Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1878)
- Date
- 1878-10-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1055 seiner geliebten Gemeinde beistehen, daß sie den rechten Mann zu seinem Nachfolger erkiese, damit sie immerfort blühe in Frömmigkeit und Thorakenntniß bm sei, bis da nach Zion der Erlöser komme, Amen. AeitungsnachrLchten und Correfpondenzen. Rumänien. Bukarest, 6. Oct. Der „Pol. (Sorr." wird geschrieben, daß man in konservativen Kreisen mit dem Erfolge der Mission zufrieden sei, mit welcher Demeter Ghika dieser Tage bei dem Fürsten Carl betraut war. Er hatte im Namen der konservativen Partei dem Fürsten zu erklären, daß dieselbe im Senate wie in der Kammer darauf bestehen werde, daß die durch die Berliner Beschlüsse hier geschaffenen Fragen durch eine Constituante gelöst werden. Gestern Abends hielt die Deputirtenkammer eine geheime Sitzung ab, um den Modus zu berathen, wie die Berliner Beschlüsse ihre parlamentarische Erledigung zu erhalten hätten. Dieser ganz confidentiellen Berathung war gestern Nachmittags eine öffentliche Sitzung vorangegangen, in welcher der Minister des Aeußcrn, Cogalniccano, die Kammer nun schon zum zweiten Male eingeladen hatte, eine Commission zu wählen, die über dem Hause schon neulich vorgelegten, die Berliner Beschlüsse betreffenden Aktenstücke der Kammer zu referiren hätte, damit Liese letztere sodann ihrerseits — wie Herr Cogalniccano in höchst diplomatischer Weise sich ausdrückte. — „eine Schlußfolgerung aufstellen" könnte. Ueber dieses Ansuchen des Ministers entspann sich nun eine lange Debatte , wobei von einigen Rednern die Berufung der gedachten Commission befürwortet, von anderen hingegen verlangt wurde, die Regierung solle ihrerseits der Kammer eine Vorlage machen, die eine solche ..Conclusion" enthielte, das heißt: die Regierung solle sich zuerst aussprechen, wie sie über die Sache denke, was jedoch von der Ministerbank aus, und zwar in sehr feiner Weife unter Berufung auf die „Souveränetät" -er Kammer, die allein zu entscheiden habe, zurückgewiesen wurde. Auch die Opposition betheiligte sich an dieser Debatte, indem der Führer derselben in der Kammer, Titu Majoresku, mit der Einsetzung der fraglichen Commission sich einverstanden erklärte, gleichzeitig aber auch — conform mit dem an dieser Stelle jüngst ausführlicher besprochenen neuesten Programme der Conservativen — hinzufügte, daß die Partei im gegebenen Momente die Vorfrage der „Constitutionalität" stellen und verfechten werde, weil die heutigen Kammern eben nicht compeient wären, dir durch die Berliner Beschlüsse nothwendig gewordene Modifikation der rumänischen Verfassung vorzunehmen. In der darauf abgehaltenen geheimen Sitzung beobachtete die Regierung eine höchst charakteristische Schweigsamkeit und alle Forderungen, auch selbst der eigenen Parteigenossen, sich über die Frage auszusprechen, blieben unerfüllt, da weder der Minister-Präsident, noch der Minister des Aeußern zu bewegen waren, auS ihrer in dieser Richtung bisher beobachteten Reserve herauszutreten. Schließlich ging die Versammlung auseinander, ohne auch üur einen Schritt nach vorwärts gethan zu haben. Für heute Abend ist im Senate eine geheime Sitzung anzesagt, in welcher die Opposition sehr scharf aufzutreten gedenkt, um die Regierung zum Sprechen zu bringen, was diese jedoch voraussichtlich eben so wenig heute thun wird wie sie es gestern in der Kammer gethan hat. Daß es unter solchen Umständen nicht an Stimmen fehlt, die der Regierung die Absicht zuschreiben, Bessarabien blos im administrativen Wege an Rußland zu übergeben und ebenso die Dobrudscha nur im administrativen Wege zu übernehmen, die „Jude«frage" aber bis zu einer günstigeren Zeit zu vertagen, darf nicht Wunder nehmen. Was nun die Dobrudscha speciell anbelangt, so wird eine aus Beis und Agas bestehende Deputation hier erwartet, welche im Namen der mohamedantschen Bevölkerung der Dobrudscha, den Fürsten und die Regierung bitten soll, vom neuen Gebiete möglichst bald Besitz zu ergreifen. So wenigstens versichert man heure in regierungsfreundlichen Kreisen. Bukarest, 9. Oktober. Die Kommission des Senats hat die Motion angenommen, wonach bk Regierung ermächtigt wird, sich dem Berliner Vertrag zu fügen, von der Dobrudscha Besitz zu ergreifen und dieselbe bis zur Einberufung einer konstituirenden Versammlung im Verordnungswege zu administriren. Die Motion fordert schließlich die Regierung auf, sowohl zur definitiven Lösung der Dobrudscha-Frage, wie der übrigen Fragen des Berliner Vertrages spätestens wahrend der drei Monate der ordentlichen Session eine konstituirende Versammlung einzuberufen. Von Seiten der Regierung wird die Erklärung abgegeben, daß sie die Motion annehme. Man glaubt, die Deputirtcnkammer werde eine identische Motion annehmen. Bukarest, 10. Oktober. Der Senat trat heute in Berathung über die Motion betreffs des Berliner Vertrages. Jepureano, Strat und Sendrea