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Der Israelit · 1878-10-23 · Heft 43 (23.10.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 43 (23.10.1878)
Date
1878-10-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Siune für Schule und Gottesdienst ist es wohl auch zuzuschreiben, daß aus dieser Gemeinde schon eine ganze Reihe recht tüchtiger Lehrer hervorgegangen ist, von welchen einige sich auch literarisch bcmerklich gemacht haben, wie z. B. der verstorbene Levyjvhn in Fulda und Kleimen Hagen in Schwerin u. m. Walldorf gehört zum Herzogthume Meiningen und hatte früher wohl nächst Stadtlengsfeld die größte Israel. Gemeinde in Thüringen. Sie zählt immer noch über 50 Mitglieder, hat eine schöne Synagoge, eine gute Schule, an welcher 2 Lehrer wirken, und alle die übrigen Institutionen, wie sich solche in größeren jüdischen Gemeinden vorfinden. Seit.der Einführung der Freizügigkeit hat diese Gemeinde, sowie das nahe liegende Dreißigacker, einen großen Theil seiner Mitglieder verloren, welche sich größtentheils in Meiningen niedergelassen haben. In dieses aus dem vor einigen Jahren stattgefundenen großen Brande neuerstandenen Stadt, in welcher vor lO Jahren nur einige israel. Familien wohnten, ist die Zahl derselben durch Zuzüge von Außen bereits auf 60 angewachsen. Der Landrabbiner, Herr Dr. Dreifuß, welcher früher in Walldorf seßhaft war, hat ebenfalls seinen Sitz hierher verlegt. Leider ist er aber schon seit längerer Zeit durch Altersschwäche und Krankheit an feder amtlichen Thätigkeit gehindert. Die Gemeinde hat einen tüchtigen ReligionSlehrer und Vorsänger, aber keine eigene Synagoge, sondern bedient sich als solcher eines gemietheten, aber zweckmäßig eingerichteten Saales. Zur Gemeinde gehören viele hochachtbare, bürgerlich sehr angesehene Mitglieder, unter diesen 2 Rechtsanwälte, 1 Commerzienrath und einige Hofbanquiers; auch ist seit der Freizügigkeit mehr religiöses Element in die Gemeinde gekommen, dem eine recht gedeihliche Weiterentwickelung zu wünschen wäre. Ziemlich gleiche Verhältnisse finden in der nur viel kleinern und älteren Gemeinde Hildburghausen statt. Dieselbe hat eine eigene Synagoge und zählt zu ihren Mitgliedern l Arzt, 1 Rechtsanwalt und 1 besoldeten Assessor» den ersten und bis fetzt einzigen richterlichen jüdischen Beamten im Herzogthum Meiningen. v In Coburg hat sich, ebenfalls feit der Freizügigkeit, um die ursprünglich sehr kleine Stammgemeinde eine zahlreiche iörael. Einwohnerschaft, gleich der erster« aus sehr achtnngSwerthen Mitgliedern bestehend, angesammelt. Die gesammte iSrael. Eiwohnerfchaft der Stadt beziffert sich jetzt auf etwa 70 Familien. Es befindet sich alldort eine von einem tüchtigen Lehrer geleitete iSrael. Religionsschule und eine schöne, doch der Gemeinde nicht eigenthümlich angehörende Synagoge. Die j Stadt hat nämlich der israel. Gemeinde eineüber^ j complete Kirche leihweise, zum Zwecke desGotteS- I dienstes, gratis zur Verfügung gestellt, welche von | der Gemeinde als Synagoge eingerichtet worden! ist. Die Stadt hat sich sogar bereit erklärt, den * Israeliten die Kirche gegen billigen Kaufpreis I gänzlich abzutreten, und der Kauf würde sich auch bereits vollzogen haben, wenn nicht der Umstand, daß di' betr. Kirche nicht innerhalb, sondern in einiger Entfernung außerhalb der Stadt liegt, der Gemeinde einiges Bedenken erregte, da der Besuch des Gottesdienstes leicht dadurch leiden könnte. Ein ähnliches Verhältniß habe ich bis jetzt nur in Limburg a. d. Lahn, in der Provinz Nassau, gefunden. Hier hat nämlich die israel. Gemeinde eine mitten in der Stadt gelegene hübsche kleine Kirche zu sehr mäßigem Preise gekauft und sich zu einer stattlichen Synagoge eingerichtet. Es liegt in solchen Vorkommnissen sicher eine sehr erfreuliche Toleranz Seitens der Christen, eine achtungsvolle Würdigung unseres Bekenntnlsses, ein schöner Erfolg der humanitären Bestrebung und ein Fortschritt wirklicher Bildung und Aufklärung. Welch' ein Umschwung der Zeiten! In Spanien hat man -inst die schönsten Synagogen in Kirchen verwandelt; jetzt überläßt man den Juden gernwillig übercom» plete Kirchen zur Uebung des jüdischen Gottesdienstes. Solche Erscheinungen trösten für manche Unbill und lassen uns bei Allem und trotz Allem doch hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Außer dieser findet sich aber noch eine recht schöne Synagoge in Coburg. Es ist das ein eigenthümliches Verhältnis;. Es wohnten früher nur wenige Juden daselbst. Zu den ältesten dortigen Familien gehört die Familie S., zu welcher auch der Commerzienrath S. und noch mehrere dieses Namens gehören. Da sie früher fast die einzigen israel. Einwohner der Stadt und sehr wohlhabend waren, haben sie sich eine schöne Synagoge gebaut und einen eigenen Todtenhof angelegt. Im Herzogthum Coburg - Gotha herrscht kein Gemeindezwang. Als sich daher nach eingeführter Freizügigkeit in Coburg durch Zuzug von Außen eine zahlreiche israel. Einwohnerschaft zusammenfand und sich zu einer Gemeinde eonstituirte, schloß sich derselben die genannte Familie nicht an und behielt vor wie nach ihren eigenen Gottesdienst bei, sowie auch ihre eigene Begrabnißstätte, während der Hauptgemeinde von der Stadt ein Theil des allgemeinen Todtenhofes zugewiefen worden ist. Das hier Berichtete fordert ebenfalls zu einem Vergleiche zwischen sonst und jetzt auf, der aber für uns ein wenig erfreuliches Resultat liefert. Die kleine Familie S. fand sich einst religiös angeregt und opferfreudig genug, eine schöne Synagoge zu ihrem

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