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Der Israelit · 1878-10-09 · Heft 42 (9.10.1878) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 42 (9.10.1878)
Date
1878-10-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
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1029 einige jüdische Hausbesitzer hier dem Aginski einen Jahreszins als eine Art Ablösung deS Grund und Bodens, auf dem sie ihre Häuser errichteten. Im vorigen Jahre aber fiel es ernstlich dem A ein, die Juden aus den Häusern fortjagen zu wollen, mit der geltend gemachten Klage beim Gerichte in Rjäsan, daß der Grund und Boden sein unveräußerliches Eigenthum bleibt, und die Häuserbesitzer nur als Miether das einzige Recht besäßen, das Material der Häuser beim Niederreißen derselben nach Belieben fortzunehmen! Richtig erwirkte sich A. beim erwähnten Gericht einen günstigen Bescheid, und die Eigenthümer der Häuser mußten an höhere Instanzen appelliren. Endlich am 23. April d. I. behielten Letztere Recht, und vermittels des Gerichts Kowno die Entscheidung des Appellationsgerichts zu St. Petersburg, daß Kläger A. abgewiesen wurde. Trotzdem wußte sich A. nochmals beim Rjäsaner Gerichtsamte eine entgegengesetzte Entscheidung zu seinen Gunsten zu verschaffen. Die Häuserbesitzer reisten mit dieser neuen Entscheidung zum Gerichtsamte Kowno, wo ihnen der Gerichtspräsident die beruhigendste Versicherung gab, daß nach höchsten gerichtlichem Entschluß zu Petersburg, A. keineswegs sich willkürlich die Befugniß anmaßen könne, sie aus ihrem Besitzthum zu vertreiben. Wie aber erschrocken die Letzter«, als eines Nachmittags (Freitags!) sie das Toben und Lärmen einer heranströmenden Kohorte von betrunkenen Bauern hörten, die, mit Beilen und Brechinstrumenten bewaffnet, zum Demoliren ihrer Häuser sich anschickten. Der an ihrer Spitze vortretende Gerichtsdiener (Mirowi pristaw) las ihnen die,Gerichtsordrc vor, daß, weil sie nicht bisher ihre Wohnungen verlassen, sie daraus jetzt gewaltsam vertrieben und die Häuser sammt Hab und Gut dem Boden gleich gemacht werden. Die Juden fleheten diesen Executor, Namens Schneskin, unter jämmerlichen Weinen an, mit der grausigen Exemtion wenigstens bis kommenden Sonntag zu warten, aber vergebens; der Mann berief sich auf seinen Schein, um dem lebenden Leibe das Fleisch auszuschneiden. In der kurzen Zeit von einer halben Stunde wurden nicht nur die Häuser vollständig demolirt und dem Boden gleich gemacht, sondern auch mit bestialischer Wuth alles sich in denselben befindliche Mobiliar vernichtet; ein tiefes Gefühl des Mitleids für die Betroffenen ergreift uns, gepaart mit demjenigen des Abscheues und Ekels ob der Grausamkeit und Rohheit des Unmenschen von einem russificirten Polen A., der diese jammervolle Scene arrangirte!" Ein uns vorliegendes späteres Schreiben aus dem der Unglücksstätte naheliegenden Garsden, vom 29. August, bestätigt diesen Bericht in allen Einzelheiten, und der Berichterstatter versichert, aus dem Munde der Unglücklichen selbst dieselben vernommen zu haben, und daß sie auch dringend die Veröffentlichung dieser traurigen Thatsache wünschen, und erwarten davon Heil und Hilfe für sich und die A. möglichst bald zu ereilende Nemesis. (Jsr. Wchschr.) Feuilleton. Kabbi Zoseünann von Kosheim. Eine historische Erzählung. XIII. Kaiser Maximilian I. wird mit Recht als einer der vorzüglichsten deutschen Kaiser aus dem Hause Habsburg gepriesen. Seine persönliche Erscheinung war eine höchst liebenswürdige und gewinnende. Er war der letzte Ritter, voll abenteuerlicher Pläne und Vorsätze, weßhalb er sich auch mit Vorliebe „Ritter Theuerdank" nannte. Er war ein tollkühner Mann. In München ging er einstmals allein zu einem Löwen in den Käfig, riß ihm den Rachen aus und zog ihm, der es geduldig litt, die Zunge heraus. In Ulm trat er auf den höchsten Kranz des Münsters hervor auf die sehr schmale Eisenftange, wo die Feuerlaterne hängt, und hob einen Fuß in die Luft auf. — Von seinem Berufe als römischer Kaiser deutscher Nation war Maximilian im höchsten Grade durchdrungen; er wollte durchaus von Carl dem Großen abstammen und betrachtete sich als Erben der römischen Cäsaren. Gar zu gern hätte er die Türken aus Europa verjagt, das alte byzantinische Kaiserreich wieder hergestellt und unter sein Scepter gebracht. Von dem Bestreben geleitet, als oberster Herr auf Erden anerkannt zu werden, suchte er Alles seinem Einflüsse zu unterwerfen. Er war auch der Erste, welcher Rußland in die europäische Staatenfamilie hineinzog und mit dieser, bis dahin im übrigen Europa fast unbekannten Macht, eine Allianz schloß. Er hat Gesandte, Arkebusirer, Constabler, Büchsenmeister , Waffenschmiede, Bergleute aus den Niederlanden, Tyrol und Steiermark an Iwan Wasilowitsch abgeschickt, den Zertrümmerer des Joches der Tartaren, und an dessen Sohn Wasilai, der Smolensk von den Polen zurückeroberte. Gerade an dem Tage, an welchem Rabbi Joselmann vor dem Kaiser zu erscheinen bestellt war, sollten die nach Moskau designirten Gesandten ihre Instruction empfangen. Der Kaiser hatte befohlen, daß man

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