Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1878)
- Date
- 1878-11-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1111 und die Gemeinde werde darum auch zufrieden sein können, wenn ihr die 20,000 Mk. erst nach Fertigstellung auSgezahlt werden: freilich möchte er wünschen, daß die Bürgerschaft dem dahin gehenden Antrag von Stange nicht beitrete, weil sie dadurch ausspräche, daß auch sie das von Stange gehegte Mißtranen theile. Dr. A. Brehmer hebt hervor, daß der Senat auf Herstellung der Facade gedrungen habe, deren Verblendung ursprünglich der Kostensparung wegen noch verschoben werden solle, wie dies mit der Kuppel noch jetzt beabsichtigt wird; er weist darauf hin, daß zur Vollendung des monumentalen Baues die Kuppel unerläßlich sei, und daß bei der sofortigen Ausführung überdies 1000 Mk. als für interimistische Bedachung nicht erforderlich werden, erspart werden; er beantragt daher im Verein mit mehreren BürgersLaftsmitgliedern die Erhöhung des Darlehens auf 22,000 Mk., unter der Bedingung, daß die Kuppel sofort gebaut werde. Stange erklärt, um zu zeigen, daß er kein Mißtrauen hege, zu Gunsten dieses Antrages den seinigen zurückzuziehen, denn die Kuppel sei das Letzte, was fertig werde und sobald diese erst in Angriff sei, möge die Summe gerne ausgezahlt werden. Dr. Peacock verwahrt die Antragsteller gegen diese Auffassung von Stange, erklärt vielmehr, daß er deren Ansicht sei, es werde Sache des Senates fein, zu bestimmen, in welchen Raten und zu welchen Zeiten er das Darlehen leisten wolle. Hiernach erfolgte die Annahme des Senatsantrages mit dem Amendement von Dr. Brehmer, so daß das Darlehen also nun 22,000 Mk. betragen und die Kuppel sofort mit der übrigen Synagoge hergestellt wird. Aus dem Schweinfurter Gnu. Wir finden in Nr. 43 des „Israelit" „unter Thüringen" nichts Näheres über die Stadt und die jüd. Verhältnisse von Schmalkalden, und kann ich daher als echter Schmalkälder nicht umhin noch einige Details zur Ergänzung des schönen Elaborats nachträglich folgen zu lassen. Die jüdische Gemeinde daselbst datirt schon von Alters her; durch die in den letzten Jahren herrschende Freizügigkeit, hat die Gemeinde einen bedeutenden Zuwachs erhalten und dürften momentan nahezu 25 Haushaltjzpgen daselbst sein, die sich noch zum größten Theile zum alten Judenthum bekennen. Es befindetsich daselbst — in der alten sogenannten „ Judengaffe" belegen — noch eine alte Synagoge, welche — Dank i den energischen Bemühungen des dortigen Kreis- I Vorstehers, Herrn Emanuel Eckmann — im Jahre 1875 einer gänzlichen Reparatur unterzogen wurde. Die alten „Ständer" wurden entfernt, an ihrer St-lle zieren jetzt neue Substlien, daS schön hergerichtete Gotteshaus, ähnliche Veränderungen wurden auch mit den Candalabern vorgenommen, und nun bietet das Innere einen angenehmen Profpect. Hier war es auch wo der sel. Rabbi Meyer Eckmann Vs": vierzig Jahre lang mit unermüdlichem Eifer und Fleiße für die Jugend lebte und strebte, viele Schüler ausstellt-, O'vv nm* und min lehrte, das Amt eines Seelsorgers treu und gewissenhaft verwaltete und nach allen Richtungen thätig und rege war. Unter den vielen vorzüglichen Anstalten heben wir die dortige Realschule hervor, die von zahlreichen israel. Schülern besucht; dieselben sind Sonnabends vom Schreiben und andern Handtierungen aber dispensirt. Auch einen schönen Friedhof besitzt die Gemeinde; außerhalb der Stadt an einem ruhigen Plätzchen liegt er, vor dem sog. „stillen Thor." Hier auch ruht ein bedeutender Talmudist der sel. Rabbi b"rr"r "pw v"«i schon über dreißig Jahre in kühler Erde; vor drei Jahren folgte die Wittwe desselben nach, die in der größten Armuth starb. Die Kreisstadt Schmalkalden bildet ein Enclave, gehört, umgräuzt von Herz, sächs. meiningschen und kgl. preuß. sächsischem Gebiet, bekanntlich dem streng orthodoxen Rabbinate Fulda an. Schweiz. Zürich. Im vorigen Jahre theilte ich in diesem geschätzten Blatte mit, daß sich in Zürich in Folge verschiedener Vorkommnisse, welche sich der s. Z. angestellte mito zu Schulden kommen ließ, eine Anzahl Gemeindemitglieder entschlossen, sich allwöchentlich einen omt? aus einer benachbarten Gemeinde kommen zu lassen, um ihrer religiösen Ueberzeugung und Pflicht gemäß, zu leben. Wenn nun dieser Entschluß und diese Handlungsweise sehr löblich ist, so muß es dem Eingeweihten doch auffallen, daß diese Genossen von eben diesem^rop nicht verlangen, daß erbet einem zuständigen Rabbiner nbop zu erhalten suche, denn es ist Thatsache. daß der Betreffende vielleicht vor 20—25 Jahren einmal eine solche erhalten hat und seither nicht wieder. Diese Mittheilung hat nur den Zweck, daß von Seiten der Führer dieser Parthei darauf gedrungen werde, daß von ihrem Dtw sofort bei einem anerkannt orthodoxen Rabbiner, der ja ganz in der Nahe wohnt, eingeholt werde, um es einem streng religiösen hw wenigstens möglich zu machen, in Zürich -uro zu leben. Frankreich. Paris, 27. Oct. Dieser Tage erhielt Herr Crömi eux ein Schreiben von Herrn v. Bleichröder in Berlin, aus welchem ich Ihnen Fol-