin gefährlich, wenn die auswärtigen Häuser in irgend einer Weise diesen Umstand erführen, so könnte Ihnen diese Manipulation theuer zu stehen kommen, und wieder hatte Erdmann geantwortet, ich habe die Betreffenden ja selbst davon in Kenntniß gesetzt, es sind das ehrliche hochachtbare Männer, und sie haben mir aus eigenem Antriebe, um mich vollkommen zu beruhigen, Bestätigungen über diese Beträge eingesandt; sie sind von Reding geschrieben, tragen kein Datum, unr Reding kann sie, wenn es nothwendig wird, jeder Zeit ausfüllen! — und wieder hatte Oppert, — ich ahnte damals nicht weshalb — leichthin gefragt —, da müssen die Empfangscheine wohl an einem sehr sicheren Orte aufbewahrt werden? und Erdmann hatte erwidert, ich trage diese stets in der Tasche bei mir; nur jetzt, wo ich im Begriffe bin zur Steuer-Direktion zu gehen, habe ich diese Documente meinem künftigen Schwiegersöhne, meinem Buchhalter Reding zur Aufbewahrung übergeben, — das Alles machte mir keine Sorge; ich befürchte nur Eines, die Steuer-Direction besitzt ein furchtbares Recht, von dem sie zum Glück, allerdings nur selten Gebrauch macht — sie kann mir den Eid abfordern, daß ich in der That nicht mehr als zweitausend Gulden im Vermögen Hab-, tn dem Falle gäbe es kein Mittel für mich, da müßte ich ja die volle Wahrheit sagen, — und dann würde mein Vermögen confisctrt, ich würde hart gestraft, und meine Kmder wären Bettler! — und wieder hatte ihn Oppert unterbrochen. Auch dafür müßte es wohl Mittel geben; — schenken Sie Ihr Vermögen dem Herrn Tarnower, und Sie können dann ruhig den geforderten Eid ablegen — und wieder hatte der redliche Erdmann erwiedert: Nein, das könnte ich wahrhaftig nicht, denn wenn ich Herrn Tarnower mein Geld mit dem Hintergedanken schenke, daß er es mir wieder zurückgeben wird, so wäre der Eid, den ich dann schwören würde — ein Meineid! — Nein! Nein! da sei Gott vor, daß ich so frevelhaft wäre zu glauben, den allwissenden Gott in solcher Werse täuschen zu können — ich habe es ja schon gesagt, ich werde mich zu einem hohen Opfer entschließen, werde eine hohe Summe pauschaliren müssen; — aber es ist möglich, daß in meiner Abwesenheit, gerade, wo man mich bei der Steuerbehörde weiß, eine Hausuntersuchung bei mir vorgenommen wird, und da möchte es immerhin bedenklich erscheinen, bei einem Manne mit einem angeblichen Gesammtvermögen von zweitause d, zwölftausend Gulden baares Geld zu finden und ich bitte Sie daher, Herr Tarnower, mir dieses P-cket aufbewahven zu wollen, bis ich in jirze haschem bescholom^) wieder von der Vorladung zurückkomme, und mich durch ein Pauschale auf eine Reihe von Jahren gegen eilte Hausuntersuchung geschützt haben werde! Bei diesen Worten hatte er ein Packet in blaues Papier gehüllt, aus der Brusttasche gezogen und vor mich hingelegt. ES sind zölftausend Gulden.wie gesagt, ich werde mir das Packet so Gott will in ein, zwei Stunden wieder holen, — aus dem Grunde erbitte ich mir auch keinen Empfangschein — aber wir sind Menschen, Herr Tarnower — ich wünsche Herr Tarnower, Sie mögen noch recht lange und glücklich leben — allein Der Mensch ist, wie das Gras des Waldes, — drum will ich Sie nur bitten, mit Ihrer eigenen Handschrift auf den Umschlag zu notiren, daß diese zwölftausend Gulden als Depositium von mir bei Ihnen erliegen und wir Beide drücken unser Siegel darauf." Oppert hatte das Geld rasch überzählt, Licht angezündet, Siegellack und Petschaft herbeigeholt, das mit Bindfaden gebundene Packet mit meinem und Erdmanns Siegel geschlossen, dann hatte ich mit zitternder Hand auf den Umschlag geschrieben: Zwölftausend Gulden Mufked ezli mees156) Reb Zodok Erdmann und das Datum beigesetzt. Dieses Papier mit meiner Schrift besteht noch heute unversehrt .als ich an dem todten Erdmann und seinen Erben zum Verbrecher ward, und den Siegel des Geldpacketes löste, glaubte ich, daß mein Verführer und Helfer bei meinem finstern Werke, daß Oppert — wie er auch mich versicherte, dieses verbrannt hatte, — aber der nichtswürdige Schurke hatte es jahrelang aufbewahrt, um stets eine Waffe gegen mich zu besitzen. — und vor wenigen Tagen hat er mir mit dieser gedroht!" Wieder entstand eine der häufig wiederkehrenden Pausen in Tarnowers Erzählung. Markus Erdmann flössen die Thränen über die Wangen und er trat an Reding heran, wollte seine Hand erfassen; aber dieser bemerkte es nicht, er ichien seine ganze Seele in sein Ohr gelegt zu haben. 155) So Gott will in Frieden. 136) Zur Aufbewahrung bei mir von.

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