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Der Israelit · 1878-10-30 · Heft 44 (30.10.1878) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 44 (30.10.1878)
Date
1878-10-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1086 nicht so viel gebrauchen werde, so gebe ich den Ueberrest zurück."" „Und sonst nichts?" „„Ich verlange nichts, und wenn man mich belohnen wollte, ich würde es zurückweifen."" „Du gefällst mir; eine Belohnung von mir darfst Du nicht ablehnen; erbitte Dir eine Gnade." „„Eure Majestät Gnade ist mir unschätzbar. So bitte ich denn, daß das Ausweifungsdecret gegen die Juden von Colmar zurückgenommen werde." " „Was gehen Dich die Jude» von Colmar an?" „„Sie sind meine Brüder."" „Du bist sehr uneigennützig; aber ich kann Dir diese Bitte nicht gewähren; ich habe gewollt, daß Du Dir etwas für Dich, für Deine Person erbittest, aber nicht für Andere. „„Wie einst Gott zu Mose, so sprechen Eure Majestät zu mir; und waS Mose dem allmächtigen Gott zu antworten wagte, das darf wohl auch ich zu Eurer Majestät sagen: ich verweigere die Gnade für meine Person anzunehmen und bitte um Gnade für mein Volk!"" „Ich habe aber der Stadt Colmar bereits mein Wort gegeben." „ „Möge es mir doch gelingen, Euer Majestät edles Herz zu rühren! Diese unglücklichen Juden von Colmar, die nichts verbrochen, nichts Böses gethan haben — was soll aus ihnen werden? Zum Allerheiligen-Tage, mitten im Winter, sollen sie ihre Heimath verlassen ohne zu wissen. wohin sie sich wenden können, sollen zurücklassen ihre Häuser, die ihnen Niemand abkaufen wird, ihr HauSgeräth, das sie nicht mit sich tragen können; daS Haus unseres Gottes und den Begräbnißplatz sollen sie der Schändung und Entweihung preisgegeben! Und Eure Kaiserliche Majestät seid von Gott bestellt zum Schützer auch dieser Eurer armen Unterthanen. Und noch mehr, wenn heute die Juden aus Colmar ausgetrieben werden, so wird man sie morgen aus Schlettstadt und übermorgen aus Oberrehnheim, in der nächsten Woche aus Freiburg und dann auS Regensburg auStreiben wollen und so fort. O, Kaiserliche Majestät, eS ist schon schlimm genug um uns bestellt. Wir haben Keinen, der sich unser annimmt, denn Gott allein, keinen Menschen auf Erden, nur Feinde und Verfolger. Eure Majestät aber sind von Gott zum Herrscher eingesetzt, zum Wahrer des Rechts, zum Beschützer der Verfolgten, zum Reiter der Bedrängten; o, erbarmet Euch meiner unglücklichen Brüder von Colmar!" „Ich möchte eS Dir nicht gern abschlagen; allein, ich habe mein Wort gegeben. Was soll ich thun, Sernteiner?" , „Eure Majestät"", antwortete der Gefragte, „„könnten huldreichst einen längeren Aufschub gewähren, unter dem Vorwände, daß die Juden sich bequem ihrer Sachen emäußern können. Später wird sich dann ein Ausweg finden lassen, den Juden den Aufenthalt weiter zu gestatten."" „So sei es", sagie der Kaiser; schreibe dem Obristen - Hauptmann und Landvogt im Elsaß, Herrn Wilhelm von Rappoltstein *), daß er in diesem Sinne in meinem Namen an den Rath von Colmar berichte. Bist Du mit mir zufrieden, Joselin?" „ „Eure Majestät sind wie ein Engel Gottes." " „ Du aber sollst auch persönlich meiner Gnade theilhaftig werden. Du klagtest, daß die Juden keinen Annehmer hätten auf Erden. Wohlan, so sollst Du ihr Annehmer werden. Ich setze Dich ein zum Befehlshaber und Regierer der gesummten Judenheit deutscher Nation. Deine Brüder sollen Dir gehorchen und Du sollst sie vertreten an den Höfen des Kaisers und der Fürsten. So Jemand etwas plant gegen Deine Brüder und Anverwandten, so mögen diese Dich zu Hilfe rufen; so Jemand, Einer oder Viele, beschuldigt werden, magst Du sie vertheidigen und retten, und niemals sollst Du die kaiserliche Macht vergeblich anrufen." „„Majestät . . . ."" „Danke mir nicht. Was ich heute beschließe, ist erst die Vollendung des schönsten Werkes meines Lebens. Der allgemeine Land friede wird erst dadurch zur Thatsache, daß er auch die Juden mit seinen Segnungen beglückt. Sernteiner, fertige ein inanäatum ro§ium aus und sende es dem Joselin in seine Herberge." „„Gott segne Eure Majestät . . . „Kein Wort weiter. Geh!" NNd Rabbi Joselmann ging. „Das ist ein ganzer Mann", sagte Max. „Wenn er nicht ein Jude wäre — ich würde ihn zu meinem Reichskanzler ernennen." (Fortsetzung folgt.) 7) Ribeaupierre. Hierzn drei Beilagen. Lrrautwortltche Redaction: Dr. Lehmann. — »erlag der L e Noux'schen Hofbuchhandlung. 3. ©oll*leben’« Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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