Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 42 (9.10.1878)
- Date
- 1878-10-09
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1033 len ist, daß die Anfangs des Sommers nach den gegen die Israeliten in Constantine und Setif stattgehabten Unruhen seitens des Oberrabbiners Cahen nach Paris gerichtete Depesche, in welcher den Israeliten gewissermaßen Unrecht gegeben wurde, die Ursache dieser Animosität ist. Feuilleton. Simon Aeding. Erzählung aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts von 8. Kolm. (Verfasser von „Gabrie l".) (Fortsetzung.) Es war eine eigenthümliche Gruppe von Menschen, die am Sabbatausgange in Abraham Tarnowers Sterbezimmer vereinigt war. Dieser lag in seinem Bette, der herannahende Tod hatte schon seine Schalten über sein Gesicht fallen lassen, ein blasses Gelb hatte sich über dieses verbreitet. Am Kopfende des Bettes stand Caroline, die nach und nach erkaltende Hand des Vaters an die glühende Stirn gepreßt, neben ihr stand der Arzt, der dem Kranken zeitweilig etwas Arznei einflößte, die bestimmt war, die langsam entschwebenden Lebensgeister so lange als möglich in ihrer irdischen Hülle fest zu halten. Etwas abseits stand Veronika mit vor Aufregung und Spannung glühenden Wange, und finster zu Boden gerichteten Blicken, neben ihr Fanni ein Bild der vollsten Fassungslosigkeit. Auf einem Lehnstuhle saß der greise Rabbi Michael Bacharach; er war schon hochbetagt; denn kurze Zeit daraus schwang sich auch seine reine herrliche Seele zu ihrem Schöpfer empor; es war noch Sabbat, als er zu dem Sterbenden gerufen worden war — und er war noch in der Feiertagstracht, in Zobelmütze und Schubitz erschienen. Er war noch als Greis ein Mann von wunderbarer Schönheit, mit einem freundlichen milden, wenn auch von Fältchen durchwirkten Antlitz, aus dem unter einer hohen Denkerstirne zwei glänzende dunkle schöne Augen leuchteten, der schneeweiße Bart sank in Silberwellen auf die breite Brust -^es edlen Greises. Neben ihm saß Rabbi Joel Pikwer, etwas vom Bett entfernt standen Markus Erdmann und Simon Neding. Beide waren erstaunt, daß man sie zu dem Sterbenden gerufen — man hatte Mühe gehabt, die Wohnung des Letzteren aufzufinden, und Beide waren überrascht, sich hier nach so langer Zeit zum ersten Male unter so ungewöhnlichen Verhältnissen wieder zu sehen. Die beiden Männer sahen sich zuerst gegenseitig mit scheuen, verlegenen Blicken an. Markus Erdmann hatte durch eine lange Reihe von Jahren, und wie er glaubte mit vollem Rechte, Haß und Verachtung gegen Simon Reding gehegt. Der Mann. den sein Vater als vaterlosen Knaben ins Haus genommen, wie seinen Sohn erzogen, dem er seine einzige Tochter zur Gattin geben wollte, hatte — so mußte er glauben, — an ihm, an dem Schwager, an dem Bruder seiner Verlobten, einen schmählichen Diebstahl begangen, für den sich nicht ein einziger Milderungsgrund anführen ließ. Auch die Hälfte des väterlichen Erbes, — und dieses wäre ja Wilhelminen zugefallen , — genügte in jener Zeit einem thätigen, tüchtigten Geschäftsmanne eine ruhige Existenz zu gründen, warum hatte sich Reding auch die zweite Hälfte, die dem Bruder seiner zukünftigen Gattin gehörte, aneignen wollen? — Und das Verbrechen hatte ihm — Simon Reding — nichts genützt, aber andern geschadet, er hatte in vernunftloser Uebereilung die große Summe Papiergeldes in die Flammen geworfen, sich dadurch der Strafe nicht zu entziehen vermocht, aber ihn und seine Schwester in schwerer, irreparabler Weise geschädigt, - und Simon Reding hatte, wie er glauben mußte, auch sonst sein ganzes Lebensglück vernichtet, ihm hatte er es zu danken, daß sich seine Schwester von ihm losriß, nur seine Mittellosigkeit, glaubte er, sei der Grund, daß Tarnower ihm die Hand seiner Tochter verweigert hatte, und auch diese war ja nur durch Reding verschuldet. Markus Erdmann, der sich gleichfalls ulrter den Zuhörern bei der Droscho des fremden Mochiachs befunden, und daher auch Augenzeuge des Unfalls gewesen, der Tarnower betroffen, hatte sich zuerst gar nicht denken können, weshalb er an das Sterbebett Tarnower's gerufen wurde. Es war merkwürdig — er war nach dem Verluste seines Vermögens Wechselmakler geworden — er hatte mit dem reichen Kaufmann nie ein Geschäft zu machen vermocht, und war auch noch viel früher, bevor er um Carolinen geworben, bei dem ersten Versuche mit ihm in Verkehr zu treten, in einer so schroffen Weise zurückgewiesen worden, daß er kein zweites Mal in geschäftlichen Angelegenheiten die Schwelle seines Hauses betreten hatte, und nun war er eingeladen worden an das Sterbebett des stolzen Mannes zu kommen.nach kurzem Bedenken durchströmte mit wunderbarer Beseligung die Hoffnung sein Herz, daß Tarnower im letzten Lebensmomente feine Härte gegen ihn, die nicht nur ihn, sondern auch fein einziges geliebtes Kind schmerzlich traf, bedaure, und daß er von Reue