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Der Israelit · 1878-10-09 · Heft 42 (9.10.1878) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 42 (9.10.1878)
Date
1878-10-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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jrM jJ 1028 statt und fast aller Eigenschaften des Geistes und Herzens bar waren, daß dies beim jüdischen Volke keinen Augenblick seit seiner Existenz der Fall gewesen ist, und unsere Rabbinen konnten in Wahrheit behaupten, daß der Mensch im wahren Sinne des Wortes zu jeder Zeit der Israelit gewesen ist. Es wäre die Psticht der jüdischen Verleger, Stellen, welche ungerechte Angriffe gegen das Judenthum enthalten, von dem Drucke auszuscheiden, sowie es nicht minder Pflicht wäre, daß sich gewichtige Stimmen mit dem energischsten Protest gegen solche Angriffe erheben und namentlich wenn es sich um ein Werk handelt, dessen Verfasser wie Victor Hugo in so hohem Ansehen steht. Paris. Fast jedes Jahr kann man in manchen Pariser Zeitungen ganz eigenthümliche, oft lächerliche Beschreibungen über die im Monate Tischri stattfindenden Feiertage lesen. Zwei Journale, „Io Lieole" und „l'Lvänoment," konnten dieses Jahr nicht einmal den richtigen Zeitpunkt erwarten, um ihre traditionellen Fehler zu begehen, Jom Kippur fällt bekanntlich dieses Jahr auf den 7. October. Schon am 19. Septbr. konnte man in oben genannten Zeitungen Folgendes lesen: „Vorgestern haben die Israeliten das Versöhnungsfest gefeiert." „Der General - Commandant des 15. Armeecorps hat den israel. Soldaten zu diesem Zwecke zwei Tage Urlaub ertheilt." Wieso können solche grobe Jrrthümer in so großen und verbreiteten Zeitungen entstehen? Diese Frage ist für alle diejenigen, die mit den Eigenthümlichkeiten der großen Blätter vertraut sind, leicht zu beantworten. In vielen Pariser Zeitungen hat man nämlich die Gewohnheit, jeden Tag die betreffende Nummer des vergangenen Jahres zu berathen und gewisse Nachrichten, die in einem bestimmten Datum wiederkehren, wieder abzudrucken. Im Jahre 1877 fiel Jom Kippur auf den 17. September. Der Journalist hat nun gewissenhaft die Note des verflossenen Jahres copirt, den Urlaub von zwei Tagen für die israel. Soldaten mit inbegriffen. Er wußte einfach nicht, daß es einen israel. Kalender gibt. England. London, 27. Sept. Nicht blos die Geogrvphie, sondern auch die Ethnographie wird durch den bevorstehenden Krieg in Afghanistan bereichert. So schreibt heute Mr. Owen Wheeler. ein Sohn des berühmten Jndologen Wheeler an die „Times", von seinem Vater befindet sich in diesem Augenblicke ein Werk unter der Presse, in welchem Folgendes über die Afghanen zu lesen ist: „Allem äußeren Anscheine nach sind die Afghanen jüdischen Ursprunges; nicht orthodoxe Juden, die Nachkommen derer aus Jerusalem und aus den Tempeln, sondern jene Israeliten, welche in Shichem sich gegen Rehabeam empört und goldene Kälber in Bethel und Dan angebetet hatten. Die Afghanen behaupten die Nachkommen von Saul dem Sohne Kish's zu sein. Sie sind in Stämme, Clans und Familien getheilt. Sie vertheilen erobertes Land durch das Loos, kennen die Ceremonie des Sündenbockes uno bauen Altäre an hohen Orten. Ihre Gesichtszüge sind unverkennbar jüdische, allein ihre Sprache 'ist nicht die hebr., noch ist dieselbe irgendwie dem Hebräischen verwandt. Man vermuthet, daß sie die Nachkonnnen der zehn Stämme sind, welche der König von Assyrien nach der Stadt der Meder fortschleppte. Allein der Verlust jeder Spur der hebräischen Sprache spricht gegen diese Annahme, und es ist unmöglich, deren Identität zu beweisen. Gegenwärtig sind die Afghaner Mohamedaner von der Sunnitischen Secte und als solche traditionelle Feinde der Schiiten in Persien." Mr. Wheeler sen. gibt jedoch in einer Anmerkung an, daß seiner Ansicht die Gesichtszüge ein weit wichtigerer Beweis der Abstammung seien, als die Sprache. Cr behauptet, „das Gesicht von Schir Ali Khan beweise nicht allein seine jüdische Abstammung, sondern sein Character erinnere auch an die melancholische Manie des Königs Saul." Wenn die Theorie des Herrn Wheeler sen. richtig ist, dann könnten die Engländer doch jeden Krieg gegen dm melancholischen Tyrannen sichersparen, wenn sie ihm einfach einen geschickten Harfenspieler schicken würden. Unter den Völkern des Orients findet man häufig ähnliche Typen, allein deshalb wieder die Afghanen als die Nachkonnnen von den zehn Stämmen zu erklären, kann nur ein phantasievoller Ethnologe. Rußland. Aus Russisch-Polen referirt man uns über einen Akt des Vandalismus, der früher nur in Rumänien gang und gäbe war; der Bericht lautet: Warsan (Gouvernement Rjäsan), August 1878. Ein schreckliches Unglück hat mehrere jüdische Familien, die bis jetzt in relativ guten Verhältnissen lebten, betroffen. Ein plötzlich ausbrechendes Schadenfeuer könnte nicht verheerender wirken, wie die barbarische unerhörte Handlungsweise eines Gutsherrn v. Aginski gegen die armen Unglücklichen, die plötzlich ihres Familienwohlstandes, ihres Häuser- und Mobiliarbesitzes beraupt wurden, nun obdach-, besitz- und hilflos dem bittersten Elend preisgegeben und auf kärgliche Unterstützung ihrer benachbarten Glaubensgenossen angewiesen sind! Der Sachverhalt war folgender: Von Alters her zahlten

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