Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1878)
- Date
- 1878-11-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447789--15488-2471438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1120 vnd lauschte vorgebeugten Hauptes, mit hochgerötheten Wangen, schwer atömender Brust der Fürlsetzung. Der Kranke fuhr fort: „Eine in dem Momente mir selbst unerklärliche Angst überfiel mich — ich wußte es ja, ich mußte mich in der kürzesten Frist bankerott erklären — aber ich konnte mich um keinen Preis entschließen, daß was bald stadtkundig werden mußte, Erdmann mitzutheilen, und doch wollte ich ihn bestimmen sein Depositum zurückzunehmen, und ich sagte: Wie Sie vor Kurzem auseinandersetzten, liegt ja gar kein Grund vor, daß Sie das Geld von Hause weggeben. Sie haben ja Ihren Vermögensstand in Ihren Büchern durch fictive Conti bilancirt! Erdmanns Aufregung hatte sich, je mehr die Zeit, wo er bei der Steuerbehörde zu erscheinen hatte, näherte, immer gesteigert und er erwiderte gereizt: „Aber Sie werden es als vernünftiger Mann einsehen müssen, daß es immerhin auffallen könnte, bei einem Manne, der nur zweitausend Gulden zu besitzen vorgibt, den sechsfachen Betrag in baarem Gelde vorzufindeu, diese kleine, mühelose Gefälligkeit, mir das Packet, ein, zwei Stunden aufzubewahren, können Sie mir wohl erweisen, übrigens, es schlägt eben elf Uhr, und ich muß in die Steuerdirection, die Herren lieben es nicht, wenn man sie warten läßt. — Erdmann hatte sich den hellen Angstschweiß von der Stirne gewischt und sich gewaltsam zu einer künstlichen Heiterkeit zwingend, als könne er sich dadurch Muth verleihen , hatte er mit einem müheselig hervorgebrachtem Lächeln hinzugefügt: Herr Tarnower, wenn Sie und Ihr Herr Buchhalter sich einverstehen, können Sie mir die zwölftausend Gulden prächtig abläugnen — es weiß kein Mensch, daß das Geld bei Ihnen liegt, ich habe mich erst im letzten Momente hierzu entschlossen, und dies nicht einmal Reding mitgetheilt — und nun wollte Erdmann rasch fort, — er wollte, wie das in der Menschennatur liegt, das unangenehme Geschäft, das ihm bevorstand, möglichst schnell beenden, und er verließ fast ohne sich zu verabschieden, das Zimmer, doch befaß er noch Fassung genug zu sagen: Gestatten Sie mir, daß ich wieder die füntertreppe benütze, ich möchte nicht von Ihren euten gesehen werden, man weiß. daß ich kein Geschäft mit Ihnen habe, und es könnte doch Einem oder dem Andern auffallen, daß ich Sie gerade an dem Tage in Ihrem Comptoire besuche, wo ich zur Steuerdirection vorgerufen wurde! Unmittelbar nachdem Erdmann fortgegangen, wurden mir die Briefe, welche die Post gebracht hatte, vorgelegt, Oppert mußte ins anstoßende Comptoir gehen, und ich mochte — die offenen Briefe ungelesen vor mir, — etwa zehn zwölf Minuten gesessen haben, als ich plötzlich in der Schreibstube ungewöhnlich laut sprechen höre, als wenn irgend etwas Außerordentliches erzähl: würde; allein ich war so sehr mit meinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, daß ich mich für gar nichts anderes zu interesstren vermochte; — aber im nächsten Momente trat Oppert in einem hohen Grade von Erregunng, wie ich diese bei dem früher stets ruhigen, fassungsvollen Manne noch nie gesehen. bei mir ein. Er schloß sorgfältig die Thüre hinter sich, trat rasch und leise' an mich heran, blickte sich um, als befürchte er von Jemanden belauscht zu werden, und sagte dann im Flüstertöne: „Eine merkwürdige Neuigkeit. Erdmann ist auf dem Wege von uns zur Steuerdirection plötzlich, unerwartet, durch einen Zufall getödtet worden! — »Schomajim woorez!" hatte ich erschreckt a»ifgeschrieen, „der kerngesunde, kräftige, wackere Biedermann , der vor wenigen Minuten noch in der Fülle der Gesundheit vor uns stand! Wie so ist das Unglück geschehen?" „Als er in die Geistgaffe eintrat, hatte Oppert geantwortet, war plötzlich ein beladener Wagen aus derselben gefahren, dessen Deichsel ihn mit solcher Gewalt in die Brust stieß, daß er niedersank, eine starke Blutwelle seinem Munde entströmte, und er sterbend in seine Wohnung getragen wurde!" (Fortsetzung folgt.) ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. /Hin junges gebildetes Mädchen sucht Verhältnisse halber Stellung in einer feinen Familie zur Stütze der HauSfran, als Gesellschafterin oder zu Kindern, und wird gebeten , Franco - Offerten bei der Expedition d. Blattes sud 8. Nr. 3119 niederzulegen.