Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1878-10-30 · Heft 44 (30.10.1878) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 44 (30.10.1878)
Date
1878-10-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447747-2447788--15459-2471408
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

» 1038 tirte Ureihia hervor, daß die Berufung einer um* stituirenden Versammlung in dieser Frage nicht nothwendig sei, man müsse sich dem Beschlüsse des Congresses unterwerfen, spater würde man zur Beschlußfassung über die Judenfrage eine constituirende Versammlung einberufen müssen. Schließlich gab derselbe in bewegten Worten seinen Gefühlen in Bezug auf die Trennung Bessarabiens von Rumänien Ausdruck. Der Deputirte Miscail betont unter Anderm, daß es die Pflicht der Regierung sei, Europa zu beweisen, daß die Judensrage für Rumänien eine Lebensfrage sei. Also die Lösung der bessarabischen Frage, die Rumänien einer großen und fruchtbaren Provinz beraubt, wird dem Beschluß der Kammer anheimgegeben, dagegen soll und muß die Judenfrage einer constituirenden Versammlung zur Berathung unterbreitet werden, da diese Frage für Rumänien eine Lebensfrage sei. Die Herren sollten doch endlich gelernt haben, daß Europa, an das sie appelliren, sich durch derartige Phrasen sich nicht länger wird täuschen lassen und werden vielleicht zu spät einsehen, daß sie durch solches Vorgehen die Sympathien der Garantiemächte sich vollständig verscherzen. Fragen wir aber, woher es kommt, daß die Rumänen gerade in Bezug auf die Judenfrage sich weniger gefügig zeigen, als in anderer Frage, so werden wir den Grund hiefür in der laxen Behandlung dieser Frage Seitens der Mächte finden. Wenn Rumänien einerseits in Rußland einen stets wohlwollenden Gönner in Intoleranz und Inhumanität und andererseits bei Oesterreich anstandslose Anerkennung seiner Autonomie findet, dann muß den Leuten der Kamm wachsen. Es wäre aber an der Zeit, daß Seitens der Congreßbetheiligten derselbe Eifer, mit dem sie dieJudenfraze auf dem Congreß behandelten, auch jetzt zu Geltung gebracht werden zur endlichen Lösung derselben. Es ist wirklich ergötzlich zu sehen, welche Manöver die rumänische Regierung erfindet, um die Sache wenigstens so lange als möglich hinzuhalten. Denn an eine völlige Verschiebung derselben wird sie wohl im Ernste nicht denken, dafür bürgt uns die Sympathie Deutschlands, Englands, Frankreichs und Italiens für diese Judenfrage. — Der Nomanul sagte jüngst, indem er von der Revision der Verfassung wegen der die Juden betreffenden Frage spricht, daß die Regierung vorher eine Volkszählung werde vornehmen müssen, um die fremdländischen von den im Lande geborenen Israeliten zu unterscheiden. Die Letzteren würden in der Lage sein, sogleich naturalisirt zu werden, während die Andern ihre Naturalisation nach den für alle Fremde vorgeschriebene Normen werden nachsuchen müssen. Wir wissen nicht, in welcher Beziehung dieses Blatt zur Bukarester Regierung steht; jedenfalls aber scheint uns der dort vorgeschlagene Weg der richtige zu sein. um zu einer befriedigenden Lösung zu gelangen. Möchte die Regierung nur bei der Naturalisation keinerlei Schwierigkeiten machen. *) Steelrw (Posen). Das Versöhnungsfest scheint häufig von traurigen Unglücksfällen begleitet zu sein und zwar in Folge des außergewöhnlich starken Besuches der Synagogen. Der entsetzliche Vorfall, welcher vor einigen Jahren an diesem Tage in Ostrowo sich ereignete und bei welchem bekanntlich viele Todte zu beklagen waren, lebt noch in unserer Erinnerung, und leider sollte auch unsere Stadt diesmal ein betrübendes Schauspiel erleben. Gegen 11 Uhr, Vormittags, wo die Gemeinde bereits zahlreich versammelt war, stürzte die Decke des Gotteshauses ein und bedeckte die unten Befindlichen mit Schutt. Leider sind sehr viele nicht unbedeutende Verwundungen vorgekommen. Die Frauen mußten, um von der Gallerie in's Freie zu gelangen, vermittelst Leitern, die von außen ang'estellt waren, durch die Fenster steigen, da die Eingänge verschüttet waren. Die Decke bestand aus Querbalken, an denen Latten unterwärts genagelt waren. Nun hatten sich die Riegel gelöst und die Latten fielen herunter. Die Aufregung ist eine ungeheure. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Unter vielen Andern hat der Kaiser auch den hier weilenden Selig Hausdorf aus Jerusalem empfangen. Als Delegirter des Comito's zur Erbauung israel. Armenhäuser in Jerusalem bat Herr Hausdorf den Monarchen, daß er gestatten möge, das eiserne Thor dieser Armen-Anftalt mit dessen Allerhöchsten Wappen versehen zu dürfen. Herr H. wurde vom Kaiser huldvollst empfangen, und eine günstige Erledigung dieses Ansuchens steht zu erwarten. Als der Audienznehmer in's kaiserl. Empfangszimmer trat, und im Begriffe war, seine Kopfbedeckung abzunehmen, bemerkte der Kaiser: „Behalten Sie nur die Kopfbedeckung auf". Prag. Nach dem Ausweis des israel.,, Freitisch-Vereins" in Prag für das Schuljahr 1877— 1878 hatte derselbe eine currente Einnahme von *) Dies gerade ist es, was wir befürchten; weßhalb wir auch nicht mit der Ansicht unseres geehrten Herrn Correspondemen übereinstimmen. Die Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.