Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1878-10-09 · Heft 42 (9.10.1878) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 42 (9.10.1878)
Date
1878-10-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447747-2447786--15397-2471344
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1020 Hierdurch erscheint es mir ganz ohne Zweifel, daß für Synagogen nicht minder Sportel- und Stempelfreiheit zu erzielen ist. Und wenn auch durch einen Minifterial-Erlaß sestgestellt ist, „daß Synagogen keine Kirchen", sind — so sind Ministerial- Erlasse noch keine Gesetze. Ministerial-Erlafse ändern sich sehr oft mit dem System- und Personenwechsel der Minister, und was in den fünfziger Jahren zu Ungunsten der Synanogen entschieden wurde, dürfte heute sowohl aus dem Verwaltungsals aus dem Rechtswege sich doch ganz anders gestalten. Die Gemeinden dürfen sich nur bei den ungünstigen Entscheiden der untern Behörden nicht beruhigen, sondern müssen den Instanzenweg erschöpfen. Recht bleibt doch Recht, und die Wahrheit behält schließlich stets den Sieg. Oesterr. - Ungarische Monarchie. Czerrrowitz. Die Erben des verstorbenen kaiserlichen Rathes Isaak Rubinstem, Herr Bernhard Rubinstein, Frau Dr. phil. Susanna Rubinstein und k. k. Finanz-Ministerial-Concipist Dr. Moritz Rubinstein, haben, wie die Czernowitzer Zeitung berichtet, zu Ehren des Andenkens ihres Vaters eine.Stiftung mit dem Kapital von 8000 st. in Staatsrente, dessen Zinsen zu Unterstützungen für vier sieche, mittellose und erwerbsunfähige Greise aus Ezernowitz ohne Unterschied der Eonsession zu verwenden sind, errichtet und. dem Vukowinaer Landesausschusse die Verwaltung der Stiftung und das Verleihungsrecht übertragen. Rumänien. Bukarest. Mit der Emanzipation der rumänischen Juden will es nicht von Statten gehen. Allgemein ist es ausgefallen, daß die Thronrede, mit welcher der Fürst die Kammern eröffnet, auch nicht mit einem Wörtchen die im Berliner Vertrag neu geschaffenen Verhältnisse der Israeliten erwähnt. Die Verhandlnngen des Geschwornengerichts zu Dorohoi gegen die Betheiligten bei den Ausschreitungen gegen die Israeliten zu Darabani haben mit der Freisprechung sämmtlicher Angeklagten geendigt. Das Civilgerichtsurtheil gegen die Anstifterin der Ausschreitungen, Frau Cimara, ist ebenfalls zu Ungunsten der Israeliten ausgefallen. Die Juden erhalten auch nicht einen Heller Entschädigung. Rumänische Justiz. — Der rumänische Finanzminister hat an die Präfekten ein Circular gerichtet, in welchem namentlich betont ist, daß den Juden der Tabakhandel, an welchem sie früher stark betheiligt, verboten sein soll. Und dies wagt der Minister zu schreiben, nachdem erst wenige Monate vorher, die europäischen Mächte Rumänien unter der Bedingung als einen unabhängigen Staat erklärt hatten, daß es die Israeliten vollständig emancipirt. England. London. Kapitän Taylor von Boston (Amerika) hat bei Sir Moses Montefiore um die Erlaubniß angefragt, seinem neuesten Schiffe den Namen „Montefiore" geben zu dürfen. (Jew. World) R u ß l a u d. In Petersburg lebte ein Mann mit Namen Salomon Schapiro. Acht Jahre lang bekleidete er das Amt eines Lehrers und Vorbeters in der Simionowski- Polk-lPynagoge. Als er vor Kurzem erkrankte, - wurde er in das Alexandrowski-Hospital gebracht, wo er am Sonnabend den 10./22. Juni starb. Ein russischer Priester kam, um für seine Bestattung zu sorgen. Am folgenden Tage meldete sich eine Jüdin im Hospital, welche verlangte, daß man ihr den Leichnam übergebe, um ihn nach jüdischem Ritus zu beerdigen, da der Verstorbene ein Jude sei, der schon seit längerer Zeit ihrem Kinde Unterricht in Bibel und Talmund ertheilt, und auch in der oben erwähnten Synagoge vorgebetet hätte. Der Priester war erstaunt/stellt sofort die Vorbereitungen zur Bestattung ein, gestattete aber andererseits auch die Auslieferung an die Juden nicht, bevor die Sache untersucht wurde. Bei der Untersuchung legte ein russisches Weib das Zeugniß ab, daß der Verstorbene ein Christ mit NamenWassil Stephanow Schapiro sei, der bereits seit 7 Jahren bei ihr gewohnt und gegessen und sie schließlich zur Frau genommen hätte. Sie schwor, daß er mit ihr alljährlich in den großen Fasten in die Kirche zur Beichte und zum Abendmahl gegangen sei. Auf die Frage, ob sie denn von seiner Wirksamkeit als jüdischer Religionslehrer und Vorbeter Kenntniß gehabt, antwortete sie naiv, sie habe darum gewußt, aber das Geheimniß bewahrt, weil es sein Brod gewesen. Um volle Gewißheit zu erlangen schrieb man nach Cholm im Gouvernement Psakoff, wo er immatrikulirt war und wo sich heraussteüte, daß er schon längst zum Christenthum übergetreten war, weßhalb es auch nicht mehr auffällig ist, daß er die Erlaubniß erhalten hat, sich dort niederzulassen, was einem Juden nicht gestattet ist. Er wurde hierauf auf dem christlichen Friedhof begraben. Petersburg. Unter den Gardesoldaten, welche neulich hierher zurückgekehrt sind, befand sich auch unser Glaubensgenosse, Herr Danzig, welcher beim Sanitätsdienst beschäftigt war. Dieser Herr Danzig, ein Enkel des Verfassers des oin "li, wurde vielfach ausgezeichnet. Er wurde der Großftirstin-Thronfolger vorgestellt und erhielt die goldene Medaille und den Stanis-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.