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Der Israelit · 1878-11-06 · Heft 45 (6.11.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 45 (6.11.1878)
Date
1878-11-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1113 Forderungen auf 80,000 Goldgulden ermäßigt hat. Rabbi Lippmann Doctor aus Mainz theilt mir mit, daß sein Herr, der Kurfürst schon vor längerer Zeit die Gutachten der Universitäten und Gelehrten an die Kaiserliche Hofkanzelei hat abgehen lassen. Sie alle lauten gegen uns, bis auf das des Kaiserlichen Nathes und Richters am Schwäbischen Bunde, des gelehrten Herrn Johannes Reuchlin, das sich zu Gunsten unsrer heiligen Bücher ausspricht." „Gott segne den edlen Mann!" rief Rabbi Löb Emmerich. „Gott segne ihn", Wiederbolten die Andern. „Dasselbe", fuhr Rabbi Moses zur ^mne zu reden fort, „hat mir Pfefferkorn, der alle Gutachten gelesen, bestätigt. Es steht nicht zu hoffen, daß das Gutachten Reuchlins der einstimmigen Verurtheilung der Universitäten und der andern Gelehrten gegenüber Beachtung findet, zumal da unsere Feinde behaupten, wir hätten Reuchlin eine Summe Geldes gegeben, um sein Urtheil zu unfern Gunsten zu stimmen." „Welch eine Lüge!" rief Rabbi Jakob zur Kulpe. „Von unserm Abgesandten", sprach Rabbi Moses zur Kanne, ohne die Unterbrechung zu beachten , „von Rabbi Joselmann Rosheim haben wir schon lange nichts gehört. Hat er etwas ausgerichtet? Ist er beim Kaiser vorgekommen? Der Kaiser hält jetzt zu Salzburg Hof, und in die Thore dieser Stadt wird kein Jude eingelassen, selbst nicht gegen die Entrichtung von Zoll. Deßhalb ist mein Rath, daß wir mit Pfefferkorn uns gütlich einigen und ihm fünfzigtausend Goldgulden bieten." „Wie sollen wir," fragte Rabbi Löb, „diese ungeheure Summe aufbringen?" „Ich habe". sprach der Vorsitzende weiter, „mit unserm reichen Bruder Rabbi Simon Günzburg gesprochen. Er allein will 10,000 Goldgulden dazu geben." „Das ist allerdings ein schöner Beitrag", sagte Rabbi Moscheh Cohen, „allein woher sollen wir die andern 40,000 nehmen? Und wenn die ganze Kehillah*) ihr ganzes Vermögen opfert . . . ." „Die Sache betrifft ja nicht Frankfurt allein", unterbrach ihn der Vorsitzende, „auch unsre auswärtigen Brüder . . . „Seid mochel"*), fiel Rabbi Moscheh Cohen, ihm ins Wort, „das sind ungefangene Fische! Was Frankfurt nicht kann, sollen die Andern können? Unsre Brüder in Deutschland sind gedrückt, verfolgt, arm. Aus Nürnberg sind sie ausgewiesen, 1) Gemeinde. auS Wien sind sie ausgewiesen. auS Ulm sind sie ausgewiesen, deßgleichen aus Mainz bis auf den einzigen Rabbi Lippmann Doctor, in Berlin hat man sie verbrannt — Haschem jidrausch eß domom°) — bleibt von den großen Kehillauß nur Prag und Worms. Oder sollen wir aufs Land schicken und sammeln lassen, in Weisenau, in Bingen, in Hanau, in Friedberg? Was würde da Zusammenkommen?" „So sollen wir unsere Siphr« Kodesch*) verbrennen lassen?" Die Thüre öffnete sich und Rabbi Wolf Spiro trat ein. ..Verzeiht, Rabaußei^), sagte er, „daß ich so spät komme! Rabbi Bär zur Tanne war bei mir und hat mir wichtige Nachrichten gebracht. Ihr wißt, er ist Hausjude beim Schultheiß, und der hat ihm anvertraut, daß eine Botschaft vom Kaiser in unserer Angelegenheit an den Senat gekommen sei." „Günstig oder schlimm?" fragten die Andern. „Wie man's nehmen will", antwortete Rabbi Wolf. „Der Kaiser sendet einen Mann, den er zum Befehlshaber und Regierer der gesammten Judenheit deutscher Nation eingesetzt bat, und der soll das entscheidende kaiserliche Mandat mitbringen." „Was ist das für eine neue Zoroh!°) rief Rabbi Moscheh Cohen bekümmert. „Das wird irgend ein vornehmer Mann sein, den der Kaiser reich machen will und ihn uns deßhalb als Zaurer2 3 4 5 6 7) auf den Hals hetzt." Der Schammeß8) trat ein und meldete, Herr Johannes Pfefferkorn wünsche vor dem Vorstande zu erscheinen. „Das ist ein gutes Zeichen", sagte der Vorsitzende; «Eure Nachricht scheint doch nicht schlimm zu sein, Rabbi Wolf. Wir lassen uns natürlich jetzt auf keinerlei Zugeständniß ein, bis wir genaue Kunde haben von der neuen kaiserlichen Verordnung." Die Andern nickten zustimmend. Dann befahl der Vorsitzende dem Schammeß, daß er den wohlangesehenen Herrn Johannes Pfefferkorn ersuche, einzutreten. Als der Proselyt eintrat, erhoben sich die Vorsteher von ihren Sitzen und verneigten sich. „Bleibt nur sitzen", sagte Pfefferkorn, „und 2) Verzeiht. 3) Gott möge ihr Blut fordern. 4) Heilige Bücher. 5) Meine Herren. 6) Noth. 7) Dränger. 8) Gemeindediener.

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