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Der Israelit · 1878-10-09 · Heft 42 (9.10.1878) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 42 (9.10.1878)
Date
1878-10-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1027 Gesuche erwähnt war, das junge Mädchen sei krank, so wurde eine ärztliche Untersuchung im jüdischen Krankenhause veranlaßt. Dieselbe stellte heraus, nicht daß Las Mädchen krank, sondern daß es durch wirklichen Hunger der Auflösung nahe geführt ist; ferner, daß anhaltende Arbeit bereits ihr Erblinden auf dem einen Auge herbeigeführt hat, während geringe Aussicht vorhanden ist, die Sehkraft des anderen zu erhalten. Der bewährte Wohlthätigkeitssinn der jüdischen Gemeinde hat natürlich sofort der dringendsten Noth der Unglücklichen gesteuert und wird auch für ihren weiteren Unterhalt Sorge tragen. (Jsr. Wchschr.) Hannover. Nach einer Entscheidung des Ministers des Innern unterliegen in der Provinz Hannover die Vorsteher der jüdischen Gemeinden mit Einschluß der besondern jüdischen Schvlvorsteher dem Gesetze vom 21. Juli 1852, betreffend die Dienstvergehen der nicht richterlichen Beamten. Dieses Gesetz findet nämlich unter den darin ausdrücklich gemachten Beschränkungen auf alle in unmittelbarem oder mittelbarem Staatsdienste stehenden Beamten Anwendung, die nicht unter die Bestimmungen des die Richter betreffenden Gesetzes vom 7. Mai 1851 fallen. Nun folgert der Minister aus den Bestimmungen der hannoverschen Judengesetzgebung, daß die jüdischen Synagogen - und Schulvorfteher in der Provinz Hannover zu der gedachten Kategorie gehören. Nach § 20 des hannoverschen Gesetzes vom 30. September 1842 über die Rechtsverhältnisse der Juden, den §§ 24 und 32 der Ausführungsbekanntmachung zu diesem Gesetze vom 19. Januar 1844 und der hannoverschen Schulordnung für die jüdischen Schulen vom 5. Februar 1854 seien die jüdischen Synagogengemeinden und Schulverbände hinsichtlich ihrer kommunalen Zwecke der Aufsicht und Einwirkung der Staatsbehörden unterstellt. Hieraus gehe hervor, daß die gedachten Beamten, soweit es sich um Wahrnehmung der betreffenden Funktionen handele, in der Stellung mittelbarer Staatsbeamten sich befänden. (I. Pr.) Frankreich. Paris. Herr Rabbiner L. Levy schreibt dem „Un. Jsr.": Victor Hugo, der von der Menge so angebete berühmte Dichter, ist stets ein bischen Roscho gewesen Dieser Bekämpfer der Vorurtheile hat nie die dümmsten Vorurtheile gegen das Judenthum von sich abwerfen können. Dieser berühmte Deklamator, welcher täglich die allgemeine Brüderlichkeit predigt, glaubte immer, das älteste der Völker, das israel. Volk, von seiner Liebe ausschließen zu müssen. Der große Schriftsteller hat sozusagen zu seiner umfassenden Philanthropie gesagt: „Du wirst bis dahin gehen, Du Wirst diese Grenze nicht überschreiten." So hat er in einem seiner Dramen, ich weiß nicht in welchem, die gehässige und dumme Fabel vom Gebrauch des Christenblutes am Peßachfeste glaubhaft machen wollen. Einem achtbaren und gelehrten Manne gegenüber, der gegen diese strafbare Verdächtigung protestirte, war der Dichter so gnädig, seine berühmte Hand zu reichen und zu sagen: „Ich spreche Nicht von Ihnen, den erleuchteten Israeliten des 19. Jahrhunderts; ich spreche von Ihren Vorfahren des Mittelalters, welche fanatisch und verderbt wie ihre christlichen Zeitgenossen sein konnten." Diese Antwort zeugt von mehr Unwissenheit als Uebelwollen; denn alle Welt weiß, daß unsere Religion im Mittelalter auf alle Geister ihrer Anhänger eine mächtige Autorität ausübte, und jedes Kind weiß, daß der Israelit durch seine Religion verpflichtet war und ist, sich eher tödten zu lassen, als einen Mord zu begehen. In einem seiner poetischen Stücke hat der große Dichter des Reimes halber die Worte „le Juif immonde“ (der unreine Jude) gebraucht. Warum sollte er sich gegen uns geniren? Unrein! loioa Pdisd 8d. Ich habe schon oft, als ich gewisse Declamationen des erlauchten Schriftstellers gelesen, an das gedacht, was Raschi über den Vers 34. Cap. 26 in Genesis bemerkt: tab *n. In der letzten Zeit hat das Genie des 19. Jahrhunderts ein Buch über die Gegenwart verfaßt. Man hat sich um dasselbe gerissen, es erreichte in kurzer Zeit die 20. Auflage. Ich habe in demselben ein bemerkenswerthes Wort gefunden, welches dem Ausspruche unsrer Rabbinen ähnlich ist. Der Dichter sagt: „Jeder Sünder ist ein Vatermörder;" unsre Rabbinen sagen: “iaiyn -niDp iP ruip nnx irray. Dieses Buch nun, dessen Verleger ein Jude ist, verleugnet seinen Ursprung nicht. Wie die früheren Werke enthält es eine genügende Dosis von Haß gegen die Juden. Der Autor erinnert sich in demselben mit Vergnügen, einem seiner Helden eines Tages folgende Worte in den Mund gelegt zu haben: „Sie haben einen Menschen getödtet! — Nein, einen Juden." Es ist anzurrehmen, daß der Verfasser dies deßhalb nur angeführt hat, um dieses durch einen anderen Helden um so kräftiger widerlegen zu lassen. Im Namen der Geschichte und Wahrheit wollen wir aber doch constatiren, daß wenn es zu gewissen Zeiten gewisse Völker gegeben hat, die mit dem Menschen nichts weiter gemein hatten, als die Ge-

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